Vier Jahre pflügt der Mann mit der Maske nun schon die deutschen Kinderzimmer durcheinander. An Sido scheiden sich die Geister. Von einem großen Teil der Jugend wird er geliebt und verehrt, von allen anderen ignoriert oder bestenfalls mit Unverständnis bedacht. Natürlich ist das alles ganz übel für die Entwicklung der Heranwachsenden. Alles Quatsch, wir haben halt früher Die Ärzte „Ab 18“ gehört und heute erfreut sich eben der Maskenmann großer Beliebtheit. Was zählt ist sowieso - wie immer - die musikalische Qualität.
Nach dem Erstlingswerk „Maske“, dem Nachfolger „Ich“ gibt es nun mit „Ich & Meine Maske“ das Ende der Trilogie. Und genau das hört man nun dem dritten Album an. Die Scheibe klingt im Grunde wie ein „Best Of“ der ersten beiden Alben oder eben wie der logische Schlussstrich.
Der Anfang der Scheibe verbeugt sich im Übrigen vor einem der ganz großen der Rap-Szene – Eminem. Beats, Stimme und Stimmung erinnern frappierend an Slim Shady. „Halt Dein Maul“ ist gar nicht so übel. Auch "Augen Auf“, mit einem Kinderchor, ist überraschend gut gemacht. „Herz“ soll vermutlich eben dieses berühren, die textliche Umsetzung lässt einen aber nur mit dem Kopf schütteln. „Strip Für Mich“ mit Kitty Kat ist von der musikalischen Interpretation recht witzig, textlich gibt der Titel die Richtung schon vor, sicher nicht jedermanns Sache. Ähm, was bitte soll denn „Carmen“ sein? Muss man gehört haben – zumindest ist das eine faustdicke Überraschung. Mit „Nein“ ist Sido sogar ein kleiner Hit für den Sommer gelungen. Und der große Rest? Genau das, was man von Sido erwarten konnte.
Fazit: Neben den einzelnen Songs gibt es noch die kleinen Auflockerungen „Peilermann und Flow“ – mal nett, mal mäßig lustig. Die Scheibe hat mich zum Teil überrascht und dies in positivem Sinne. Zwar pflegt der überwiegende Teil genau die Vorurteile von uns alten Säcken, aber hier und da horcht dann selbst eine Mumie wie ich es bin auf.