Der Mann ist sehr umtriebig. Rufus Wainwright veröffentlicht nun schon das fünfte Album – in dieser Dekade wohlgemerkt. Hier kann man sicher durchaus von einem Leben für die Musik sprechen, auch gerade, wenn man seine sonstigen Aktivitäten diesbezüglich betrachtet. Aufgenommen hat er seinen neusten Streich in Berlin. Eigentlich sollte dabei ein eher reduziertes Album rauskommen, ein absolut heruntergestripptes, fast schon skelettartiges Resultat. Nun denn! Etwas stutzig konnte man schon werden, als die Nachricht die Runde machte, dass Neil Tennant als Executive Producer fungieren würde. Ja genau, der Neil Tennant von den Pet Shop Boys. Natürlich ist der ursprüngliche Plan nicht aufgegangen, „Release The Stars“ ist alles, aber ganz sicher kein reduziertes Album.
Das erste was einem auffällt oder besser ins Auge fällt, ist Rufus Wainwright in einer schicken Tracht. Aha, da hat Deutschland und seine Klischees also schon seine Spuren hinterlassen. Dann klappt man die CD auf und sieht, ähm, Gartenzwerge. Da bleibt nur noch die Hoffnung auf die Musik und die bietet natürlich wieder die ganz große, schöne, kitschige, überladende Farbpalette die man auffahren könnte und kann.
Das Album startet direkt in die Vollen mit „Do I Disappoint You“. Der Track fährt hier die ganze Gefühlswelt auf. Allerlei Instrumente kommen hier zum Einsatz, praktisch ein ganzes Orchester. Der Song wirkt fast schon überladen und droht überzukippen, fängt sich aber immer wieder und zieht einen bei jedem Durchlauf immer mehr in seinen Bann. Puh, was für ein Auftakt. Zum Glück ist der Meister schlau genug diese Schiene nicht komplett zu verfolgen, sondern kommt bei dem an The Divine Comedy erinnernden „Going To A Town“ mit etwas weniger orchestralem Brimborium aus. Die Betonung liegt hier natürlich auf etwas. Wunderschöner Track. „Tiergarten“ und „Nobody Off The Hook“ verfolgen diese Richtung weiter. Eindrucksvoll zeigen diese Songs, dass der Mann nicht nur in der Klassikmusik verwurzelt ist, sondern in der Tat zu den besten Songwritern unserer Zeit zu zählen ist. Bei „Between The Egs“ wird es nicht nur forscher, Wainwright variiert seinen Gesang und trägt seine Lyrics sehr lässig vor und zum Schluss gibt es dann mit dem Phantom der Oper das ganz große Kino. „Rules And Regulations“ bietet zwar wieder etwas Zeit zum Verschnaufen, aber wer hier genau hinhört, der wird feststellen, dass auch bei diesem Stück jede Menge passiert und allerlei Instrumentarium aufgefahren wird. „Not Ready To Love“ ist dann in der Tat sehr reduziert. Auch dieses Gewand steht dem Kanadier hervorragend. Entspannt geht es dann mit „Slideshow“ weiter, bevor es mit „Tulsa“ wieder in die Vollen geht und von anstrengend bis schön alles in einen Song packt was geht. „Leaving For Paris No2“ bietet dem Zuhörer noch mal etwas Entspannung bevor es mit „Sanssouci“ und „Release The Stars“ zum großen Finale kommt.
Fazit: Rock, Klassik, Pop, Oper, Musical und und und. Hier gibt es alles, was man in ein Album und zwölf Songs reinpacken kann. Wainwright haut die ganze Bandbreite der ganz, ganz großen musikalischen Gefühle raus. Der Zuhörer wird dabei mitgenommen auf eine Reise, die er so schnell nicht vergessen wird und kann. „Release The Stars“ ist wie eine Aufführung und am Ende lechzt man völlig fertig förmlich nach einer Zugabe. So muss das sein!
Ab 01.06. beim Plattendealer des Vertrauens zu erwerben!