Die Bedeutung von Roy Orbison für die Rockmusik wird gerne mal unterschätzt. Viele seiner Kollegen rühmen immer wieder seine Stimme und schauen zu ihm und seinem Gesangsstil auf – von Mick Jagger über Bono bis hin zu Bruce Springsteen. Ebenso ist der musikalische Einfluss von Orbison nicht zu unterschätzen. Mit einer Vielzahl seiner Kollegen hat er ja sowieso zusammengearbeitet. Der Höhepunkt dürfte zweifelsohne mit den Traveling Wilburys erreicht worden sein.
Im Grunde hat die Karriere von Orbison im zarten Alter von sechs Jahren angefangen, denn ab diesem Zeitpunkt gab es für ihn nur noch die Gitarre. Das Spielen brachte ihm sein Vater bei. Seinen ersten Auftritt vor öffentlichem Publikum absolvierte er dann mit elf Jahren, als er auf einer Schulveranstaltung mit seiner damaligen Band The Wink Westerners auftrat. 1955 gab es dann das erste Vorspielen bei einem Label. Den Titel „Ooby Dooby“ hatten seine beiden Freunde Wade und Dick geschrieben und dieser sollte nun Eindruck bei Columbia machen – tat er auch. Aufnehmen ließen sie den Titel allerdings von anderen. Orbison und seine Band nannten sich in The Teen Kings um und damit sind wir schon bei dieser opulenten Box angekommen.„Ooby Dooby“ von The Teen Kings läutet nämlich hier den Songreigen ein.
Was natürlich als erstes auffällt ist die prachtvolle und opulente Aufmachung der Box. Das Teil entpuppt sich als wahrer Augenschmaus. Die limitierte Box wird zusätzlich mit einem schönen Leineneinband aufgewertet. Klappt man diesen auf, offenbart sich der üppige Inhalt. Neben fünf Sammlerpostkarten liegt noch ein 96-seitiges Booklet im Hochformat anbei. Neben vielen Fotos sämtlicher Karriereabschnitten gibt es noch ausführliche Informationen zu den enthaltenen Titeln obendrauf. Ebenso wird jedes Jahrzehnt seines musikalischen Schaffens beleuchtet. So erhält man sogar einen kleinen Einblick in die Biografie von Orbison. Zusätzliche Liner Notes von einem Großteil seiner Weggefährten runden das Bild perfekt ab. Dabei ist alles von Rang und Namen, es liest sich wie ein Who Is Who der Rockmusik. Diese Box hier bietet also nicht nur ein umfassendes Bild über das musikalische Schaffen von Roy Orbison, sondern eignet sich also auch hervorragend als Nachschlagewerk!
Die vier CDs werden von einem Extra-Einband gehalten und geschützt. Jedem Jahrzehnt ist eine eigene CD gewidmet. Dies ist die erste Orbison-Zusammenstellung, die alle Schaffensphasen des Künstlers einschließt. Von seiner ersten Band The Teen Kings, über die legendären Sun-Sessions und seiner Zeit bei Monument Records bis zu seinen Jahren bei MGM und Virgin reicht die Palette. Dies macht unter dem Strich sagenhafte 107 Tracks. Viele unveröffentlichte Aufnahmen lassen dies zu einer Fundgrube für Fans, Sammler und Musikinteressierte werden. Großartig!
Die Anzahl der Hits, die Orbison der Welt geschenkt hat, ist schon beeindruckend. Schon in ganz jungen Jahren ist er mit einem einzigartigen Organ gesegnet und wenn man sich z.B. „An Empty Cup And A Broken Date“ anhört, wird schnell klar, warum ihn viele Kollegen um diese Stimme beneiden. Als Hörer hat man da oftmals den Mund offen stehen. „Tryin To Get To You“ ist ein ebenfalls außergewöhnliches Kleinod der ganz frühen Karrierephase. „Only The Lonely“ prägte wie kaum ein anderer Track sein Image. Auch wenn so eine Nummer natürlich mit Schmalz überzogen scheint, zieht diese einen als Zuhörer unweigerlich in ihren Bann, da sie auch exemplarisch für die damalige Zeit steht. „Love Hurts“ reißt einem auch heute noch das Herz raus. Orbison hatte aber auch eine andere Seite, wie die bluesigen und rockigen Songs nachhaltig unter Beweis stellen. Einen Stampfer wie „Candyman“ bringen sicher nicht viele direkt mit Orbison in Verbindung. Diese Vielfältigkeit zeichnet einfach einen großen Künstler aus, davon kann man sich hier eindrucksvoll überzeugen lassen. Eine Edelschnulze wie „Blue Bayou“ darf allerdings auch nicht fehlen. Dürfte fast unnötig zu erwähnen sein, dass der Überhit „Oh, Pretty Woman“ ebenfalls enthalten ist. Die Nummer ist, wie von vielen aufgrund des Films angenommen wurde, nicht aus den 80ern, sondern schon in den 70ern entstanden. Mit seiner Interpretation von „Unchained Melody“ konnte er zwar nicht ganz mit Elvis mithalten, trotzdem hat er diese sehr schön umgesetzt. Auch das Spätwerk von Orbison kann sich sehen bzw. hören lassen. „She´s A Mystery To Me“, „You Got It“ oder „I Drove All Night“ zählen mittlerweile allesamt zu seinen Klassikern.
Fazit: Für diese opulente Box darf man ruhig schon mal ein Plätzchen ganz vorne im Schrank reservieren. Nicht nur die Aufmachung ist erste Sahne, sondern man erhält auch einen umfassenden Überblick über die Karriere von Roy Orbison. Er war nicht nur der Schnulzenkönig, für den viele ihn halten – überzeugt euch hier selbst! Zudem kann man das schöne Teil auch zu einem angenehmen Preis erwerben und wer sich beeilt, der darf sogar die limitierte Leinenbox sein eigen nennen.

