Ob man unbedingt eine “Best Of” CD-Version von Radiohead im Schrank stehen haben muss, kann man sicher in Frage stellen. Als Musikliebhaber sollte man eigentlich den kompletten Backkatalog dieser Ausnahmeband sein eigen nennen. Ganz anders sieht das schon bei einer DVD mit Radiohead-Videos aus. Mittlerweile ist es ja leider so, dass die große Zeit von Musikvideos vorbei ist und die Sender lieber auf andere Zugpferde setzen. Auch heute noch werden großartige Musikvideos produziert und da ist das Medium der DVD ein ganz hervorragendes Transportmittel dieser großartigen Kunst.
Radiohead machen Kunst! In allen Belangen! Da gibt es keine Diskussion. Die Band legt auch bei ihren Videos größten Wert auf Ästhetik. In jeglicher Hinsicht zelebrieren sie ihre Kunst und haben in der Vergangenheit den ein oder anderen bahnbrechenden Videoclip aufgenommen. Auf der „Best Of“ DVD gibt es nun 21 Videoclips zu sehen. Enthalten sind natürlich alle wegweisenden Videos und das ein oder andere konnte natürlich auch jede Menge Preise einheimsen.
Der Aufbau ist chronologisch und so startet die ganze Geschichte mit „Creep“ und schon bei diesem Video zeichnet sich mit einer ganz besonderen Ästhetik ab, was da alles noch an Kunst schlummerte. Ebenso kann man natürlich anhand der Clips die Geschichte von Radiohead ein Stück verfolgen. In den ungestümen Anfangstagen waren sie dem Grunge näher verbunden, denn dem Progrock. Auch die Videos sind noch anders geartet, denn meist steht die gesamte Band im Blickpunkt. Trotzdem stellen die Videos immer auch eine Brücke zum Song dar.
Auch vor grobkörnigen Liveaufnahmen, wie etwa bei „My Iron Lung“ hat die Band nicht Halt gemacht und was unter dem Strich dabei herausgekommen ist, spricht schon eine ganz eigene Sprache und ist in jeglicher Hinsicht herausragend. Selten bildeten Musik und visuelle Bilder eine solche Einheit. Ausgerechnet einer der schönsten Songs, "High And Dry", kann nicht so ganz punkten, weder in der UK, noch in der US Version, die hier beide enthalten sind. Erstere Version erinnert bisweilen auch zu stark an U2 und die Joshua Tree Aufnahmen von Corbijn und als dann der große Regen kommt, können sich selbst Radiohead ein Grinsen nicht verkneifen.
Bei „Fake Plastic Trees“ gab es dann eine Abkehr von bewährten Pfaden. Ab jetzt wurden die Clips zusehends großartiger. Der Fokus wurde auch weg vom Bandgeschehen gelenkt. Die visuelle Umsetzung verfolgte ab jetzt einen anderen Ansatz. Eine ungekannte Farbenpracht regierte und Thom Yorke rückte immer mehr in den Fokus. An dem großartigen „Just“ haben sich schon so manche Interpretationskünstler die Zähne ausgebissen und „Street Spirit“ und das wegweisende und bahnbrechende Zeichentrickepos von „Paranoid Android“ sind sowieso Manifeste der Videokunst. „Karma Police“ setzt dem Ganzen dann mit seiner beklemmenden Atmosphäre und mit einfachsten Mitteln zusätzlich noch die Krone auf. Ab jetzt gibt es sowieso kein Halten mehr und man sitzt mit offenem Mund vor diesen sagenhaften Bildern und ehe man sich versieht, scheint man erst wieder beim abschließenden „2+2=5“ vom Belfort Festival Luft zu holen.
Fazit: Diese knapp 90 Minuten sind ein Augenschmaus und ein Bilderrausch. Neun Videos erscheinen hier erstmals auf DVD! Unter den 21 Clips befinden sich Arbeiten von so renommierten Regisseuren wie Michel Gondry, Sophie Muller und Jonathan Glazer. Die preisgekrönten Clips von Shynola und Chris Hopewell fehlen natürlich auch nicht. Noch Fragen? Ein Must Have! Definitiv!
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