Ein besonderes Konzert erwartete die Besucher des Pressenwerks in Bad Salzungen am 6.11.04. Schandmaul, Hoffnungsträger aller Folkrocker/ Mittelaltermetaller, die von den jüngsten Wendungen der etablierten In Extremo oder Subway to Sally enttäuscht sind, spielte zum letzten Gig der aktuellen Tournee auf. Eine fette Party sollte das werden versprach die Band schon im Vorfeld.
Und damit nicht genug, neben dem guten Ende sollte an diesem Abend auch ein Anfang gesetzt werden: Eric Fish, Frontmann der besagten Subway to Sally begann an diesem Abend offiziell die diesjährige Solotour, die ihn inzwischen schon traditionell am Ende des Jahres mit seinen beiden Freunden Uwe und Rainer durch die Lande führt.
Wer Eric Fish schon einmal mit seinem Soloprogramm erlebt hat, durfte mit einer gehörigen Skepsis ins mit gut 400 Gästen bestens gefüllte Pressenwerk gekommen sein. In der Regel in kleinen Clubs vor 100, vielleicht 200 Leuten, am besten mit Bestuhlung, denn diese Konzerte haben‘s in der Regel in sich, 4-5 Stunden (!) sind da keine Seltenheit, mit wenigen kurzen Pausen, vielen längeren aber nie langweiligen Redebeiträgen und vor allem ausschließlich akkustischer Musik mit teilweise dreistimmigem Gesang, Gitarren und Mundharmonika sprechen doch ganz andere Sinne an als die laute, fröhliche Show der Schandmäuler.
Dementsprechend ließ sich auch der eine oder andere Aha-Effekt erleben. Manche der Besucher, uninformiert über die Vorgruppe, waren – aus dem Ausdruck ihrer Gesichter zu schließen – reichlich überrascht über dieses ganz andere Gesicht des Subway-Sängers.
Als Liedermacher und nachdenklichen Sänger z.B. alter Crosby, Stills, Nash &Young-Nummern hatten sie ihn noch nie gesehen. Manche ließen sich dann auch von der etwas anderen Stimmung mitnehmen, andere fanden es, wohl weil nicht erwartet, eher langweilig, quatschten fröhlich weiter, begrüßten lautstark ihre Kumpels und kurvten mit dem Bierchen in der Hand durch die Menge.
Wie gesagt, das nahm so ein wenig von der Stimmung, zumal auch Eric nicht so richtig aufdrehen durfte. Schließlich musste er ja sein 4-Stunden-Programm auf etwa ein Viertel eindampfen. „Also“, Zitat E.Fish, „weniger quatschen und mehr singen, dann schaffen wir vielleicht noch ‘n Song mehr…“
Im Wesentlichen griffen die drei Barden auf das Programm der im Mai erschienen Live-CD zurück und spielten dies auch, abgesehen von kleinen Pannen („Zu vieler Leute Körperwärme verstimmt empfindliche Gitarren…“E. Fish) routiniert und mit sichtlichem Spaß. Es gab das obligate Gewinnspiel, bei dem die Originalinterpreten eines Songs zu erraten waren. Im Gegenzug verließ dann eine gefüllte Flasche Bourbon die Bühne, begleitet von dem nicht ganz ernst gemeinten Wunsch, man möge noch zwei Finger breit für die Band übrig lassen. Neu im Programm war eine ziemlich verhunzte Version von The Who‘s „Behind Blue Eyes“, laut Eric einem der traurigsten Lieder der Musikgeschichte und deshalb nur mit Sonnenbrille zu ertragen. Naja, man muss ja nicht immer einer Meinung sein.
Nach zwei Zugaben, unter anderem einer absoluten Gänsehautversion von „Kleid aus Rosen“, die begeistert auch vom gesamten Saal mitgesungen wurde, verließen die drei nach gut einer Stunde die Bühne, um für die Mädels und Jungs von Schandmaul Platz zu machen.
Für Schandmaul war es wie gesagt der letzte Tourneetag und die sechs sympathischen Münchner hatten sich offensichtlich vorgenommen, nochmal richtig die Sau rauszulassen. Sänger Thomas kündigte dann auch gleich zu Beginn an, man werde viele neue und einige alte, lange nicht mehr gespielte Songs einbringen. Da als Opener gleich das starke „Herren der Winde“ gewählt wurde, ließ diese Ankündigung auf einiges hoffen. Und tatsächlich, zu Beginn des Konzerts folgte ein Kracher nach dem anderen; die „Letzte Tröte“, „Die goldene Kette“ und natürlich „Das Teufelsweib“ boten einen guten Querschnitt aus den älteren Alben, wobei die Stücke von der aktuellen Produktion eher unaufdringlich einflossen.
Die Spielfreude der gesamten Band sprang dann auch sofort auf das nun vollends in Partylaune befindliche Publikum über und jeder Song, gerade auch die Instrumentals mit traumhaften Dudelsack-, Flöten- und Geigeneinlagen von Birgit bzw. Anna wurden frenetisch abgefeiert.
Letzte Konzerte einer Tournee sind ja traditionell auch die, wo die Crew durch ein wenig Schabernack den Ablauf des Abends auflockert. So war es dann auch hier nicht verwunderlich , dass ein wenig in die Bühnenroutine eingegriffen wurde. Bei der „Waldmär“ etwa schwebte plötzlich eine alte Korblampe (der Vollmond?) auf den im schummerigen „Walddunkel“ stehenden verdutzt dreinblickenden Thomas herab. Das breite Grinsen des Soundmans und sein erhobener Daumen erklärten den Rest.
Soundtechnisch war der Auftritt im Übrigen einwandfrei und auch die wirklich sehr beeindruckende Lightshow verdienen eine besondere Erwähnung. Überhaupt muss man feststellen, wenn man die Auftritte der Band in den letzten Jahren verfolgt hat, dass hier zunehmender Erfolg konsequent in bessere, aber nicht übertriebene Technik umgesetzt wurde, aber auch das ohnehin schon immer gute Stageacting nochmal eine Steigerung erfahren hat.
Die sechs Musiker gehören zweifellos zur Creme des deutschen Folkrock.
Und auch das sei abschließend festgestellt: Was auf Platte manchmal ein wenig gleichförmig daherkommt, wird live zur Granate. Auf der Bühne rocken die Müncher einfach unglaublich.