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Sheryl Crow: 100 Miles From Memphis Tipp
(Universal)


Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Das siebte Studioalbum von Sheryl Crow ist etwas ganz Besonderes. Es schließt sich ein Kreis und in gewisser Weise ist sie wohl wieder dort angekommen, wo alles begann. Sheryl Crow ist wieder zu Hause und drückt dies musikalisch mehr denn je aus. Ihr letztes Album „Detours“ legte den Fokus noch verstärkt auf die Texte, diesmal sollte die Musik wieder mehr in den Fokus rücken. Eine Musik, mit der Sheryl aufgewachsen ist, die sie verehrt und die immer eine Inspiration für sie war.

So ist es auch nur konsequent und logisch, dass zunächst die Musik entstand. Sie nahm mit ihrer Band zwei, drei oder gar vier Tracks pro Tag auf und dies über einen Zeitraum von 10 bis 12 Tagen. Vieles wurde direkt live eingespielt. Für die Texte musste sie sich erst hinsetzen und diese zum musikalischen Gerüst erst passend schreiben. Sie musste sich somit auch von gewohnter Arbeitsweise lösen und die Themen direkt und unverblümt ansprechen. Die Zeit vieles zu verschlüsseln blieb erst gar nicht. Insofern erlebt man auf „100 Miles From Memphis“ die vielleicht offenstes Sheryl Crow die es je gab.

Sheryl Crow ist 100 Meilen entfernt von Memphis aufgewachsen und die Idylle der Kleinstadt hat sie ein Leben lang geprägt. Sie selber sagt, dass die Musik von dort immer ein Teil von ihr sein wird und für sie immer noch die wichtigste Inspirationsquelle und der zentrale Antrieb für alles, was sie macht, sei. Das hört man diesem Album deutlich an. Diese Songs sind eine Herzensangelegenheit und dies sollte gefälligst auch jeder hören.

„100 Miles From Memphis“ ist auch kein Album, welches sich sofort erschließt oder einen sogar direkt packt. Nein, die Songs wollen erarbeitet werden, haben dafür aber auch ein wesentlich längeres Haltbarkeitsdatum. Wer die Popnummern von Sheryl Crow mag, sollte also gewarnt sein. Der grandiose Auftakt von „Our Love Is Fading“ führt einen da zunächst auf die falsche Fährte. Diese extrem tanzbare Nummer, die neben Stax und Motown Einflüssen auch wieder die Stones zitiert, ist nämlich sofort präsent. Hat man Sheryl Crow eigentlich schon mit mehr Dreck in der Stimme gehört? Wer hier noch still sitzen kann oder nicht mindestens mit dem dicken Zeh mitwippt, interessiert sich vermutlich nicht für Musik.

Wo wir gerade schon bei den Stones waren: bei „Eye To Eye“ gibt es in dieser Hinsicht gleich den nächsten Kracher. Bei diesem Reggae infizierten Stück ist nämlich Keith Richards höchstpersönlich mit von der Partie. Mit „Sign Your Name“ packt Sheryl Crow schließlich den Soul aus. Auch, wenn im Hintergrund Justin Timberlake mitsingen darf, ist dies doch ganz und gar die Show von Frau Crow. Wem der Titel bekannt vorkommt, liegt übrigens richtig, denn es handelt sich in der Tat um den Überhit aus den 80ern von Terence Trent D´Arby. Allerdings ist diese Version hier wesentlich reduzierter. Mit „Summer Day“ wird dann wieder der Pop ausgepackt. Der Song wird mit viel Soul dargeboten und erinnert abermals an die großen Zeiten des Genres. Marvin Gaye war ja nun auch irgendwie Pop. Man könnte vielleicht bemängeln, dass die Streicher etwas dick auftragen – obwohl, auch das gab es bei den Soul-Größen schon. Zunächst kommt dieser Track recht unscheinbar daher, gewinnt nach einigen Durchläufen aber ungemein an Kontur.

„Long Road Home“ packt dann noch eine Portion Singer/Songwriter obendrauf und wird getragen vom Gesang. Gerade zum Refrain hin wächst das zu einem gospelartigen hymnischen Stück an und bildet somit den perfekten Kontrast zu den Strophen. „Say What You Want“ könnte auch von Springsteen und seiner E-Street Band sein. Großes Kino! Ebenfalls eine Nummer, die einen nicht ruhig sitzen lässt. „Peaceful Feeling“ hält das Tempo zwar hoch, klingt aber etwas uninspiriert und verkitscht. Die Ballade „Stop“ trieft zwar auch vor Kitsch, schafft es aber trotzdem die Kurve zu kriegen und letztlich beeindruckt Sheryl Crow hier mit ihrer Stimme. Als junge Mutter sei ihr so ein Song aber auch zugestanden und letztlich berührt die Nummer dann sowieso jeden. Die volle Breitseite Melancholie gibt es mit „Sideways“, bevor der Titeltrack „100 Miles From Memphis“ unterstreicht, was Sheryl Crow mit diesem Album musikalisch ausdrücken und sagen wollte. Etwas ziellos kriecht zunächst „Roses And Moonlight“ aus den Boxen, ist musikalisch aber höchst ambitioniert und entpuppt sich schließlich als etwas ganz Besonderes – bitte genau hinhören. Als Bonustrack gibt es dann mit „I Want You Back“ noch eine Verbeugung vor Michael Jackson, den sie 87 als Backgroundsängerin auf seiner Welttournee begleitet hat. Auch hier schließt sich ein Kreis.

Fazit: Nach Tom Petty scheint nun auch Sheryl Crow zurück zu ihren musikalischen Wurzeln zu finden. Sehr viel Soul wird mit den Zutaten Rock, Folk und Americana angereichert. Sheryl Crow macht als Sängerin ebenfalls eine äußerst gute Figur. Man merkt und hört den Songs an, dass hier sehr viel Herzblut reingeflossen ist. Dieses Album wollte sie vermutlich schon immer machen und das hört man einfach. Die direkten Texte sind zudem ein Wohltat und es ist schön, dass mal nicht alles verklausuliert ist. Dies ist die beste Sheryl Crow seit langer, langer Zeit!

http://www.sherylcrow.com

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