Du liebe Güte, was hat der Mann denn nun schon wieder gemacht?! Die Rede ist von Maynard James Keenan. Mit Puscifer hat er nun neben A Perfect Circle und Tool ein weiteres Projekt am Start. Mehr oder weniger ist dies nun die lang erwartete Soloscheibe von Keenan. In den Weiten des Internets geisterte die Geschichte ja immer mal wieder als Spaßprojekt durch die Gegend. Schaut man sich die hochkarätige Gästeliste an, dann kann einem schon schwindelig werden. Beteiligt sind hier u.a. Brad Wilk undTim Commerford (Rage Against The Machine, Audioslave), Danny Lohner (Ex-Nine Inch Nails), Mat Mitchell, Tim Alexander, Lei Li, Jonny Polonsky, Cherie Roberts, Ainjel Emme, Brandon Bryant, Josh Eustis, Gil und Rani Sharone, Lustmord, Laura Milligan, Meats Meier, Evil Joe Barresi, Trey Gunn, Milla Jovovich, Lisa Germano, Tim Cadiente, Ford Englerth, Jeffrey Brooks, Micah, Alan Moulder, Eddie McClintock, Joe Nagy, Nipples Creelman, und Devo. Wer jetzt einen genauen Einblick erhalten möchte, wer hier in welcher Form beteiligt war, der wird im Booklet auch nicht fündig werden, denn dazu muss man schon die offizielle Webseite bemühen.
Natürlich ist Puscifer nicht nur einfach Musik, sondern umfasst ein ganz großes Konzept. Puscifer ist ein multi-perspektivisches-, Multimedia-, multiple-Persönlichkeiten-Projekt - konfus, undurchschaubar und abgedreht. Die Website des Projektes wurde am 13. Oktober 2006 geöffnet und inkludiert einen Onlineshop. Hier sind Objekte von Bekleidung und Gebrauchsgegenständen im Puscifer-Look bis hin zu ausgefallenen Sachen zu bekommen, wie zb. (Originalzitat Keenan) "adult massage devices"…
Keenan wäre nicht Keenan, wenn hier nicht bis ins letzte Detail alles dem Gesamtkonzept unterworfen wäre. Dies gilt natürlich beim physischen Tonträger auch für das Artwork und Booklet. Das Cover ist etwas, nennen wir es mal, gewöhnungsbedürftig, aber passt natürlich herrlich zum Rest der Geschichte. Wer schon immer eine Gebrauchsanweisung und Verhaltensregeln für die etwas anderen Flugzeugreisen und deren Gäste an die Hand bekommen wollte, der wird bei diesem aufklappbaren Digipack fündig. Krank, simpel, genial!
Natürlich soll auch die Musik nicht zu kurz kommen und die hat es wie immer in sich. Aber Vorsicht, Puscifer ist anders als Tool oder A Perfect Circle. Dies war aber auch zu erwarten. Zum Glück! Die Stimme von Maynard James Keenan steht meist sehr stark im Vordergrund. Dem kleinen Mann wird hier sehr viel Platz zur Entfaltung eingeräumt. Stimmlich hört sich hier kein Track wie der andere an. Was hier an Arrangements aufgefahren wurde ich schon allerfeinstes Kino. Groß, ganz groß sogar! Musikalisch durchzieht das gesamte Werk eine latente Düsternis. Hier und da blitzt sogar eine Spur Melancholie durch. Trotz der vielen Elektrospielereien hat die Scheibe einen unheimlich warmen Sound zu bieten, was mitunter sicher auch ein Verdienst der beteiligten Gäste und der handgemachten musikalischen Teilstücke ist. Atmosphärisch und zum Teil sogar im Ambient-Rock angesiedelt schälen sich die zehn Tracks ganz langsam aus den Boxen.
Schon der Opener „Queen B“ zaubert Dank der mit tiefer Stimme vorgetragenen Vocals einen Schauer auf die Haut des Zuhörers. Die Instrumentierung ist eher minimalistisch. Sehr starker Auftakt. Fast im Rapstil trägt Keenan danach „Dozo“ vor. Musikalisch überzeugt die Nummer mit einem starken Beat, der hier und da von Pianoklängen unterstützt wird. Danach geht es mit einer sehr dichten Atmosphäre in „Vagina Mine“ weiter. Der Gesang kommt auch sehr sphärisch, ja fast beschwörend rüber. Hier ruft wohl ein alter indianischer Medizinmann die Geister in Form von Keenan. Saugeiler Song. Fast klassisch kommt danach „Momma Sed“ rüber. Mit seiner ruhigen Stimmung und seinem alles überragenden Refrain ist der Song fast so was wie das Herzstück der Platte. Ein Glockenspiel läutet dann das schleppende und träge „Drunk With Power“ ein, welches von den Drums und dem Bass getragen wird. Der Text wird mehr gehaucht als gesungen.
Die zweite Seite beginnt mit „The Undertaker“ irgendwo zwischen Marilyn Manson und Depeche Mode. Der Refrain ist fast schon klassisch. Sehr druckvoller Einstieg in die zweite Hälfte. In diesem Fahrwasser ist auch „Trekka“ anzusiedeln, nur dass die Vocals noch kränker sind. „Indigo Children“ besticht wieder mit dieser dunklen, sehr in den Vordergrund gestellte Stimme. Musikalisch baut sich der Song immer mehr auf, bis er vom puren Minimalismus fast schon eine Tanzrocknummer wird. „Sour Grapes“ entwickelt sich anschließend fast zum Gospel und Soul – ein weiterer Höhepunkt der Platte. Beendet wird die ganze Geschichte mit dem schon bekannten sehr schönen "Rev. 22:20" in ruhigen Gefilden.
Fazit: Denkt man erst noch (beim Cover angefangen) was ist denn das für ein kranker Kram, zieht einen die Scheibe bei jedem Durchlauf unweigerlich immer mehr in ihren Bann. Hier hat Maynard James Keenan ein weiteres Meisterstück seiner Kunst abgeliefert, auch wenn das nicht jeder verstehen wird, aber dafür ist Kunst ja auch nicht gedacht und da…