Rezensionen > Musik

R.E.M.: Accelerate

(Warner)

Autor: schlimm / Wertung: 8 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Vier Jahre sind mittlerweile seit dem letzten Studioalbum von R.E.M. vergangen. Im Grunde hat es sich noch länger angefühlt, da die letzte Scheibe „Around The Sun“ - bis auf ein zwei Ausreißer - nicht wirklich gut war und ziemlich schnell im Regal verschwunden ist und seitdem auch gepflegt das ein oder andere Staubkörnchen sammelt. Die Ankündigung des vierzehnten Albums der Band aus Athens, Georgia versetzte die Musikwelt folgerichtig auch nicht mehr in einen kollektiven Atemstillstand, dafür waren die Erwartungen auch auf ein Minimum geschrumpft.

Und was machen R.E.M.? Sie stehen auf wie Phönix aus der Asche. Was die Band auf „Accelerate“ veranstaltet hätten wohl auch die kühnsten Optimisten nicht für möglich gehalten. Die Zeiten des einschlafenden Weichspülersingsangs sind anscheinend (erstmal) vorbei. Die Scheibe rockt für ein paar Momente. Für R.E.M. Verhältnisse sogar wie Hölle. Was als erstes beim Zuhörer hängen bleibt sind eben die sägenden und lauten Gitarren. Und ja, (Achtung! Böse) die Hausfrauenmentalität ist weitestgehend verschwunden. Das wird allerdings bei der ein oder anderen Käuferin sicher für hektische Flecken sorgen. Keine Angst, die leisen, nachdenklichen und melancholischen Töne gibt es immer noch und das gar nicht so selten wie es den Anschein hat. „Houston“ erinnert beispielsweise mit Akustikgitarre und Orgel an eine hinlänglich bekannte Seite der Band. Auch „Hollow Man“ beginnt sehr vertraut. Ein leises Pianointro, dazu die markante Stimme von Michael Stipe und fertig scheint ein typischer Song für die Band zu sein. Auch die schnelleren Zwischenteile sind unverkennbar. Trotzdem, hat der Track was beschwingtes und leichtes und macht einfach nur Spaß. Mit „Until The Day Is Done“ gibt ein weiteres Lied in ruhigem Fahrwasser. Erinnert bisweilen sogar an die Großtaten von „Automatic For The People“.

Für R.E.M. Verhältnisse alles soweit solide bis gut. Leider hat die Scheibe bei elf Songs und einer Spielzeit von 35 Minuten aber auch ein paar Schwächen. „Mr. Richards“ und „Sing For The Submarine“ rocken zwar, aber das auf langweilige Art und Weise. An „I´m Gonna DJ“ dürften sich auch die Geister scheiden.

Was haben wir also bisher auf der Habenseite? Drei vergleichsweise ruhige und konventionelle R.E.M.-Nummern, drei eher mittelmäßige bis schwache Rocksongs. Verbleiben also noch fünf. Fünf Songs, die anscheinend die Scheibe derart überstrahlen, dass sich alle Welt aufgrund der neuen, rockigen Töne förmlich überschlägt. Und ja, die haben es in der Tat in sich. Schon der Auftakt mit „Living Well Is the Best Revenge“ raubt einem den Atem. Mike Mills weiß endlich wieder was man mit einem Bass alles machen kann, Peter Buck lässt die Gitarre jaulen und Michael Stipe bellt sich im Stakkato-Stil durch den Song, dass es einem die Schuhe auszieht. Jung, Junge, das sollen R.E.M. sein? „Man-Sized Wreath“ knüpft mit einem scheppernden Schlagzeug nahtlos daran an. Der Refrain ist fast R.E.M.-Standard und Mike Mills darf hier das Gegenstück zu Michael Stipe bilden. Über die wirklich großartige erste Single „Supernatural Superserious“ braucht man keine Worte mehr verlieren, die dürfte ja mittlerweile jeder aus dem Radio kennen. Schon diese ersten drei Tracks rechtfertigen den Kauf der Scheibe. Großartiger Auftakt! Auch der Titeltrack und „Horse To Water“ überzeugen, fallen gegen diese Knaller aber leicht ab.

Fazit: In seiner Gesamtheit gesehen ist „Accelerate“ ein gutes Album mit kleinen Schwächen geworden. Das Rockgewand steht R.E.M. erstaunlich gut. Auch wenn dieses Album der vermeintlich kleine Bruder von „Monster“ zu sein scheint, ist die aktuelle Scheibe um Längen besser. Wo bei Monster alles zu angestrengt und gewollt geklungen hat, kriegen R.E.M. hier deutlich die Kurve. Man hört der Band den Spaß im Studio deutlich an und keine Spur von Verkrampftheit. Eine neue Lockerheit hat anscheinend Einzug gehalten. Bisweilen klingen sie jetzt sogar nach einer Mischung aus Hüsker Dü, Dinosaur Jr., Pearl Jam und einer kleinen, aufstrebenden Collegerockband aus Athens. In den schlechtesten Momenten hört sich die Scheibe schlicht wie Standard-R.E.M. an. Alles aber keine schlechten Referenzen. Endlich mal wieder eine knackig und auf den Punkt gebrachte Scheibe von R.E.M.!

http://remhq.com

No Comments »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post.

Leave a comment

Verwandte Artikel

Weitere Artikel des Autors

Aktuelle News

Aktuelle Artikel

Navigation


© Dirk Janßen, Webdesign, Webanwendungen & Content Management Systeme.

Sound Base Online Magazin Powered by WordPress - Inhaltsverzeichnis