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Queens of the Stone Age: Era Vulgaris

(Interscope/Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 8,5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Queens of the Stone Age Era VulgarisDie Queens of the Stone Age werden mit ihrem neuerlichen Werk sicher ganz viele Hörer verschrecken. Viel, viel Zeit muss man investieren um sich „Era Vulgaris“ zu nähern und verstehen zu lernen. Manch einem Zuhörer wird dies freilich sicher nicht gelingen und letztendlich wird die Platte ein Buch mit sieben Siegeln bleiben. Wer es schafft, dass sie sich doch noch irgendwie erschließt hat ganz sicher einen treuen Begleiter gefunden. Nun denn, machen wir uns auf die Suche und erkunden den Höllenritt. Aber noch mal: unter Zeitdruck sollte man diesem Album nicht begegnen, dann vielleicht doch lieber zu einem anderen greifen. Leichte Kost ist hier ganz sicher nicht gegeben.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bei den ersten Durchläufen von „Era Vulgaris“ enttäuscht war. Was haben Joey Castillo, Troy Van Leeuwen und Joshua Homme denn da gemacht? Diese Frage ging mir immer wieder durch den Kopf. Und dann passierte etwas, was mir bei dieser Band bisher völlig fremd war, die Scheibe fing an zu nerven, ganz gehörig zu nerven sogar! Und dann machte es doch noch Peng. Mehrere Durchläufe per Kopfhörer und ich hatte meinen Frieden mit dem Werk gefunden. Vielleicht braucht „Era Vulgaris“ auch die volle Aufmerksamkeit des Zuhörers, ohne störende Nebenschauplätze.

Los geht der Reigen mit „Turnin´on the Screw“. Deutliche Anleihen hört man hier schon zum Industrial-Rock. Da hat sich die Zusammenarbeit mit Trent Reznor im Sound dann doch schon irgendwie niedergeschlagen, auch wenn letztendlich kein Track aus dieser Konstellation auf der Platte enthalten ist. „Sick Sick Sick“ mit Unterstützung von Julian Casablancas von The Strokes hat gehöriges Nervpotenzial, aber irgendwie wird der Track nicht etwa mit jedem Hören immer schlechter, nein, das Gegenteil ist der Fall, hier sind sogar Hitqualitäten erkennbar. Natürlich sollte man nicht den Fehler machen und Maßstäbe von (ein)gängigem Pop ansetzen. „I´M Designer“ schlägt in dieselbe Kerbe, wartet aber mit einem typischen Refrain für die Queens auf. Dagegen kommt „Into The Hollow“ schon fast klassisch poppig um die Ecke. Sehr schöne Gesangslinie von Homme und wunderbares Gitarrenspiel von Van Leeuwen. Dürfte fast schon als Gänsehautnummer durchgehen. „Misfit Love“ haut allerlei Elektronikspielereien aus den Boxen, dazu singt Homme Falsett, der Bass brummt und die Drums scheppern und doch scheint der Song nur Vorbote zur Hölle zu sein. „Battery Acid“ ist ein verstörender Stakkato-Rocker, eine Polka auf des Teufels Kopf, saugeil, wenn man denn keine (Berührungs-)Ängste vor diesem Monster hat. Zeit zum Durchatmen gibt es danach mit dem saucoolen „Make It With Chu“, welches auch schon durch die Dessert Sessions bekannt sein dürfte. Mit ungeheurer Lässigkeit schüttelt die Band hier mal so nebenbei einen potenziellen Sommerhit aus dem Ärmel. Die nächste Single „3`s & 7´s“ prescht druckvoll nach vorne und ist trotz allem fast schon eingängig. Balladeske fängt „Suture Up Your Future“ an und kommt im Verlauf auch nur langsam aus den Puschen. Nett, aber für den Irrsinn auf „Era Vulgaris“ fast schon zu bieder. Episch, auch bei einer Spielzeit von knapp 3.30 Minuten, fließt „River in the Road“ als ganz langsamer Strom aus der Anlage. „Run, Pig, Run“ bringt danach noch mal alles auf den Punkt, was „Era Vulgaris“ ausmacht. Auch der enthaltene Bonustrack „The Fun Machine…“ überzeugt zum Albumabschluss mit allerlei schrägen Ideen.

Fazit: Die Queens of the Stone Age haben mit „Era Vulgaris“ ganz sicher keine leichte Kost erschaffen. Das Album will erarbeitet werden. Neben Industrial Anleihen hört man auch hier und da deutliche Referenzen an den Progrock. Hoch anrechnen muss man der Band, dass sie es sich mit diesem Album auf alle Fälle nicht einfach gemacht hat. Aber gerade deswegen sollte man der Scheibe viel, viel Aufmerksamkeit schenken, dann belohnt sie einen mit so manchen ausgefallenen Ideen. Nein, langweilig wird es hier nicht, immer und immer wieder gibt es was zu entdecken. Keine leichte Kost? Nein, aber äußerst schmackhafte abseits vom Fastfood. Danke dafür!

http://www.qotsa.com/

www.queensofthestoneage.de/webtour/


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