„Good Girl Gone Bad“ Reloaded ist wohl das klassische Beispiel dafür, wie man auf einer Erfolgswelle so lange wie möglich reitet. Das viel beachtete Erfolgsalbum von Rihanna wird nun erneut veröffentlicht. Wie viele Ausgaben von der Scheibe gibt es mittlerweile eigentlich schon? Drei? Vier? Das ursprüngliche Album enthält zwölf Songs, nun sind es derer fünfzehn. Soll hier die Kuh, sprich der Fan, so lange wie möglich gemolken werden oder doch denjenigen, die das Werk bisher noch nicht im Schrank stehen haben, die Kaufentscheidung erleichtert werden?
Wer auf gut produzierten Pop mit leichtem R&B-Einschlag steht, der sollte eigentlich bei der Scheibe bedenkenlos zugreifen! Den Übersong „Umbrella“ mit Jay-Z sollte mittlerweile jeder kennen. Die Nummer wurde ja auch gerne von dem ein oder anderen vermeintlichen Talent geträllert, aber Rihanna kann da keiner das Wasser reichen. Auch nach Dauerrotation im Radio strahlt der Song immer noch eine ganz besondere Extraklasse aus. Die beste Nummer der Scheibe ist dies freilich nicht. „Push Up On Me“ und besonders „Don´t Stop The Music“ sind eine Spur verspielter. Die hier verwendeten Samples von „Running With The Night“ (Lionel Richie) und „Wanna Be Startin´ Something (Michael Jackson) verleihen den Songs sogar erst die richtig Würze. „Shut Up And Drive“ ist ein weiterer Knaller, der sogar im vermeintlichen Rockgewand, basierend auf „Blue Monday“, um die Ecke kommt. Eigentlich ist der sehr erfolgreiche Song „Hate That I Love You“ im Grunde seines Herzens nicht mehr als nettes Popgedudel, wird im Zusammenspiel von Rihanna und Ne-Yo doch zu einer recht guten R&B-Ballade.
Die größte Überraschung dürfte das sehr beatlastige „Lemme Get That“ sein. Der Rapstil von Rihanna ist definitiv eine Bereicherung für den Gesamtsound. Anschließend verbreitet „Rehab“ eine eher düstere Atmosphäre. Zum Schluss des eigentlichen Albums findet sich mit dem Titeltrack gar der heimliche Höhepunkt der ganzen Scheibe! Instrumentierung und der Gesangsvortrag harmonieren sehr gut miteinander und bieten zusammen perfekt umgesetzten Pop. Die Stimme von Rihanna kommt hier ebenfalls voll und ganz zur Geltung! Die „neuen“ Songs fügen sich sehr gut ins Gesamtbild ein, wobei die Ballade und Single „Take A Bow“ heraussticht. „If I Never See Your Face Again“ mit Maroon 5 groovt zum Abschluss noch mal richtig und entwickelt Qualitäten für die Tanzflächen dieser Welt.
Fazit: Wer gut produzierten Radiopop mit R&B-Einschlag mag, der ist hier goldrichtig. Unter den fünfzehn Songs sind tatsächlich auch ein paar Nummer abseits des Pop von der Stange zu finden. Stimmlich hat Rihanna sowieso ganz besondere Qualitäten zu bieten und wenn sie nun auch noch im Sound etwas mehr an eigener Identität entwickelt, dann könnte das nächste Album ein noch größerer Wurf werden. Bleibt zu hoffen, dass das neue Werk nicht allzu lange auf sich warten lässt und nicht noch eine Re-reloaded Version von dieser Scheibe hier veröffentlicht wird…