Ein nasskalter Novemberabend ist nicht die beste Voraussetzung um noch mal das Haus zu verlassen. Dass es einem an diesem Samstag in dieser weiten und stürmischen Welt doch noch warm ums Herz wurde war so nicht unbedingt abzusehen. Vier Musiker aus Bautzen waren dafür verantwortlich, dass eine Menge glücklicher Menschen nach 23 Uhr das Kölner Palladium verließen. Den Regen nahm vermutlich keiner mehr zur Kenntnis. Kein Wunder, nach den vergangenen zwei Stunden. Aber der Reihe nach…
Gegen 20 Uhr betritt Andreas Nowak die Bühne und spricht ein paar einleitende Worte zur Vorband. Silbermond geben jeden Abend einer anderen Band die Chance sich einem größeren Publikum im Vorprogramm zu präsentieren, um, wie es Andreas sagt, auch etwas von dem eigenen Glück zurückzugeben und den Bands eine größere Plattform zu bieten. Between Borders aus Düsseldorf – ausgerechnet – geben gar keine so schlechte Figur mit einer Mischung aus Mando Diao und The Strokes ab. Zwar ist das Material noch nicht ganz so ausgereift um den Spannungsbogen über einen längeren Zeitraum zu halten, aber im Auge und Ohr sollte man die Jungs auf jeden Fall behalten!

Die obligatorische Pause nutzen die Letzten noch mal um den Flüssigkeitshaushalt wieder auf Normalmaß zu bringen, etwas Essbares zu besorgen, einem anderen Bedürfnis nachzugehen oder noch schnell den Außenbereich für eine kurze Zigarette aufzusuchen. Erwähnenswert deshalb, weil das Palladium mal wieder randvoll ist und der eine oder andere sicher dankbar für etwas frische Luft ist – und sei es nur jene vor der Getränke- und Bierausgabe. Ganz vorne ist es jedenfalls kuschelig warm und eng.
Um 21 Uhr hat das Warten endgültig ein Ende und das Intro beginnt. Ein stilvoller Vorhang verhüllt die Bühne und die Band und die Spannung ist so natürlich gleich noch mal eine Spur größer. Jene ist regelrecht spürbar. Danach legen Silbermond mit „Nach Haus“ wunderbar los. Das Lied ist irgendwie auch Programm, da Köln mittlerweile auch so was wie die zweite oder dritte Heimat der Band geworden ist. Warum ihnen ausgerechnet in der Karnevalshochburg so viel Liebe entgegengebracht wird, wissen sie selber nicht. Die Mischung zwischen Zuschauern, die erstmalig ein Silbermondkonzert besuchen und solchen, die die Bautzener schon häufiger gesehen haben, ist übrigens sehr ausgewogen – dies ergibt zumindest eine Umfrage von Stefanie. Überhaupt ist die Mischung recht beachtlich. Ich für meinen Teil hätte jedenfalls mit einem viel jüngeren Publikum gerechnet. Dem ist aber nicht so und irgendwie sind fast alle Altersklassen vertreten. Und selbst die Männer, die vermutlich wegen ihrer besseren Hälfte mitgekommen sind, scheinen am Ende des Tages von Silbermond begeistert zu sein. Das kommt nicht von ungefähr.

Irgendwie darf man Silbermond ja nicht gut finden. Wer was auf sich hält, der würde seiner geschundenen Rockerseele ja nie im Leben eingestehen, dass die Band vielleicht doch nicht so schlecht ist. Jaja, wir pflegen alle immer gerne unsere Vorurteile – drauf geschissen! Die Dame und ihre drei männlichen Mitstreiter sind eine tolle Liveband. Die beiden Stolle-Brüder machen einen hervorragenden Job an Gitarre und Bass, Andreas Nowak hält den ganzen Laden wunderbar zusammen und Stefanie Kloß hat eine ganz, ganz tolle Livestimme. Und sie können unglaublich gut auf den Putz hauen und auch mal ordentlich die Rocksau durch das Dorf treiben.

Dies beweisen sie auch gleich zu Beginn mit „Alles Gute“, „Bist Du dabei“ oder „Meer Sein“. Bei „Tanz Aus Der Reihe“ holt Stefanie dann auch ein paar Leute auf die Bühne, die dort dann das Tanzbein schwingen sollen. Überhaupt gibt sich die Band an diesem Abend mal wieder wunderbar fannah. Dies ist keine Masche, sondern man nimmt ihnen durchaus ab, dass dies für sie von großer Bedeutung ist. Hier wirkt wirklich alles ehrlich und ungekünzelt und die Bühnenpräsenz ist immer wieder auf ein Neues beeindruckend.

Ganz nahe kommt die Band auch den Fans im hinteren Bereich. Zunächst sind Thomas Stolle und Stefanie Kloß für den Unplugged Teil ganz nach hinten gekommen. „Symphonie“ mag ein Schmachtfetzen sein, aber auch an diesem Abend sieht man wieder den einen oder anderen, der sich eine Träne aus dem Knopfloch wischt – zu Recht! Johannes und Andreas gesellen sich auch noch zu den Kollegen und „Weg Für Immer“ und „Wenn Die Anderen“ werden auch noch gespielt. Man verzeiht hier auch gerne einige kleine Patzer und einen Songabbruch – wirkt doch alles sehr charmant. Immerhin gibt es ja auch eine Livepremiere.

Wieder auf der Bühne ist Stefanie bei „Nichts Passiert“ auch schnell wieder unten – im Publikum. Stagediving auf einem Silbermondkonzert? Ja, das passt! Nach „Das Beste“ und „Unendlich“ ist dann Schluss – zunächst. Anschließend gibt es noch ein sehenswertes Trommelfeuerwerk der Vier und natürlich noch Hits, Hits, Hits. „Ich Bereue Nichts“ ist dann der Kehraus und man nimmt es Stefanie ab, dass für die Band Köln etwas Besonderes ist und der Song daher der passende Abschluss ist. Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Zuschauer es unter Garantie auch nicht bereut hat. Ach ja, bei „Das Beste“ haben viele Protagonisten ein Tränchen in den Augen – auch auf der Bühne und wenn Thomas Stolle am Piano innehält und Stefanie Kloß ganz alleine weitersingt hat das schon was.

Als Fazit kann man festhalten, dass Silbermond eine klasse Rockshow mit einigen Balladen auf sympathische Art und Weise hingelegt haben. Eine Band, die wirklich Spaß an dem hat, was sie da tut. Die Fans haben an diesem Abend mal wieder die Vollbedienung bekommen und wer noch mit Zweifeln dahingegangen ist, der dürfte als Fan die Halle verlassen haben. Ich für meinen Teil komme sehr gerne wieder – nicht mein Problem was die anderen denken und von der Band halten.

(Soundbase bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei Daniela Lehman von der Promotion Werft, Sony Music und natürlich bei Silbermond!)
