Im Jahre 2004 spielten Queen und Paul Rodgers erstmals anlässlich eines Konzertes zum 50-jährigen Jubiläum der Fender Stratocaster gemeinsam den Free-Klassiker „All Right Now“. Dies war auch gleichzeitig die Wiedergeburt der Gruppe Queen. Es folgte im Jahre 2005 eine große Tournee durch europäische Stadien. Es stellte und stellt sich natürlich die Frage, ob die Verwendung des Namen Queen sein muss(te). Nach dem Tod von Freddie Mercury ist ein Fortbestand der Gruppe Queen einfach undenkbar. Oder kann sich einer die Rolling Stones ohne Mick Jagger vorstellen? U2 ohne Bono? Ein Unding!
Warum, wieso, weshalb wurde in den letzten drei Jahren ja genug durchgekaut. Klar dürfte sein, dass sich Tickets unter dem Banner von Queen wesentlich besser verkaufen. Nun legen Queen + Paul Rodgers in Form eines Studioalbums nach. Diese Zusammenarbeit wird von Kritikern und Fans gleichermaßen mit Spannung erwartet, handelt es sich doch um das erste Studioalbum von Queen seit dreizehn Jahren. Trotzdem stellt sich auch hier die Frage, warum nicht ein komplett neuer Anfang gewagt wurde – unter neuem Namen? Zumal von der alten Queenbesetzung ja auch nur 50 % dabei sind, John Deacon ist an „The Cosmos Rocks“ auch nicht beteiligt. Selbst Brian May sagt „Es fühlt sich an wie eine ganz neue Band – mit vielen Bezügen zu den alten“.
Wie dem auch sei mit „The Cosmos Rocks“ liegt nun also ein mit Spannung erwartetes Album der Konstellation Brian May, Paul Rodgers und Roger Taylor vor. Die Scheibe scheint in großer Harmonie entstanden zu sein, denn die Drei haben sich die Arbeit an dem Werk einträglich geteilt – vom Songwriting, über die Produktion bis hin zu den Instrumenten.
Die Scheibe startet fast schon mit einer kleinen Überraschung. „Cosmos Rockin´“ macht nämlich wirklich eine ganz solide Figur als Rocknummer. Die musikalische Umsetzung und die bluesige Stimme von Paul Rodgers harmonieren und passen perfekt zusammen. Hört sich fast an, wie die Symbiose aus ZZ Top und Status Quo. „Time To Shine“ versucht daran anzuknüpfen, scheitert aber. Hier passen Gesang und die Instrumentierung überhaupt nicht zusammen und die vielen Ahhhs und Uhhhs nerven. Bei dem bluesigen „Still Burnin´“ zeigen die Drei, wie es besser geht. Gut, Allgemeinplätze wie „Rock and Roll never die“ werden hier abgehandelt und im Grunde ist damit alles gesagt – macht aber trotzdem Spaß.
Über „Small“ hüllt man besser den Mantel des Schweigens – Altherrenrock im Popgewand. Daran kränkelt die Scheibe insgesamt auch ein bisschen, denn unter den vierzehn Songs sind einfach zu viele Songs von diesem Format. Die leiseren und ruhigen Töne scheinen den drei Herren auch nicht zu liegen, am besten sind sie einfach, wenn sie wie bei „Warboys“ den guten alten Rock von der Leine lassen. Klar, die Welt wird hier nicht auf den Kopf gestellt, aber kurzweilig wird man zumindest unterhalten und die textlichen Ausfälle fallen so auch weniger auf. „We Believe“ ist furchtbarster Kitsch. Dies liegt allerdings nicht an den eher ruhigen Tönen, denn die gibt es auch bei „Voodoo“ und dieser bluesgetränkte Track ist fast herzerfrischend gut. Zum Glück wird mit „C-lebrity“ nach hinten raus wieder etwas mehr an Fahrt aufgenommen und auf die sprichwörtliche Kacke gehauen. Hier darf übrigens Taylor Hawkins die Backing Vocals veredeln. So will man die Band eigentlich immer hören, da die Stimme von Paul Rodgers hier auch besonders gut zur Geltung kommt. Mit „Surf´s Up…School´s Out“ befindet sich fast zum Schluss der stärkste Song auf dem Album. Und der große Rest? Nun ja…
Fazit: Queen + Paul Rodgers haben mit „The Cosmos Rocks“ leider ein Album aufgenommen, welches mehr Schatten als Licht zu bieten hat. Bisweilen klingt dies wie Altherrenrock, der zusätzlich noch in seichten Popgefilden wildert, was dann unter dem Strich jede Menge seichten, uninspirierten Kitsch ergibt. Trotzdem gibt es hier auch ganz viel tolle Momente, immer dann, wenn die Drei anscheinend alles um sich herum vergessen und wirklich rocken, ja dann hat „The Cosmos Rocks“ einiges zu bieten.
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