Lange angekündigt, kommt nun das Album von Racebannon in den gut sortierten Fachhandel. Endlich! „So brutal, dass eure Lautsprecher blut spritzen werden“ heißt es da im Presseinfo. Klar, darin wird ja gerne mal auf die sprichwörtliche Kacke gehauen, aber in diesem Fall stimmt es ausnahmsweise mal. Was Racebannon auf „Acid or Blood“ abbrennen ist die ungezügelte Brutalität im Noise-Olymp. Voll aufgedreht, dürfte hier tatsächlich der ein oder andere Lautsprecher in die Knie gehen und das ein oder andere Ohr des geneigten Zuhörer noch lange Zeit ein empfindliches Rauschen beherbergen.
Trotzdem verlieren Racebannon über weite Strecken nicht den eigentlichen Song aus den Augen – sprich eine gewisse Struktur ist immer vorhanden. Dumpf durch die Gegend lärmen, poltern und bolzen können schließlich viele, aber die Band aus Indiana beherrscht auf wunderbare Art und Weise das Spiel von Konstruktion und Dekonstruktion. Auf der einen Seite wird der Song ganz langsam aufgebaut, nur um im nächsten Moment alles wieder in Schutt und Asche zu zerlegen und in voller Fahrt, ohne Rücksicht auf Verluste, alles wieder einzureißen. Ein Paradebeispiel ist da der Albumopener „Translucent Lifeforce“, der sich herrlich unsubtil aufbaut, dann einen Stilbruch vollzieht und sich in regelrechte Noiseattacken auskotzt. „Sister Fucker“ legt anschließend noch eine große Schippe Punk drauf, bevor die ganze Struktur wieder umgeschmissen wird und Bass und Gitarre mäandernd auf den Schluss zusteuern. „The Hard Way“ entpuppt sich sogar als ein richtiger Groover. Spätestens hier dürfte klar sein, dass Racebannon machen was ihnen gefällt und in den Sinn kommt.
Bis zum epischen „The Killer“ und der anschließenden Attacke „Terror & Dead“ entpuppt sich die Band als wahrer Segen für den Noisebereich. Hier wird alles verwurstelt, womit Freunde des ungezügelten Krachs gerne ihre Anlage füttern. Beeindruckend und großartig! „Bella Ciao“ und „Bad Case Of“ zünden danach leider nicht mehr so richtig und lärmen etwas planlos durch die Prärie.
Fazit: „Acid or Blood“ braucht viel Aufmerksamkeit, denn sonst kann die Scheibe bisweilen auch nerven. Musik sollte aber sowieso immer die volle Aufmerksamkeit des Hörers genießen und dass Racebannon keine netten Hintergrundgeräusche für die Berieselung aufgenommen haben, versteht sich von selbst. Die Scheibe sucht jedenfalls ihresgleichen und verhilft dem etwas stagnierenden Noisegenre zu ganz neuen Ansätzen und Höhen!