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Sascha Gutzeit: Laaangsaaaaam

Autor: DJ / Kommentare: Bisher keine

Sascha Gutzeit, der Entschleuniger1,60m Schwebebahn Poesie und Wuppertaler Großstadtanekdoten, eine Rampensau wie Bon Scott und ein Entertainer wie Peter Frankefeld mit dem Schlag bei Frauen wie einst der smarte Kuhlenkampff, das ist Sascha Gutzeit. Gefühlt viel zu lange hat man nichts mehr vom gehört, doch jetzt beglückt er seine Fans direkt mit einem Doppelschlag. Entschleuniger heißt seine Live Platte gemütlich, Großstadt Astronaut seine musikalische Geschichtensammlung der letzten 15 Jahre. Und weil man selten rundum glücklich mit einer CD ist, dankt man es dem Künstler mit Interesse und bohrenden Fragen. Wer oder was ist z.B. ein Entschleuniger?

Für meine Begriffe ist ein „Entschleuniger“ jemand, der es schafft trotz der ganzen Hektik heutzutage auch mal (ab und zu) langsamer zu machen. Geschrieben hatte ich das Stück ursprünglich als eine Art Selbsttherapie: Morgens immer erst einen lecker Kaffee trinken und dann erst an den Rechner setzen, zum Beispiel. Das muß ich mir selbst oft ins Gedächtnis rufen…und da die Aufnahmen für das Album so gemütlich waren, habe ich direkt die ganze Live-CD „Entschleuniger“ genannt.

Die CD wurde an zwei Abenden im alten Landcafe in der Eifel aufgenommen. Warum ist die Wahl gerade auf diesen Ort gefallen und nicht auf einen Club in Wuppertal, wo Du ein Heimspiel gehabt hättest?

Im „kleinen Landcafé“ hatte ich auch schon einige Male gespielt und nach meinem (für mich) besten Solo-Konzert spontan beschlossen: Hier schneide ich die Platte mit! Für ein Live-Album war es mir wichtig, dass die richtige Mischung aus Zuhören und Mitmachen entsteht. Das war im Landcafé auf jeden Fall gegeben. Klar hätte ich in Wuppertal ein Heimspiel gehabt, aber ich hätte nicht all die Songs spielen können, die ich für die CD spielen wollte…

Die Atmosphäre in diesem Club schien recht intim, allerdings scheinen nach dem Klatschen zu urteilen, eher wenige Leute vor Ort gewesen zu sein. Vor wie vielen Personen hast Du an diesem Abend gespielt?

Ich bin ja froh, dass geklatscht wurde! Haha, ja genau, es waren jeweils circa 40 Leute da – mehr passen allerdings auch nicht rein!

Ist es für Dich einfacher, Deine Geschichten und Deine Persönlichkeit vor einem kleinen Club zu entfalten? Und stellst Du Deinen Set spontan um, wenn Du merkst, dass eine andere Gangart beim Publikum besser ankommt?

Ich glaube mittlerweile nicht mehr, dass die Größe eines Clubs keine Rolle spielt. Es hängt nur von der Beziehung zwischen Publikum und mir/uns ab. Als ich beispielsweise vor „BAP“ gespielt habe, fand ich die Atmosphäre sehr intim. Wenn ich merke, dass die Leute offensichtlich drei nachdenkliche Lieder zuviel gehört haben, dann stelle ich spontan um…meine eigene „Gangart“ und Laune ist da auch entscheidend. Meistens schreibe ich mir sowieso nur eine Art Spickzettel und kein fertiges Programm.

Kommen zu Deinen Konzerten eher Leute, die Deine Songs kennen (auf der CD scheint ja jemand Frau Schröder zu fordern) oder triffst Du eher auf ein Publikum, für das Deine Geschichten neu sind?

Da ich seit etwa drei Jahren mit meiner Musik sehr viel rum komme, ist wohl beides der Fall. Und ich mag beides sehr. Irgendwo zu spielen, wo man viele Songs mitsingen kann und Konzerte zu geben, wo man mich neugierig anguckt. Mittlerweile verwischt das vielerorts…da singen dann einige Leute mit und andere gucken dann amüsiert zu eben diesen Leuten rüber…“ach, du kennst das?!“ Das macht Laune!

In einigen Deiner Lieder singst Du über Deine Zeit in den USA. Misst Du diese Zeit heute und willst Du irgendwann wieder in die Staaten?

Als ich 16 Jahre alt war habe ich ein Jahr in Battle Creek in Michigan verbracht. Das war eine tolle Zeit und ich habe viele schöne Erinnerungen. Aber nein, ich misse diese Zeit nicht, es ist ja mein halbes Leben lang her und seitdem ist so viel passiert. Seitdem war ich des Öfteren in den Staaten, einer meiner besten Freunde lebt dort…

Du warst damals noch recht jung, als Du ein Jahr in den USA verbracht hast. Wie hat Dich diese Zeit geprägt?

Genau ich war sehr jung, daher hätte mich wahrscheinlich jedes andere fremde Land damals auch so fasziniert. Ich bin damals sehr intensiv mit für mich neuer Musik in Verbindung gekommen. „Rush“ z.B. Und ich lebte bei einer sehr reisefreudigen Familie…(zu der ich übrigens auch immer noch Kontakt habe) und ich bin daher innerhalb der Staaten viel rumgekommen. Und musiziert haben in dieser Familie auch alle, das hat mich schon sehr geprägt!

In Kalamazoo singst Du von einem Mädchen, das hässlich wie die Nacht war, aber ein tolles Lächeln hatte. Wer war dieses Mädchen und was ist aus ihr geworden?

Haha, dieses Mädel kenne ich gar nicht! Du? Nein ehrlich, die habe ich mir für den Song ausgedacht…aber sie ist bestimmt irgendwo da draußen!

Mit Füße hoch, Niveau kütt ist neben Rastaplatz auch ein neuer Song (wirklich neu oder mir nur unbekannt?) auf der CD. Der Text und auch die Intention sind verständlich, aber was war der ausschlaggebende Moment für den Song, also der Punkt, wo Du gesagt hast, das Fass ist voll, ich muss da jetzt drüber schreiben.    

Also „Füße hoch“ ist wirklich nagelneu (genau wie „Rastaplatz“ und „Taxifahrer“) und hat eine witzige Entwicklung durchgemacht. Der Refrain samt Titel fiel mir während eines Konzertes ein. Es war wie eine ein-Mann-Jam-Session vor Publikum. Dieses „Lied“ – was bis dahin wirklich nur ein Refrain war -  zog sich dann wie ein running-gag durch’s Programm. Später wurde mir klar, ich muss mit diesem Titel etwas machen und dass es in Richtung Fernsehen geht, war mir in sofern sehr schnell klar, als dass ich zuhause fast kein Fernsehen gucke, fast immer nur auf Tour im Hotel. Und da habe ich bemerkt, dass ich dann immer sehr schnell sehr aggressiv werde. Und so kam dann der Text nach und nach…das Thema setzt bei mir einfach Sarkasmus frei…aber der Text war übrigens ursprünglich noch sehr viel härter…

Mein bester Song ist sicherlich die Liebeserklärung an Deine jetzige Frau. Hast Du diesen Song auch für den Heiratsantrag genutzt? Und wirst Du Deine Musikergene auch vererben? Ist Gutschein Nachwuchs schon in Planung?

Nee, noch kein Nachwuchs, dafür bin ich (unserer Meinung nach) zuviel unterwegs. Das kann sich ja noch ändern. Aber es stimmt: Der Song ist eine Liebeserklärung an meine Frau – oder besser: Der Versuch, viele gefühlte Dinge in ein knappes Stück Musik zu packen. Für den Heiratsantrag habe ich „Wedding Song“ von Bob Dylan genommen (sehr kreativ, ich weiß…).

Was mir damals bei immer woanders gar nicht so aufgefallen ist, ist der Text zu Eines langen Tages Reise in die Nacht. Hatte ich damals eigentlich als weiteren Liebessong gehört und bin diesmal durch die Zeile ‚und das Benzin brennt auf meiner Haut, als ich die Kanister über uns ausleer’ erst darauf aufmerksam geworden, dass diese Liebe ein rech tragisches Ende nimmt. Was hat Dich denn damals dazu bewegt, diese Nummer zu schreiben?

Da kamen einige Faktoren zusammen:
a) Durch eine Theaterproduktion war ich mit Eugene o’Neill und sein Stück „A long day’s journey into night“ in Kontakt gekommen. Der Titel hat mich sofort fasziniert und ich wollte gerne einen Song machen, der so heißt.
b) Bis dahin (2003) hatte ich immer nur entweder Liebeslieder, oder Geschichten oder schräges Zeug geschrieben. Mir schwebte in diesem Fall eine Kombination vor – ist ja auch nicht abwegig.
c) Seit Ewigkeiten hatte ich einen Text in meinem Notizbuch stehen, der mit den Zeilen „Du bekommst nicht mehr mit wie die Türe zu geht und sich der Schlüssel ein letztes Mal im Haustürschloss dreht“ anfing. Auf den war ich wieder gestossen und hatte absolut keine Ahnung, was ich mit diesem Ding mal vorhatte…und so wurde es der Anfang von „Eines langen Tages Reise in die Nacht“.

Es gibt auch nach wie vor die Idee, die Geschichte zu verfilmen. Mal gucken, ob das noch passiert…

Passend zu Entschleuniger veröffentlichst Du auch mit Großstadt Astronaut eine etwas andere Songsammlung, nämlich bekannte Nummern in einem anderen Gewand, bisher unveröffentliche Songs und noch den einen oder anderen Live Mitschnitt. Hast Du damit endgültig die Schublade geleert oder warten noch irgendwo alte Stücke, dass sie endlich ihren Weg auf CD finden?

Da sind noch so einige Stücke in meiner Schublade. Ob die auch nach und nach mal rauskommen wird sich zeigen. Die Lieder auf „Großstadt Astronaut“ machen quasi zusammen mit den Songs auf „Entschleuniger“ mein momentanes Live-Programm aus. Gerade arbeite ich aber auch wieder an neuem Material und das hat natürlich im Vergleich zu den Sachen in der Schublade immer Vorrang.

Mit Hennes Bender hast Du auch schon zusammen musiziert. Schätzt Du Hennes eher als Comedian oder als Musiker? Und könntest Du Dir ein ähnliches Projekt wie Burger Queen vorstellen?

Oh, ich schätze Hennes generell. Als Person, meine ich! Natürlich ist er auch ein toller Bassist (und Sänger). Und er ist einer der wenigen Comedians, über die ich lachen kann! Klar kann ich mir ein ähnliches Projekt wie Borger Queen vorstellen, da hatte ich auch vor Jahren schonmal mit angefangen: AC/DC auf deutsch und natürlich musikalisch hier und da abgewandelt. 15 Songs habe ich fertig, aber leider fehlte die Zeit, das parallel zu meinen anderen Baustellen vernünftig anlaufen zu lassen. Aber wat nicht ist….

Schreibst Du eigentlich Tagebuch oder sind Deine Songs Tagebuch genug für Dich?

Nein, Tagebuch schreibe ich nicht. Ich bin aber ein ewiger Notizenmacher. Aus den Notizen werden dann manchmal Songs. Ob das allerdings ein Ersatz fürs Tagebuchschreiben ist, kann ich nicht sagen, denn meine Lieder sind ja nicht prinzipiell alle persönlich, die sollen ja auch gut unterhalten…

Wie kommt es eigentlich, dass Deine CDs bei Amazon so teuer sind? Unter 19,99 sind die nicht zu bekommen. Ölpumper kostet gar 25,99.

Sehr peinlich, ich weiß! Aber ich habe keine Ahnung, warum das so ist! Die neuen Alben verkaufe ich persönlich bei Konzerten und über meine Homepage www.SaschaGutzeit.de für nur € 13,-! Viele Kollegen machen das auch so und als ich letztens durch Zufall diese horrenden Preise bei Internetanbietern sah, bin ich auch volle Kanne vom Stuhl gefallen. Bitter, ich bin doch kein Handball-WM-Endspiel!!!

Mal weg von Sascha Gutzeit, dem Musiker, hin zu Sascha Gutzeit als Hörspielproduzent. Da ist es recht ruhig geworden. Viele Leute hoffen aber immer noch auf eine Fortsetzung der Meteor Horror Serie oder Sieben Siegel. Ist das Kapitel Hörspiel für Dich schon abgehakt?

Ehrlich gesagt fange ich erst jetzt damit an, in Sachen Hörspiel kürzer zu treten! Bei „Meteor“ ist zugegeben nicht mehr viel passiert. Die Horror-Serie wird wohl nicht weitergehen. Die ersten „Sieben Siegel“-Folgen sind im Herbst beim Hörverlag nochmal rausgekommen. Wenn das gut läuft, wird es damit weitergehen. In den letzten beiden Jahren habe ich zwei Hörspiele für ein Kindertheater und drei große Hörspielproduktionen für das „Vollplaybacktheater“ gemacht, inklusive der jeweiligen Alternativfassungen, die die Truppe dann auf der Bühne verwendet hat. Und die Musik dafür auch. Da gab es schon einiges zu tun!
Und das „Wuppertal-Musical“, welches bei uns zu einem Renner geworden ist, habe ich auch noch geschrieben und mit dem tollen Stimmenimitator Roland Geiger die entsprechende CD dazu produziert, die quasi eine Art Hörspiel mit Musik ist.
Von daher ist das Thema „Hörspiel“ für mich nicht abgehakt, ich habe nur meine Prioritäten wieder anders gesetzt.

Was ich eigentlich schon lange wissen wollte, ist, was es damals mit dem Nightwash Auftritt auf sich hatte: Wie kam es dazu. Was hast Du geboten?

Das war Hennes’ Idee. Er meinte: Ein paar deiner Songs sind doch lustige, kranke Geschichten, sing die doch da mal. Also habe ich „Vorgruppe“ und „Frau Schröder“ gebracht. Es waren jeweils kurze Auftritte.

Wie waren die Reaktionen?

Supi! Es schien den Leuten im Publikum sehr gefallen zu haben.

Wirst Du es öfters machen? Und warum stellst Du so etwas nicht als Video auf Deine Homepage.

Wahrscheinlich nicht. Von den Nightwash-Machern habe ich auch seitdem nichts mehr gehört…haha. Ich habe sowas nicht auf meine Seite gestellt, weil ich dann viele andere, z.B. ernstere Sachen auch draufstellen müsste, um das auszugleichen, denn ich möchte nicht so gerne als singender Comedian verstanden werden…bin ich nämlich nicht.

Zu guter Letzt die obligatorische Frage: Was können wir von Dir in naher Zukunft noch erwarten? Woran arbeitest Du im Moment?

Wie gesagt habe ich begonnen, an neuen Songs zu schreiben. Im Sommer werde ich wohl wieder eine neue Platte aufnehmen, direkt nach einer 14-tägigen Tour. Da freue ich mich schon sehr drauf und für die neuen Lieder werde ich mich demnächst dann auch mal eine Weile wegschließen. Da freue ich mich auch drauf. Und im Oktober wird dann die Fortsetzung des „Wuppertal-Musicals“ Premiere haben – dafür schreibe ich momentan auch schon. Im April erscheint das neue „Vollplaybacktheater“-Hörspiel und …äh …ja, es ist halt immer was los!

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