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Sade: Soldier Of Love Tipp
(Sony Music)


Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Zehn Jahre Funkstille und dann schneit plötzlich eine kleine Meldung rein, dass die britische Band Sade die Welt mit einem neuen Album beehren wird und urplötzlich hat man das Gefühl, dass eine ganze Branche aus dem kollektiven Winterschlaf erwacht. Specials schießen wie Pilze aus dem Boden und mitunter könnte man meinen, die langverschollene Königin wäre mit einem Urknall zurück. So ganz von der Hand zu weisen ist das vielleicht auch gar nicht, denn Kopf, Stimme und Gesicht der Band – Sade Adu – spielt irgendwie auch in einer ganz eigenen Liga und nimmt somit per se schon eine Ausnahmestellung ein.

Die jetzt oftmals kolportierten zehn Jahre sind ja nicht gleichzusetzen mit der Entstehungsgeschichte von „Soldier Of Love“, denn dann wäre die Ausbeute von zehn Songs, die sich auf etwas mehr als 40 Minuten verteilen, doch recht schwach ausgefallen. Auf der anderen Seite war Masse ja noch nie ein Qualitätsurteil. Sade haben eindeutig mehr Wert auf Klasse gelegt und da hat die Band letztlich doch das richtige Händchen bewiesen und somit hat man es mit einem durch die Bank hochklassigen Album zu tun.

Soul, Pop, Lounge, Chill-Out – Willkommen in der Welt von Sade. Selbige wirkt immer noch etwas unterkühlt, mystisch, traurig, bisweilen seltsam distanziert und dann doch wieder immens spannend. „Soldier Of Love“ ist ein Album in das man als Hörer komplett versinken kann. Kann – muss man nicht. Demnächst wird das Album ebenso in irgendwelchen Szeneläden laufen, wo sich die Hipster dieser Welt aufhalten und sich gegenseitig ihre Wichtigkeit bestätigen. Das war in den 80ern allerdings auch schon nicht anders, die unterkühlte Ästhetik ist dafür ja auch bestens geeignet. An dieser Stelle sollte man das aber nicht (absichtlich) falsch verstehen, denn das ist in gewisser Art und Weise die Essenz von Sade.

Hört man sich das dezente und bis auf die nackten Notwendigkeiten reduzierte „Morning Bird“ an, dann kann man sogar erstaunliche Parallelen zu Portishead ziehen. Kann Traurig- und Hoffnungslosigkeit eigentlich schön sein? Bei Portishead und Sade gleichermaßen ja! „Soldier Of Love“ ist sicher kein Album, welches sonderlich viel Material für das Mainstreamradio abwirft. Die Sound-Ästhetik ist dafür viel zu reserviert, sphärisch, ja gar androgyn. Ein zeitloses Album, welches wie aus einem Guss wirkt. Die Klänge der ersten – gleichnamigen Single – wachsen und wachsen. Ein kleines Opus, welches mit Minimalbeats der Marke Massive Attack und einer Stilistik zu begeistern weiß, die Soundästheten jenseits aller Genregrenzen für sich gewinnen wird.

Sade haben allerdings auch ein paar fröhliche Soundschimmer mit im Gepäck. „Babyfather“ verbreitet ein entspanntes Karibikflair – freilich ohne dabei als Partykracher durchzugehen. Sade wären aber nicht Sade, wenn anschließend nicht der ganze Weltschmerz in „Long Hard Road“ vereint würde. Der Blick ist bei einem guten Glas Rotwein auf das Meer gerichtet, die Gedanken kreisen, schweifen ab und der ganze Weltschmerz trifft einen wie ein einziger Schlag. Kopfkino der besonderen Art! Kann Musik mehr erreichen? Dagegen wirkt „Be That Easy“ wie die Auforderung durchzuatmen und sämtliche Seelenpein fallen zu lassen.

„In Another Time“ hat diese jazzige Phrasierung, die man von dieser Band über die Jahre immer wieder auf ein Neues schätzen gelernt hat und die einem als Zuhörer ein Gefühl von wohliger Wärme vermittelt. Streicher und gezupfte Gitarrenklänge nehmen den Zuhörer schließlich an die Hand und begleiten selbigen bei „The Safest Place“ auf seinem Weg aus diesem Album hinaus. Sade Adu war stimmlich nie nähr am Ohr und Herz des Hörers wie hier.

Fazit: Sade liefern mit „Soldier Of Love“ ein gelungenes und zeitloses Album ab, welches sich in weiten Teilen weit weg vom Mainstream bewegt und mit einer unglaublich dichten und intensiven Atmosphäre besticht. Die teilweise kühle Ästhetik ist da nicht Mittel zum Zweck, sondern ein herausragendes Element dieser Scheibe. Gut, dass Sade nach zehn Jahren wieder ein Album veröffentlicht haben.

http://www.sade.com/de/home

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