PostScriptum scheinen irgendwie etwas zu spät zu sein. Der Gothic-Zug ist jedenfalls schon längst wieder weg. Und braucht überhaupt noch ein Mensch weitere HIM-Epigonen? Nun, da diese mittlerweile ja in die völlige Belanglosigkeit abgerutscht sind, tut dem Genre zumindest etwas Auffrischung ganz gut. Ob PostScriptum dem wirklich noch mal zu neuem Glanz verhelfen können wird die Zeit zeigen, in der Heimat Norwegen ist man allerdings schon recht begeistert.
Das Quartett aus Norwegen genießt in der Heimat einen exzellenten Ruf als veritable Live-Band. Prompt konnten sie auch den Preis als „best unsigned Band“ abräumen. Mittlerweile folgte man dem Ruf aus Deutschland und hat nun einen Plattenvertrag in der Tasche. Die Band selber gibt es übrigens erst seit dem Jahre 2004. Sänger Petter ging allerdings schon länger mit den Songs schwanger, aber als es erstmal mit einem Plattenvertrag nicht klappen wollte, studierte er kurzerhand Theologie und unterrichtet auch an der Uni in Oslo. Das Hauptaugenmerk lag dabei immer auf dem Alten Testament und dies zieht sich wie ein roter Faden sogar in das Debütalbum „Prophet:Deny“ hinein.
Die Songs sind allesamt in düsteren Gefilden angesiedelt. Mal werden sie rockig schnell vorgetragen und mal baden sie knietief in Melancholie. Der Waschzettel spricht da im Übrigen von einer Mischung aus Muse und a-ha. Nun denn, dieser Vergleich ist sicher etwas zu viel des Guten und erschließt sich auch nicht direkt. Stimmig ist allerdings der Hinweis, dass sich die tiefe Stimme von Petter bisweilen wie der junge Bowie anhört. Im Grunde genommen hört sich die ganze Geschichte allerdings wie ein Abklatsch von Ville Valo und seiner Band an – nur in besser oder sogar in gut.
Ein Song wie „One Day“ dürfte sicher für die ein oder andere Gänsehaut sorgen, dies ist schon die ganz große Melancholie-Kunst. Auch rockigere Töne stehen den Jungs, wie im Albumopener „Garbage Man“ oder beim sehr forschen „This is Dynamite“ sehr gut zu Gesicht. Besonders intensive Momente verströmt die Scheibe immer dann, wenn Petter mit seiner tiefen Stimme zu spärlich und sphärisch instrumentierten Stücken eine ganz spezielle und intime Atmosphäre erzeugt (Anspieltipp „East of Egypt“). Etwas lächerlich wirkt es allerdings dann, wenn wie bei „The Colour Of Grey“ die ganze Geschichte wie aus dem Gothic-Baukastenladen klingt. Zum Glück sind diese Augenblicke in der Unterzahl. In den besten Momenten erinnert die Platte entfernt bisweilen sogar an die großartigen Tindersticks.
Fazit: Die große Gothic-Welle scheint ja schon wieder vorbei zu sein. Ob PostScriptum mit „Prophet:Deny“ der Zeit damit nicht etwas hinterherlaufen muss jeder für sich beurteilen. Auf der anderen Seite ist gute Musik einfach zeitlos und davon gibt es hier auch das ein oder andere Tönchen von zu entdecken. Die Musikwelt wird hier zwar nicht auf den Kopf gestellt, aber doch hier und da bereichert.