Gary Meskil ist wohl der Prototyp einer Legende. Mit den Hardcorehelden Crumbsuckers schrieb er schon in den 80ern Geschichte. Daraus hervor ging dann mit PRO-PAIN eine weitere Institution. In den 90ern wuchs die Band im Zuge der „alternative Musik ist der neue Mainstream“- Welle sogar auf eine beachtliche Größe an. Diverse Neu- und Umbesetzungen machten es allerdings auch nicht leichter und mittlerweile ist die Band wieder dort angekommen, wo sie sich am wohlsten fühlt – im Untergrund. Mastermind, Bassist, Schreihals und Chef vom Dienst ist unumstritten immer noch Gary. Mit „No End In Sight“ legt er mit seinen Mannen ein beachtliches Album vor.
Zehn Songs mit einer Spielzeit von über 40 Minuten? Jetzt wird der ein oder andere sicher schon wieder verächtlich die Nase rümpfen. Hardcore funktioniert aber eben auch mit einer Spielzeit von mehr als zwei Minuten. Voraussetzung hierfür ist natürlich gutes Songmaterial. „No End In Sight“ hat davon gleich eine ganze Wagenladung zu bieten und schlägt eine Schneise vom harten bis zum melodischen Hardcore. Zwischendurch scheint alles niedergewalzt zu werden, was sich in den Weg stellt.
Schon „Let The Blood Run Through The Streets“ macht keine Gefangen und lässt alte NYHC-Zeiten wieder aufleben. Der ideale Einstieg in die Platte, voll auf die Zwölf, mehr geht nicht. Auch punkige Klänge finden sich hier wieder. So darf man bei „Hour Of The Time“ gerne gepflegt die Arme in die Luft recken und den eingängigen Refrain mitgrölen. Hier ist übrigens Stephan Weidner mit von der Partie. Er und seine ehemalige Band waren mit PRO-PAIN ja schon immer freundschaftlich verbunden. Puristen, die aufgrund der Punkanleihen schon mittelschwere Schweißausbrüche haben, werden mit dem folgenden „To Never Return“ wieder zufrieden gestellt. Der Doublebass fräst sich in die Gehörgänge und Freunde des gepflegten Mattenschüttelns sollten vorab schon den Orthopäden ihres Vertrauens kontaktieren. Im weiteren Verlauf entwickelt sich die Nummer sogar zu einer kleinen Hymne. Auch die Zusammenarbeit „Phoenix Rising“ mit Rob Barrett kann sich hören lassen. Mit „God´s Will“ haben PRO-PAIN zum Ende einen weiteren beeindruckenden Brecher platziert.
Fazit: „No End In Sight“ ist NY-Hardcore wie er sein sollte und wie sich der geneigte Genrefan diese Musik wünscht. PRO-PAIN frickeln nicht lange rum, sondern kommen direkt auf den Punkt, auch wenn die einzelnen Nummern eben doch länger als die obligatorischen zwei Minuten sind. Mit so einem Werk hat die Band auch heute noch absolut eine Berechtigung in der Schublade Hardcore, auch wenn Verfechter des noch roheren Sounds ganz sicher wieder meckern werden - PRO-PAIN wollen und wollten aber noch nie jedem gefallen und das ist verdammt gut so!