2008 gab es nicht nur mit “The Cosmos Rocks” ein neues Album unter dem Banner von Queen, sondern auch eine große Tournee musste geplant werden und stand quasi in den Startlöchern. Zwei große Konzerte in der Moskauer SCO-Arena sollten als Auftakt für Furore sorgen. Dann kam vor der geplanten Premiere ein Hilferuf aus dem Nachbarland Ukraine. Die dortige Anti-Aids-Stiftung sollte unterstützt werden. Die Ukraine hat die höchste Rate an Neuinfektionen in Europa. Die beiden verbliebenen Mitglieder von Queen und Paul Rodgers packten zu und organisierten kurzfristig ein Benefizkonzert. Am 12. September war es dann soweit und in Charkiw fand ein legendäres Konzert vor 350.000 Leuten statt. Gut, dass man trotz der Hektik der Vorbereitungen noch auf die Idee kam, die ganze Geschichte mitzuschneiden.
Ein umfassendes Set bietet nun das komplette Sorglospaket von diesem unvergesslichen Ereignis. Das Konzert liegt nun jeweils in voller Länge auf CD und DVD vor. Ein Pappschuber schützt das schmucke Digipack. Aufgeklappt offenbart sich ein dickes und umfangreiches Booklet, welches viele Informationen beinhaltet. Viele Fotos, auch vom Aufbau, runden die gelungene Aufmachung sehr schön ab.
Auch der Inhalt hält, was die Verpackung verspricht – mit kleinen Abstrichen. Wie es sich für Queen gehört, ist die Bühne natürlich wieder von gigantischem Ausmaße und jede Menge Kameras wurden eingesetzt, um auch wirklich jeden Winkel einzufangen. So hat man als Zuschauer aus allen erdenklichen Perspektiven die Möglichkeit das Konzert zu verfolgen. Auch die riesige Zuschauermenge wurde als Ganzes oder in kleinen Gruppen von den Kameras festgehalten. Das üppige Equipment hat dann auch allerhand Spielraum für die Produktion und den Schnitt geliefert. Hier wurde sich auch sehr umfangreich ausgetobt und man hätte sich an der einen oder anderen Stelle nicht ganz so viele und schnelle Kamerawechsel und Schwenks gewünscht. Die Show bekommt so eine noch größere Dynamik verliehen, was als Zuschauer vor dem Bildschirm allerdings auch anstrengend sein kann. Zum Glück ist das noch meilenweit von den fürchterlichen Arbeiten eines Hamish Hamilton entfernt.
Ansonsten ist das gesamte Paket wirklich erstklassig. Der Sound ist selbstredend bombastisch. May, Taylor und Rodgers ist der Spaß und die Freude, vor einer derart großen Kulisse zu spielen, deutlich anzusehen. Brian May lässt sich dann sogar dazu hinreißen und teilt der Menge mit, dass er zwar schon viel erlebt hat, aber dass dieses Konzert hier alles übertreffen würde. Man sieht ihm an, dass er die Worte durchaus ernst meinte.
Man kann natürlich darüber streiten, ob May und Taylor nun unbedingt den Namen Queen verwenden mussten. Queen ohne Mercury ist ja nun undenkbar, aber je länger man sich das Konzert anguckt, umso klarer wird, dass Paul Rodgers seine Sache wirklich gut macht. Er versucht gar nicht erst eine Kopie von Mercury zu sein, sondern macht sein Ding. So lässt er auch manche hohe Passage aus, die für seine Stimme einfach zu anspruchsvoll wäre. Manche Songs kriegen dadurch sogar eine interessante Wendung. Die drei Hauptprotagonisten kommen insgesamt sehr sympathisch und recht authentisch rüber. Man darf noch eine Rockshow der alten Schule bewundern. Es werden Fäuste und Finger in den Himmel gereckt, Brian May post in bekannter Manier und Paul Rodgers dreht und wirft den Mikrofonständer stilecht durch Luft. Selbstverständlich darf auch das obligatorische Gitarrensolo nicht fehlen. Auch Taylor darf sich auf seinen Fellen auf der B-Stage austoben. Der Clou an der Geschichte: sein minimalistisches Schlagzeug wird nach und nach vergrößert.
Neben den Queen-Gassenhauern darf auch Mr. Rodgers aus seinem vielseitigen Repertoire zitieren. Wie er alleine mit Gitarre „Seagull“ vorträgt ist fast schon ein intimer Augenblick im weiten Rund. Höhepunkte sind sowieso die eher ruhigen Momente. Gerade die Solo-Parts von Taylor und May auf der B-Stage wie „Love Of My Life“, „39“ oder „I´m In Love With My Car“ sind das Salz in der Suppe. Queen ohne Mercury geht nicht? Stimmt! Darum wird er bei „Bohemian Rhapsody“ auch über die Leinwand eingespielt und erst zum Schluss steigt Rodgers mit ein. Der Brückenschlag ist somit auch gefunden und geglückt. Zum Schluss hin werden selbstverständlich noch mal die großen Klassier ausgepackt. Der alte Free Heuler „All Right Now“ darf da ebenso wenig fehlen wie „We Will Rock You“ und „We Are The Champions“. Zu „God Save The Queen“ vom Band verabschiedet sich dann eine sichtlich gerührte Band bei dem großen Publikum. Eine große Rockshow neigt sich damit dem Ende entgegen, die dem Anspruch eines Queen-Konzertes voll und ganz gerecht wird.
Hätte nicht eine einfache DVD des Konzertes gereicht? Nein, denn das komplette Konzert – verteilt auf zwei CDs – macht auch als Audiobeigabe durchaus Sinn. Auch, wenn man die DVD unter Garantie öfters einlegen wird, hat man so die Möglichkeit diesen einzigartigen Abend immer wieder aus der Konserve zu lauschen. Zudem kann man die Musik so noch intensiver genießen und auf die vielen kleinen Nuancen achten, ohne dabei von der Show abgelenkt zu werden. Insgesamt sicher eine gute Idee die Geschichte auf drei Silberlinge zu verteilen!
Fazit: Queen + Paul Rodgers „Live In Ukraine“ ist ein tolles Paket, welches von der Ausstattung und Aufmachung sicher keine Wünsche offen lässt. Die DVD ermöglicht es dem Zuschauer die Show aus vielen Perspektiven zu verfolgen, auch wenn man sich hin und wieder etwas weniger Schnitte gewünscht hätte. Die beiden CDs bieten dann noch die zusätzliche Möglichkeit sich voll und ganz nur auf die Musik zu konzentrieren und somit ist dieser gelungene Abend mit allen möglichen Facetten festgehalten worden.
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am Mittwoch, den 10. Juni 2009 um 8:34 Uhr veröffentlicht
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