Irgendwie sind die Mitglieder von System of a Down alle arbeitssüchtig. Ständig öffnet sich wieder ein Ventil und ein neues Projekt schießt aus dem Boden. Die neueste Konstellation Scars on Broadway macht sich nun auf die Welt zu beglücken. Dahinter verbirgt sich mit Daron Malakian und John Dolmayan die halbe Mannschaft von System of a Down. 15 Songs hauen uns die beiden um die Ohren. Überraschend ist ein Soloausflug gerade von Daron nicht. Er leiht nicht nur hin und wieder seiner Hauptband die Stimme, sondern ist am Songwriting und letztlich an deren Erfolg auch maßgeblich beteiligt. Nachdem Serj Tankian mit „Elect The Dead“ also ein Solowerk geschaffen hatte, nutzte auch Daron seine übersprudelnde Kreativität. Zudem hat er direkt noch eine ganze Palette an Instrumenten selbst eingespielt.
System of a Down Fans brauchen keine Angst vor Enttäuschungen zu haben, denn im Grunde ist alles wie gehabt. Hat man sich erstmal daran gewöhnt, dass hier eben nicht Serj Tankain der Hauptsänger ist, sondern Daron Malakian, dann fühlt man sich gleich heimisch und findet vertraute Klänge auf „Scars on Broadway“ wieder. Die folkloristischen Elemente wurden allerdings deutlich zurückgeschraubt und diese extreme Härte, die bisweilen auf den Alben der Hauptband zu finden ist, fehlt hier gänzlich. Natürlich wird hier immer noch ordentlich auf den Putz gehauen ("Exploding/Reloading"), aber im Grunde seinen Herzens hat „Scars on Broadway“ eine große Portion Pop zu bieten.
Dass die ganze Kiste hier nicht wie eine billige Kopie wirkt ist dem zum Teil richtig guten Songwriting zu verdanken. Daron Malakian hat in dieser Hinsicht einiges zu bieten und auch John Dolmayan hat genügend Spielraum sich ordentlich auszutoben. Die berühmt berüchtigten Stil- und Tempowechsel sorgen für die nötige Abwechslung und sorgen dafür, dass es nicht langweilig wird, auch wenn das Album insgesamt um die berühmten zwei bis drei Songs zu lang geraten ist.
Schon die Albumeröffnung mit „Serious“ und „Funny“ zeigt die gesamte musikalische Bandbreite. Spätestens bei der zweiten Nummer kommt die große Popaffinität deutlich zum Vorschein. Dieses Gewand steht den beiden Protagonisten sehr gut zu Gesicht. Wenn dann noch eine düstere Atmosphäre wie beim großartigen „Insane“ hinzukommt, dann fühlt man sich als Hörer fast schon an The Cure erinnert. Ein Brecher vom Formate „World Long Gone“ dürfte die Fans von SOAD unter Garantie zufrieden stellen. Zudem unterstreicht der Track ganz dick, dass man auf einen eingängigen Refrain ja nicht verzichten muss! Auch das letzte Albumdrittel ist nicht arm an Höhepunkten, wie schon das tanzbare „Enemy“ deutlich zeigt. „3005“ ist fast schon eine kleine Ballade und das mittlerweile bekannte „They Say“ beweist ebenfalls, dass „Scars on Broadway“ absolut eine Daseinsberechtigung verdient hat.
Fazit: Vielleicht haben einige von diesem Projekt noch mehr Pop erwartet oder Freejazz oder Spacerock oder oder. Herausgekommen ist ein Album, welches sehr nah bei der Hauptband angesiedelt ist. Genau dies ist dann die Überraschung, weil die meisten was ganz anderes erwartet haben. Überragend sind die sehr poppigen Melodien! Nicht mehr, aber auch nicht weniger. „Scars On Broadway“ ist somit sehr wohl eine konsequente Weiterentwicklung und macht mit all seinen Ideen eine Menge Spaß und ist in seiner Gesamtheit ein musikalischer Genuss.
Album Pre-Listening (90 Sekunden pro Song) und Video Trailer:
http://artists.universal-music.de/_widgets/scars_on_broadway
http://www.scars-on-broadway.de
Hmm…ich weiß nicht so recht, ob man noch von einer Hauptband ‘System of a Down’ sprechen kann. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Malakian in einem Interview gegenüber einem metallischen Printmedium mächtig angepieselt geklungen und rausgehauen, dass SoaD im Prinzip seit drei Jahren aufgelöst und nicht mehr existent sind…ohne jetzt falsche Gerüchte streuen zu wollen… Katze
Comment by Katze — August 2, 2008 @ 7:12 pm