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Rooney: Calling The World Tipp

(Geffen/Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 11 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Die einzelnen Mitglieder von Rooney sind zwar noch blutjung, aber im Grunde sind sie schon alte Hasen im Musikgeschäft. Wenn man bedenkt, wie sich der Fünfer in diesem Haifischbecken bisher präsentiert hat, dann ist es umso erstaunlicher. Gut, mit ihrem zweiten Album hat sich die Band auch nun wirklich Zeit gelassen, das Debütalbum hat ja nun doch schon das ein oder andere Jährchen auf dem Buckel. Sehr löblich, dass sich die Jungs auch einfach die Zeit genommen haben und nicht einfach nach dem erfolgreichen Erstlingswerk schnell die nächste Platte auf den Markt geschmissen haben. Erfolg ist natürlich immer relativ, aber 400.000 verkaufte Einheiten von „Rooney“ alleine in den USA ist ja schon eine Hausmarke und das in Zeiten von sinkenden Absätzen. Auch konnten sie eine große Schar von Fans für sich gewinnen und jeder Prominente, der etwas auf sich hielt und hält mutierte auch recht schnell zum Anhänger der Band. Ihre Musikerkollegen konnten sich auch schnell auf Rooney einigen und so tourten sie u.a. mit Weezer, The Strokes, Travis und Pete Yorn.

Nun also „Calling The World“. Sämtliche Songs hat übrigens Robert Schwartzman im Alleingang geschrieben. Nach eigener Aussage suchte er nach einem Sound, „der rocken und die Leute gleichzeitig zum Tanzen bringen würde". Die Suche war anscheinend äußerst erfolgreich, die Worte beschreiben das Werk nämlich auf den Punkt gebracht genau. Die Truppe aus Los Angeles hat sich zum Ziel gesetzt, dass Rockmusik wieder ein Teil der Popkultur wird. Bleibt abzuwarten und zu hoffen, dass ihre Hymnen diese Gratwanderung schaffen werden. Eine Gratwanderung ist es nämlich allemal, Songs zu schreiben, die zwar zuckersüß sind und auch wunderbar ins Radio passen und doch auch anspruchsvoll sind. Dies scheinen Rooney fast mit spielerischer Eleganz zu schaffen.

So langsam klopft der Herbst von draußen an die Fenster, der Himmel ist grau, die Blätter bunt, die Tage werden kürzer nur in den eigenen vier Wänden macht sich fast schon eine sommerliche Atmosphäre breit. Schuld daran sind Rooney und „Calling The World“. Schön, dass Musik wenigstens so den nicht vorhandenen deutschen Sommer ersetzen kann. Unweigerlich schaffen es die Songs einem den Tag zu versüßen und zu verschönern.

Los geht es mit dem Titeltrack. „Calling The World“ gibt die Marschrichtung für die folgenden knapp 43 Minuten vor. Fröhlichpoppigsüß ist die Devise. Mit einer Leichtigkeit hauen die Fünf ihre unwiderstehlichen Melodiebögen raus und dies ohne belanglos zu sein. Da machen sich schon Assoziationen breit, die man sich fast gar nicht traut hier zu schreiben. Jedenfalls wären gewisse Kollegen aus Liverpool oder diejenigen, die für anspruchsvolle Surfmusik stehen ein klein wenig stolz auf sie. Die Single „When Did Your Heart Go Missing?“ knüpft da nahtlos an. Der Refrain und das Gitarrenthema wird man wohl den ganzen Tag nicht mehr los – ein Ohrwurm von einem Song, ohne das es nervt. Dies schaffen auch nicht viele. „I Should´ve Been After You“ bewegt sich als Rock-Minioper in fast vergessenen Gefilden und dies steht Rooney verdammt gut zu Gesicht. „Tell Me Soon“ erinnert im Auftakt fast schon an Weezer, nur dass die schon seit Jahren auf der Suche nach so einem Track sind. Mit seinem süßlichen Refrain dürfte der Song sicher auch allen Müttern dieser Welt gefallen. Mit „Don´t Come Around Again“ stellt die Band eindrucksvoll unter Beweis, dass sie auch amtlich zu rocken weiß. Mehrstimmiger Refraingesang, Handclaps, eine prägnante Gitarre inklusive Soli, eine schöne Keyboardlinie und dies alles eingefangen von der Rhythmussektion und fertig ist ein Song, für den andere stehlen würden. Aber hier regiert auch nicht nur pure Heiterkeit. Melancholische Töne werden mit „Are You Afraid“ angeschlagen. Ganz große Nummer!

Die zweite Albumhälfte beginnt wieder mit so einer Melodie, die man den ganzen Tag nicht mehr los wird. „Love Me Or Leave Me“ könnte man den lieben langen Tag vor sich hin pfeifen – wenn da nicht schon die ganzen anderen Tracks von Rooney wären. „Paralyzed“ beginnt wie „All Along The Watchtower“ entwickelt sich dann aber zu einer fast enttäuschenden und belanglosen Rocknummer – jedenfalls für Rooney-Verhältnisse. Enttäuschend und verzichtbar, da hilft auch das „Dicke-Hose-Gitarrensolo“ nicht mehr. Aber eine kurze Schwächphase wird ja wohl erlaubt sein, so lange die Jungs danach mit „What For“ wie Phönix aus der Asche auferstehen. „All In Your Head“ überrascht ein weiteres Mal. Die Strophen kommen in einer Art Sprechgesang daher, musikalisch vom Keyboard dominiert, bevor im Refrain wieder die Stadionhymne ausgepackt wird. Passt erstaunlich gut zusammen, wobei die Strophen den eigentlichen Spannungsbogen ausmachen. „Believe In Me“ ist eine Standard-Rooney-Popnummer und nicht, dass wir uns falsch verstehen, auf diesem Niveau müssen andere das erstmal hinbekommen, die Meßlatte ist da doch sehr hoch und dürfte regelmäßig gerissen werden. Mit „Help Me Find My Way“ wird die Scheibe fast ein bisschen rührselig beendet. Streicher entlassen einen in den Herbst, zumindest wenn man nicht die Ausgabe mit dem sonnigen Bonustrack „Get Away“ im CD-Player hat.

Fazit: Auch mit „Calling The World“ haben Rooney wieder eine vorzügliche Albumkost serviert. Süßliche Melodien, großartige Refrains und jede Menge Ideen werden hier geboten. An jeder Ecke gibt es immer wieder was Neues zu entdecken – auch bei zigfachen Durchgängen. Ich sage es jetzt doch: Wer schon immer wissen wollte, wie eine Zusammenarbeit der Beach Boys und den Beatles geklungen hätte, der sollte hier mal reinhören, denn auf dieser Scheibe bekommt man zumindest eine Ahnung davon. Natürlich sind diese Fußstapfen zu groß, aber das ist aufgrund der historischen Bedeutung dieser beiden Bands sicher nicht verwunderlich. Und trotzdem, Rooney haben eine große Scheibe aufgenommen – meine Empfehlung!

 

Hier auch mal klicken: artists.universal-music.de/_aktionen/rooney/

www.rooney-band.de

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