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Real Moments: Bob Dylan 1966 – 1974 Fotografien von Barry Feinstein Tipp

(Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)

Autor: schlimm / Wertung: 12 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Robert Allen Zimmermann aus Duluth, Minnesota dürfte der Welt nicht unbedingt direkt ein Begriff sein. Unter seinem Künstlernamen hingegen ist er eine der prägenden Figuren im Musikzirkus. Kaum ein anderer hat Generationen von Künstlern so sehr geprägt wie er. Dies beschränkt sich im Übrigen nicht auf einen Bereich, sondern auf sämtliche Formen künstlerischen Ausdrucks. Großes Lob und Anerkennung hat er auch gerade aufgrund seiner lyrischen Ausdrucksweise bekommen und ganze Horden von Kollegen inspiriert. Er nennt sich übrigens Bob Dylan und diesen Mann noch weiter vorzustellen wäre ja wie Holz in den Wald tragen.

Der vorliegende Bildband befasst sich mit den Bob Dylan Jahren 1966 – 1974. Für die Fotografien zeichnet sich Barry Feinstein aus. Besagter Barry Feinstein dürfte nur in Fachkreisen ein Begriff sein, der geneigte Rockfan kann mit dem Namen vermutlich eher weniger anfangen. Der Mann zählt weltweit allerdings zu den bedeutendsten Fotografen. Er bewegt sich nicht nur in der Welt der Musik, sondern lichtet auch die außergewöhnlichsten und bekanntesten Künstler Hollywoods ab. Seine Arbeiten erscheinen zudem in vielen renommierten Magazinen. Der Mann erschuf mit seiner einzigartigen Fotografie schon den ein oder anderen Klassiker.

Mit „Real Moments“ schuf er gleich einen ganzen Bildband an Klassikern. Es steht außer Frage, dass die hier dokumentierten Dylan-Jahre 66-74 mit vielen, vielen unveröffentlichten Fotos schon jetzt zu den Großtaten über diese Musiklegende zu zählen sind. Jetzt kennen wird den Musiker und Texter Bob Dylan schon so lange, aber war man ihm je näher? Dieses Buch schafft das Kunststück, das Mysterium Bob Dylan ein Stück zu lüften und uns diesen Künstler so zu zeigen, wie ihn die Welt noch nie zu Gesicht bekam. Die Fotos entstanden auf der Europatournee 1966 sowie auf der legendären Bob Dylan and The Band Tour im Jahre 1974. Barry Feinstein war zu dieser Zeit fester Bestandteil des Trosses und zählte zu den engen Freunden von Bob Dylan.

Dass Bob Dylan Barry Feinstein dafür freie Hand gelassen hat, ist sowieso eine ganz besondere Auszeichnung. Feinstein selber sieht das fast etwas phlegmatisch: "Er wusste, dass ich ihn interessant aussehen lassen würde – weil er interessant war. Ich wusste, dass ich mit einem Genie unterwegs war." Was die eigene Person betrifft, untertreibt Feinstein maßlos. „Real Moments“ unterstreicht nämlich nachhaltig, dass er auf seinem Gebiet ebenfalls ein absolutes Genie ist. Der enge Dylan-Freund Bob Neuwirth bringt es im Vorwort treffend auf den Punkt: „Manche Leute sehen gewisse Dinge – andere wiederum können es nicht. Barry Feinstein hat ein Auge für die Dinge. Wo oder wann genau er den Blick dafür entwickelt hat, ist irrelevant. Wichtig ist, dass wir uns als Betrachter glücklich schätzen dürfen.“

Neben den Fotos ist die Aufmachung des Bildbandes ein ganz entscheidender Faktor! Da hat man sich wirklich nicht lumpen lassen, denn das Buch hat Übergröße! Das Prachtwerk erscheint im Format von 31 x 37 Zentimetern. Gedruckt wurde das Buch auf hochwertigstem 200g Premium-Kunstdruckpapier, verwendet wurde zum Druck das feinste derzeit verfügbare Rasterverfahren. Soweit alles Fakten, die dieses Werk zu einem der ganz großen Bücher im Reich der Musikfotografie werden lassen.

Die Rahmenbedingungen könnten also nicht besser sein. Die inhaltliche Gestaltung steht dem in nichts nach. Der dicke Wälzer wird von dem üblichen Umschlag geschützt. Die erste Überraschung gibt es allerdings schon zu bewundern, wenn man diesen abnimmt. Auch auf dem eigentlichen Buch ist nämlich das Titelfoto abgebildet. Diese Handhabung ist ja leider nicht immer der Fall. Im Übrigen zeigt dieses Foto schon eindrucksvoll die Extraklasse, die sich im Inneren für den Betrachter offenbaren wird. Zudem zeigt das Bild den besonderen Stellenwert zu dieser Zeit des Künstlers Dylan in UK – Fans die sich am Auto die Nase platt drücken um einen Blick auf ihr Idol zu erhaschen – hier wurde ein unglaublicher Moment dokumentiert, der an Aussagekraft kaum zu überbieten ist.

Ein Vorwort von Bob Neuwirth und eine Einleitung von Barry Feinstein halten ein paar erklärende Worte für den geneigten Leser bereit. Was dann folgt, ist eine Reise in die Welt von Bob Dylan. Die einzelnen Fotos werden übrigens erklärt. So erfährt man etwas über die Entstehungsgeschichte, Besonderheiten und die ein oder andere Anekdote. Eins wird dabei sehr deutlich: Die Fotos sind zumeist einer gewissen Spontaneität entsprungen. Dies sieht man den Bildern zu jeder Zeit an, da sie unglaublich lebendig wirken.

Die 66er Tour durch England beleuchtet sehr viele Facetten des Lebens „on the Road“. Man sieht einen gut gelaunten Dylan in Liverpool, Fotos aus dem Backstagebereich, Dylan vor dem Spiegel (Die Frisur war in jenen Tagen das Wichtigste). Ebenso gibt es Bilder aus Frankreich zu bewundern, wo man einen Dylan umzingelt von Reportern oder gelangweilt bei einer Pressekonferenz sieht. Selbstverständlich darf man auch den Bühnemenschen Dylan angucken und folgerichtig sind auch einige Konzertaufnahmen enthalten.

Feinstein schuf hier in der Tat einmalige Bilder, die noch lange beim Betrachter nachwirken werden. Die Schwarzweißaufnahmen sind zutiefst beeindruckend und bis in kleinstes Detail eine Offenbarung. Das eindringlichste Foto ist vielleicht die Konzertaufnahme, wo eine einsame Schweißperle die Wange von Dylan hinunter rinnt.

Fazit: „Real Moments“ ist DER Bob Dylan Bildband schlechthin. Der Fotograf legte besonderen Wert darauf, dass er keine gestellten Fotos von Dylan schießt, sondern wirkliche Momente festhält. Dies ist ihm auf eindrucksvolle Art und Weise gelungen. Die Fotos in diesem Prachtwerk lassen den Bob Dylan dieser Zeit wieder lebendig werden. Näher war man Bob Dylan vermutlich noch nie und somit ist dies das ultimative Bob Dylan Werk. Nebenbei bemerkt ist dies allerdings auch die Blaupause von lebendiger Fotografie. Barry Feinstein stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass auch Fotografen Künstler sind. Ein Buch eines Genies über ein Genie! Essenziell!

http://www.schwarzkopf-schwarzkopf.de

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