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Portishead: Third Tipp

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 11 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Die musikalische Welt dreht sich für einen kurzen Moment nicht weiter und hält im Kollektiv den Atem an. Portishead veröffentlichen ein neues Album und das ist in der immer schneller und hektischer agierenden Musiklandschaft schon etwas ganz Besonderes. Fans und Kritiker gleichermaßen erwarteten dieses Werk gebannt mit Spannung und die schiere Ankündigung eines neuen Albums versetzte viele Menschen in einen Freudentaumel. Portishead erschufen mit ihrem Debütalbum „Dummy“ in den 90ern ein Meisterwerk und machten es sich in einer eigenen kleinen Nische bequem. Das Gebot der Stunde war plötzlich TripHop und Downtempo. Die Musik im Verbund mit der Stimme von Beth Gibbons erzeugte eine Atmosphäre, die man so bisher noch nicht gekannt und gehört hatte. Auch, wenn die Musik alles andere als leicht zugänglich oder gar eingängige Kost war, erfreute sich die Band größter Beliebtheit – auch jenseits des großen Teichs. Vielleicht war aber auch genau dies das Geheimnis! Portishead eröffneten dem geneigten Zuhörer einen völlig anderen Ansatz für Musik.

Mittlerweile sind 17 Jahre vergangen, seit Gibbons gemeinsam mit Geoff Barrow und Adrian Utley das Projekt ins Leben rief. In diesen 17 Jahren ist die Band nicht gerade durch eine Flut an Alben aufgefallen. Mit „Third“, der Titel lässt es ja schon vermuten, kommt jetzt erst das dritte reguläre Album auf den Markt. Und auch diese Vorgehensweise macht Portishead zu einer ganz speziellen Band. Die große Klippe der Beliebigkeit wurde so nämlich gekonnt umschifft und ein Song dieser Band ist immer noch etwas ganz Außergewöhnliches.

Endlich hält der Frühling in Deutschland Einzug und die Temperaturen steigen, die Sonne beehrt uns auch wieder mit ihrer Anwesenheit und trotzdem sitzt man da mit einer dicken Gänsehaut und eine Schauer macht sich auf jeder Hautfaser breit. Der Grund dafür ist „Third“ von Portishead. Die elf Songs erzeugen beim Hörer sicherlich alles, aber garantiert keine Sommerstimmung. Düster, sperrig und minimalistisch auf der einen, schön und beatlastig auf der anderen Seite schält sich das Album aus den Boxen. Es ist ein bisschen wie nach Hause kommen. Ohne, dass man es gemerkt hat, hat man Portishead in den letzten Jahren vermisst.

„Third“ ist eindeutig Portishead. Die Band versucht gar nicht erst ihre Vergangenheit zu leugnen oder gar krampfhaft eine Abkehr vom Bewährten. Kritiker werden dies vielleicht bemängeln. Wer der Scheibe aber die benötigte Aufmerksamkeit zukommen lässt, wird schnell feststellen, dass eine deutliche Weiterentwicklung stattgefunden hat. Der glasklaren Stimme von Beth Gibbons stehen zum Teil noch härter und disharmonischere Klänge und Soundfetzen gegenüber.

Einen ersten Fingerzeig in diese Richtung bietet gleich der Albumopener „Silence“. Mit treibenden Beats und einem düsteren Gitarrenspiel wird eine fast schon morbide Atmosphäre erzeugt. Wenn dann noch der Gesang hinzukommt ist es endgültig um den Hörer geschehen. Großartiger Einstieg! „Hunter“ dagegen steht ganz im Zeichen des tieftraurigen Gesangs und erinnert in seiner Langsamkeit an die großen Klassiker der Band. „Nylon Smile“ ist noch eine Spur eindringlicher, bevor „The Rip“ im Akustikgewand den Hörer umschmeichelt. Der Gesang ist ein weiteres Mal zauberhaft schön. Traurig und depressiv ist die Atmosphäre, bevor nach hinten raus das Tempo deutlich angezogen wird. Einen besseren Songaufbau hat man dieses Jahr wohl selten gehört – ganz groß! „Plastic“ ist im Grunde ein Portishead-Song von der Stange. Trotzdem ist die Nummer mit Hubschraubergeräuschen und seinen verstörenden Keyboardklängen irgendwie außergewöhnlich. Selbst vermeintliches Standard-Repertoire schafft es immer noch außergewöhnlich zu sein – beeindruckend.

„We Carry On“ ist in jeglicher Hinsicht ein schwerer Brocken. Dem melancholischen und melodischen Gesang steht ein großes Klanggebilde gegenüber, welches bisweilen an Björk oder die Nine Inch Nails erinnert. Portishead für die Clubs um 2 Uhr in der Früh. Danach gönnt die Band - und dem Zuhörer wohl auch - etwas Zeit um die Gehörgänge wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Der Gesang von Beth wird nur von einer Ukulele begleitet. „Machine Gun“ ist wieder das komplette Gegenteil und in Industrial und Big Beat Gefilden angesiedelt. Mehrere Gänge zurück schaltet danach „Small“, bevor nach der Hälfte eine energische Orgel die Atmosphäre durchbricht. Mit „Magic Doors“ ist Portishead auf der Albumzielgerade noch mal eine ganz große Nummer im Beatgewand gelungen, bevor „Threads“ den kompletten Kontrast und die Bandbreite der Band vereinigt. Beeindruckender Schlusspunkt!

Fazit: „Third“ ist alles andere als leichte Kost. Die durfte man von Portishead auch sicher nicht erwarten. Das Album hat eine Klangvielfalt zu bieten, die sich nicht unbedingt sofort erschließt und die den Hörer zum Teil auch überfordern kann. Wer dann zu schnell aufgibt, wird leider ein weiteres Meisterwerk einer großartigen und einzigartigen Band verpassen. Ob Portishead in Zeiten, wo Musik immer mehr zur Schnellkost und zum schnelllebigem Konsumgut verkommt, die Musikwelt noch nachhaltig beeinflussen können wird sich zeigen. Wer sich aber auf dieses Werk einlassen kann, der wird reichhaltig belohnt werden. Gut, dass Portishead ein drittes Album der Welt schenken!

Deutsche Albumseite/Widget inkl. Videos, Prelistening: http://www.portishead.de/third

www.portishead.de

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