Das musikalische Jahr kann eigentlich nicht besser starten als mit einem Album eines Mitglieds der vielleicht wichtigsten Band der modernen Pop- und Rockmusik. Richtig! Die Rede ist von The Beatles, von wem auch sonst? Damit hätten wir auch gleich in der Einleitung das Unvermeidbare geklärt. Ringo Starr war, ist und wird immer ein Beatle sein und bleiben. Und ja, wenn man denn so will, hört man das auch seinen Soloalben an. Auch seinem neusten Werk „Liverpool 8“. Das soll es jetzt aber auch schon gewesen mit The Beatles, denn für Ringo Starr braucht es die gern genommen Vergleiche zu den Fab Four nicht (mehr). Gerade „Liverpool 8“ geht als sehr eigenständige Scheibe durch.
„Liverpool 8“ markiert in gewisser Weise auch eine Heimkehr von Ringo. Dies ist das erste Album seit 1974, welches er wieder für die gute alte Tante EMI aufgenommen hat. Zudem erzählt das Titelstück vom Stadtbezirk, wo er aufgewachsen ist. Produziert haben übrigens mit Mark Hudson und Dave Stewart zwei Persönlichkeiten, die in der Herangehensweise unterschiedlicher nicht sein könnten. Hudson konzentrierte sich wohl eher auf eine rootsige Umsetzung, während Stewart mehr auf eine synthetische Arbeitsweise setzte. Letztendlich liest sich das dann wie folgt: Produced by Ringo Starr & Mark Hudson, Re-Produced By Ringo Starr & David A. Stewart.
Der Beginn von „Liverpool 8“ überrascht fast schon ein bisschen. Der sentimentale Titeltrack ist der perfekte Einstieg und klingt überhaupt nicht angestaubt. Selbst die Streichersequenz fügt sich hervorragend ein und passt zum Rückblick. Einen Literaturpreis wird Ringo Starr zwar nicht mehr gewinnen, aber das hat ja nun auch keiner erwartet. Dafür hat er mit den Lalala Gesängen sogar eine Brücke zum aktuellen musikalischen Geschehen auf der britischen Insel geschlagen. Die größere Überraschung folgt dann mit dem schmissigen „Think About You“. Auch „For Love“ würde überzeugen, wenn es dann nicht aus bekannten Versatzstücken gnadenlos zusammengebaut wäre – hier hört man deutlich einen Song über ein Walross raus. Der Spaß kehrt dann aber schon bei „Now That She´s Gone Away“ zurück. Mark Hudson spielt ein lässiges Gitarrensolo und Zac Rae und Gary Burr lassen die Finger über die Tasten flitzen, dass es eine wahre Freude ist. Die Stimme von Ringo passt dazu wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. „Gone Are The Days“ fängt sphärisch an und steigert sich dann zu einer passablen Rocknummer. „Give It A Try“ beendet die erste Albumhälfte locker und leicht in seichten Gefilden.
„Tuff Love“ dudelt anschließend im Refrain leider zu belanglos daher und auf den Text sollte man besser gar nicht erst achten. „Harry´s Song“ weiß da schon wesentlich mehr zu gefallen und steht ganz in der Tradition der guten, alten 60er Jahre. „Pasodobles“ ist in bestem Fall nett, kann aber auch gerne als Ausfall verbucht werden. Entschädigt wird der Hörer anschließend mit feinster Popmusik bei „If It´s Love That You Want“. „Love Is“ erinnert frappierend an „Good Night“ und auch wenn das eigentlich Kitsch pur ist, macht Ringo hier eine nette Nummer draus, bei der seine Stimme voll und ganz zur Geltung kommt. „R U Ready“ beendet die Platte mit dem typischen Ringo Starr Witz und ist ganz und gar nicht britisch. Klasse!
Fazit: In großen Teilen ist „Liverpool 8“ eine wirklich schöne und überraschende Geschichte geworden. Auch wenn man hier und da den ein oder anderen musikalischen Tiefpunkt zu überstehen hat, gibt es auch sehr viele schöne Ideen, die in der Umsetzung nicht nur überzeugen, sondern auch richtiggehend Spaß machen. Am 12. Januar wird Ringo Starr das Album im Rahmen der Feierlichkeiten mit denen sich Liverpool als europäische Kulturhauptstadt vorstellt in seiner Heimatstadt live präsentieren und darauf darf man nicht nur gespannt sein, sondern die neuen Songs auch freudig erwarten, denn sie haben es verdient auch live gespielt zu werden!