Die gesamten Projekte, die der einflussreiche US-amerikanische Techno Produzent Carl Craig schon auf die Beine gestellt hat und an denen er schon alles seine Hände im Spiel hatte, kann er vermutlich nicht mal selber aus dem Stehgreif aufzählen. Auch Moritz von Oswald hat maßgeblichen Anteil daran, dass Techno eben nicht nur stupides Bummbumm sein muss. Als Labelbetreiber und Produzent setzte er ebenso Maßstäbe im elektronischen Bereich. Diese beiden Genregrößen haben nun zusammengefunden und ein äußerst bemerkenswertes Projekt auf die Beine gestellt und angegangen.
Ravels Bolero kennt mit Sicherheit so gut wie jeder und mittlerweile darf man dies durchaus als Standard-Klassik Werk bezeichnen. Sie nahmen sich ganz behutsam diesem Werk, welches leider zum Klischee verkommen ist, an und komponierten es behutsam neu, ohne natürlich den Ursprung aus den Augen zu verlieren. Ganz langsam und behutsam steuert das Intro auf das eigentliche Thema zu, welches in Movement 3 an Fahrt aufnimmt und sich langsam in Richtung Clubtrack entwickelt. Die Handschrift von Carl Craig ist hier unverkennbar. Ravels Original und die Neukompositionen von Craig und Oswald scheinen nebeneinander zu stehen und ehe man sich versieht, verschmelzen sie dann doch zu einer Einheit. Beeindruckend! Spätestens bei Movement 5 ist man im Geschehen drin. Der Filmcharakter kommt unweigerlich zum Vorschein und hier hört man auch deutlich die Originalaufnahmen heraus. Insgesamt bauen die knapp 65 Minuten einen unglaublichen Spannungsbogen auf, der über die komplette Distanz nicht merklich abfällt.
Ob die finale Version sich noch mal anders anhört kann hier abschließend nicht beurteilt werden, da uns diese zur Besprechung nicht vorliegt und das Vorabexemplar möglicherweise erneut geändert wird. Dieses lässt allerdings ganz Großes erwarten und vermutlich setzten Craig und von Oswald erneut Maßstäbe für den elektronischen Musikbereich!