Rufus Wainwright wird oftmals als einer der besten Songwriter unserer Tage genannt - sowohl von Kritikern, wie auch aus seinem Kollegenkreis. Die uneingeschränkte Liebe seiner Fans ist ihm sowieso immer sicher. Von heldenhafter Verehrung könnte, nein, muss man hier schon sprechen. Nun kommen gleich zwei Alben von Wainwright. Yellow Lounge ist allerdings kein Wainwright Album im klassischen Sinne, hat mit Klassik allerdings verdammt viel am Hut. Das Konzept ist ein gänzlich anderes.
Yellow Lounge verfolgt eine Idee. Eine Idee wie man junge Menschen wieder für Klassik begeistern kann. Schnell wurde ein Projekt geboren, wo diese Musikform raus aus den Konzertsälen, Opernhäusern und Freilichtbühnen musste, hin zum angepeilten Publikum. Also wurde die Yellow Lounge aus der Taufe gehoben. Wer oder was ist die Yellow Lounge überhaupt? Clubabend trifft es wohl am besten. Durch Mundpropaganda entwickelte sich in Berlin diese Veranstaltung in wechselnden Clubs zum Fixpunkt für hippe Partygänger. An jedem ersten Montag im Monat trifft man sich zum chillen, trinken, flirten und dabei zuzuhören, wie einige DJs klassische Musik auflegen. Der Cocktail wurde und wird also zu Mozart, Brahms, Bach und Konsorten serviert. Und tatsächlich, es funktioniert, es scheint eine neue Begeisterung bei einem jüngeren Publikum für diese Musikform zu geben. Neben den Clubabenden wurde dann noch die Yellow Lounge CD-Reihe aus der Taufe gehoben.
Mit Rufus Wainwright hat man nun einen Mann gewonnen, der nicht besser zu dem ganzen Projekt passen könnte. Er ist nicht nur selber mit der deutschen Grammophon aufgewachsen, nein auch sein eigenes Schaffen zeigt immer wieder klassische Ansätze. Der gebürtige Kanadier war halt von Kindesbeinen an tief in der Klassik verwurzelt. Als Auftakt und Ausklang dieser Zusammenstellung dienen zwei von Rufus Wainwright eigenen Songs. Dazwischen gibt es 17 von ihm ausgesuchte Stücke. Die Bandbreite ist von Beethoven, über Schubert und Verdi, hin zu Bach und Wagner bis Strauss sehr groß. Hauptaugenmerk und Überlegung des Kanadiers war dabei immer die Melodik. Es sagt von sich selber:“ Ich bin zuallererst Melodiker, einiger der ausgewählten Stücke sind zwar sehr vielschichtig und manche rühren an die Grenze der Tonalität, aber dennoch sind es alles Stücke mit Motiven, die man singen und sogar beiläufig summen könnte.“ Wie recht er damit hat! Damit spannt er fast mühelos den Bogen von der Klassik hin zu Pop und zeigt, dass dieses Genre aktueller denn je ist und durchaus von einem jungen Publikum gehört werden sollte.
Fazit: Hier wurde nicht nur auf die Schnelle was zusammengeschustert, sondern Rufus Wainwright hat sich richtig Gedanken gemacht. Von der Songauswahl, über die Reihenfolge, bis hin zur Länge, hier passt alles. Essentiell!