An den Scissor Sisters führte dieses Jahr kein Weg vorbei. Wer den Überhit „I Don’t Feel Like Dancin’“ nicht kennt, der dürfte in den bisherigen elf Monaten noch kein Radio gehört haben. Die Single mauserte sich zu einem ganz großen Dingen und dürfte bei der Plattenfirma für leuchtende Augen gesorgt haben. Durch den permanenten Einsatz im Formatradio bei uns hat sich die Band mittlerweile nicht nur eindeutig im Mainstream positioniert, sondern auch etabliert. Man muss fast sagen, leider. Wer bei dem Titel heute nicht einen mittelschweren Brechreiz bekommt der ist wahrlich schmerzfrei. Die Engländer sind es, denn da ist die Band eine noch größere Nummer. In ihrer Heimat USA scheinen sie übrigens über den Kultstatus einer Homosexuellen Band nicht hinauszukommen.
Den Hype in Great Britain haben sie direkt mal für eine schicke, fette DVD Produktion genutzt. Im Millenium Dome London, der sich nun wie ein Sponsor nennen darf, spielten die Schwestern vor vollem Haus! Daran kann man schon den Status der Band auf der Insel erahnen, knapp 20.000 Leute sind schließlich kein Pappenstil. Wer die Scissor Sisters schon auf deren Deutschlandtour bewundert hat, der wird hier staunen. War in unseren Gefilden noch alles eine Nummer kleiner und gediegener, so haben sie hier die ganz große Show aufgefahren und auf die sprichwörtliche Kacke gehauen. Im Stile der ganz Großen hat man eine dicke, fette Lasershow auf die Zuschauer losgelassen. Musikalisch wurde man von einer schicken Bläsersektion unterstützt, die obligatorische Ledwand durfte natürlich auch nicht fehlen und Ana und Jake hatten eine schön große Spielwiese, sprich Bühne mit amtlichen Catwalk. Holla die Waldfee, da hat man sich aber nicht lumpen lassen. Unnötig zu erwähnen, dass sich die Protagonisten auch ordentlich in Schale geworfen haben. Glamour ist das Gebot der Stunde – in jeglicher Hinsicht!
Die Zuschauermenge frisst der Band vom ersten Takt an aus der Hand. Ana und Jake verstehen es auch vorzüglich die Massen bei Laune zu halten und wissen, was zu einem ordentlichen Animationsprogramm gehört. Jawohl, so sollte Entertainment sein! Ana gibt sich dabei oftmals als der laszive Vamp und Jake wirkt mit weit aufgerissen Augen wie Mickey Mouse auf Helium. Die visuelle und filmische Umsetzung ist dabei zum großen Teil äußerst gelungen. Hier wurde alles mit einem Blick für das Wesentliche eingefangen, die Dynamik der Show kommt so dabei sehr gut zur Geltung, ohne dass der Schnitt allzu hektisch wirkt. Der Sound ist auch sehr amtlich und fett und kommt auch auf der heimischen Couch in Dolby 5.1 Surround Sound, DTS 5.1 Surround Sound oder in Stereo ziemlich gut und authentisch rüber. Die Setliste dürfte auch für jeden Fan ein Traum sein. Vom ersten Ton bei „She´s My Man“ über „Tits On The Road, bei dem Ana glänzen darf, hin zu „Take Your Mama“, „Comfortably Numb“ und dem schmachtenden „Land Of A Thousands Words“ bis zum obligatorischen „I Don´t Feel Like Dancin´“ reicht die bunte Palette.
Alles schön und gut, aber mir bleibt die Musik der Scissor Sisters auf ewig ein Rätsel. Stumpf und langweilig wirkt der reine musikalische Vortrag, da können auch die sehr guten Showelemente nicht drüber hinwegtäuschen. Diese DVD dürfte somit mehr als andere ein reines Werk für Fans sein. Für eine stattliche Anzahl an Fans allerdings!
Der interessantere Part dieser DVD dürfte eindeutig die einstündige Dokumentation „A Year Of Ta-Dah“ darstellen. Diese ist zum Teil recht bizarre und skurril geraten und zeigt eindeutig, dass die Scissor Sisters für jeden Spaß zu haben sind. Wer schon vor einem Konzert im Aufzug stecken bleibt und dabei die Gerüche seiner Kollegen auf engstem Raum mit einem Witz ertragen kann, muss aber auch schon eine Spaßbombe sein. Aber auch die ernsthafte Seite der Band kommt hier nicht zu kurz und so berichten sie beispielsweise von ihrem Status in ihrer Heimat und dass Konzerte dort in 3.000er und 4.000er Hallen durchaus ein Erfolg und eine schöne Sache sind. Ein weiterer Höhepunkt dürfte der Auftritt bei Wetten Dass…? sein. Übrigens darf man hier ohne Ton „Super Trouper“ mit Gottschalk bewundern. Ohne Ton? Ja richtig, denn Abba haben dem Song für diese DVD ihre Zustimmung versagt! Zwar sind die manchmal etwas grobkörnigen Aufnahmen etwas gewöhnungsbedürftig, aber insgesamt ist die Geschichte eine runde Sache geworden. Als weitere Extras gibt es einen sehr schönen Acoustic Gig zu bewundern, sowie „Transistor“ Live At Wembley 2006 und natürlich die obligatorischen Videos. Als Bonus liegt noch eine CD mit neun Stücken des Auftrittes in London dabei, Fanherz was willst Du mehr?
Fazit: Mit „Hurrah A Year Of Ta-Dah“ gibt es die Fanvollbedienung. Diese dürften in Entzückung geraten und sich an diesem dicken Paket immer und immer wieder erfreuen. Allen anderen wird dies freilich ziemlich Schnuppe sein. Neue Fans werden aufgrund der musikalischen Darbietung nicht hinzukommen, entweder man mag die Scissor Sisters oder nicht. Dies dürfte der Band aber auch ziemlich egal sein, ist doch auch was Schönes, wenn man dem eigenen Anhang eine Freude machen kann.