„Ich habe jede Minute der Arbeit an diesem Album genossen“, schließt Ben Drew. „Ich wollte dem Herzen und der Seele der Musik treu bleiben, sie aber ein bißchen auffrischen. In England haben wir unseren eigenen Weg. Viele Leute denken, ich sei irgendein ignoranter, asozialer Typ. Ich denke, sie werden sehr überrascht sein, dass ich tatsächlich singen kann. Und echt coole Songs schreibe.“ Man könnte auch sagen, dass Ben Drew den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Und ja, wenn man sich „The Defamation of Strickland Banks“ erstmalig anhört, dann ist man in der Tat überrascht oder um es noch mehr auf die Spitze zu treiben: geplättet. Und nochmals ja, dieser Typ schreibt verdammt coole Songs.
Schon beim zweiten Durchgang weicht die eigene Überraschung der puren Freude, der puren Freude darüber, dass einem Plan B so ein vorzügliches Album geschenkt hat. Die dritte Runde mündet dann in purer Tanzwut. Man hat lange kein Album mehr auf die Ohren bekommen, welches so konsequent die Stile mischt und so verdammt tanzbar ist. Das sind hier dreizehn verdammte Arschwackler!
Ben Drew alias Plan B ist aufgewachsen mit so ziemlich allen Zutaten, die die Musikküche hergibt. Der Sound von Motown steht dabei immer ganz vorne. Punk, Elektro und Rap gehören zu seinen weiteren Einflüssen und Eminem hat ihm in gewisser Hinsicht die Augen und Türen geöffnet. Als der Mann aus Detroit die Welt eroberte, wusste auch Ben Drew, dass es durchaus in Ordnung ist in der Sprache des Londoner East-Ends zu rappen. So richtig die Hosen lässt er in dieser Hinsicht bei „Stay Too Long“ runter. Wer allerdings glaubt, dass es sich hier um ein HipHop-Album handelt, ist komplett falsch gewickelt. Gerade bei dieser Nummer wird alles gemixt, was bei anderen so gar nicht zusammenpassen will. Da kommt Rock in den Soul-Topf nur um im nächsten Moment mit einem Rappart zu brillieren.
Das steht aber nicht exemplarisch für die gesamte Platte. Zunächst beginnt das Album nämlich irgendwo in einer amerikanischen Großstadt der 60er. „Love Goes Down“ heißt einen herzlich Willkommen in einem Stax-Gewand. Dieser sehr gefühlvolle Auftakt wird von einer besonderen Singstimme getragen, die sich tatsächlich nicht hinter den Großen dieser Zeit zu verstecken braucht. Potzblitz, wer hätte das von einem „Rapper“ erwartet. „Writing´s On The Wall“ fährt diese Schiene sogar noch eine Spur fröhlicher fort. Und wie bereits geschrieben: tanzen, tanzen, tanzen bis der Arzt kommt. Das smoothe „She Said“ muss man sicher nicht weiter erwähnen, einfach Radio einschalten und los geht es. Der Song läuft ja momentan eh rauf und runter, gehört aber sogar zu den schwächeren Tracks hier.
Danach liefert Plan B mit „Welcome To Hell“ einen überragenden Song ab. Hier passt einfach alles. Der Refrain ist mit vollem Chor im Rücken das Faustpfand und die Eintrittskarte in die Glückseligkeit. Wer auch nur ansatzweise ein Faible für Soul hat, der muss Plan B einfach Gehör schenken. Danach folgt mit „Hard Times“ gar klassischer Northern Soul. „The Recluse“ kommt anschließend wieder etwas rockiger daher, aber es sind eben dann doch die klassischen Tracks wie „Traded In My Cigarettes“ die hier überraschen und überzeugen. Übrigens: hier ist nix mit Computermist im großen Stil, denn auf dieser Scheibe werden Instrumente benutzt. Hoffentlich hat sich jetzt keiner der jüngeren Generation erschrocken! Nach dem wunderbaren „Prayin´“ folgt mit „Darkest Place“ erstmals ein Stück, welches verzichtbar gewesen wäre. Gerade der Rapteil will nicht so richtig zum Rest passen. Geschenkt, denn wer danach mit „Free“ im Supremes-Stil daherkommt, hat sowieso Narrenfreiheit. Selbst der Lovesong „I Know A Song“ kann durch Arrangement und Instrumentierung punkten und da passen dann auch die kitschigen Streicher zum Konzept. „What You Gonna Do“ klingt schließlich wie ein Best Of von „The Defamation of Strickland Banks“.
Fazit: Dieses Konzeptalbum von Plan B ist der Überraschungsknaller des Jahres. Der Londoner hat sein Alter Ego perfekt musikalisch vertont und feinsten Soul mit Rock und Rap angereichert. Die Scheibe ist überaus tanzbar, selbst in den ruhigen Momenten und Dank dem Einsatz von echten Instrumente etwas ganz Besonderes. Die Mischung ist unter Garantie nicht alltäglich und schon deshalb ist dieses Werk so spannend. Die Songs haben Klasse und Stil! Chapeau!
