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Phoenix: Wolfgang Amadeus Phoenix Tipp
(Universal)


Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Mittlerweile sind seit dem großartigen Album „It´s Never Been Like That“ der Pariser Band Phoenix auch schon wieder drei Jahre vergangen. Fans und Kritiker dürfen sich nun die Finger nach „Wolfgang Amadeus Phoenix“ lecken. Die ganz eigene Note der Franzosen hat man irgendwie im breiten Feld des Indiepop vermisst. Nun wird alles gut. Phoenix sind zurück und brauchen nur zehn Songs um den Zuhörer wieder zu verzaubern. Die magische vierzig Minuten Grenze wird dabei freilich nicht überschritten. Macht nichts, denn hier wird alles gesagt, was es zu sagen gibt. Besser auf den Punkt gebracht, denn irgendwelche Längen eingebaut – genau so liebt man Phoenix.

Phoenix sind aber auch verdammte Bastarde. Sie locken einen immer wieder auf die falsche Fährte. Oberflächlich betrachtet hat man immer den Eindruck, dass ihre Songs recht simpel gestrickt sind. Das täuscht! Es passiert auf der gesamten Scheibe derart viel, dass es immer wieder etwas zu entdecken gibt.
Der Auftakt mit „Lisztomania“ hat in dieser Hinsicht so einiges zu bieten. Fast schon unverschämt viele Tempowechsel gibt es hier auf die Ohren. Fällt bei dieser Tanznummer kaum auf, da diese ordentlich nach vorne peitscht. „1901“ setzt da glatt noch ein Pfund drauf. Zwischen Indiegeschrammel und sehr schönen Soundflächen entwickelt der Song glatt Hymnenpotenzial. Und gerade noch denkt man, dass es ja jetzt wohl nicht mehr besser werden kann und dann hauen Phoenix mit „Fences“ einen solchen Knaller raus. Falsettgesang ist ja meist recht nervig – hier sind diese Passagen das Salz in der Suppe. Willkommen unter der Discokugel!
Zeit zum durchatmen? Gibt es nicht! Auch der instrumentale Ohrenschmaus „Love Like A Sunset Part I“ besticht durch einen tollen Aufbau. Sphärische Computer-Klanglandschaften geben sich die Klinke mit organischen Instrumenten die Hand, nur um dann miteinander zu verschmelzen. Puh, was für ein Ohrenorgasmus. Jener mündet direkt in „Love Like A Sunset Part II“, der die beiden Teilen ganz langsam ausklingen lässt.
Dafür stampft „Lasso“ wieder ganz schön treibend durch die Gehörgänge. Herrlich! Irgendwie haben sämtliche Songs eine melancholische Grundnote und trotzdem hat man das Gefühl, hier scheint einem jedem die Sonne aus dem Popo. Ein kurioses Sommeralbum, welches sich aber auch gut zu allen anderen Jahreszeiten hören lässt. Aber wir schweifen ab, zurück zu „Rome“, welches abermals mit einem tollen Songaufbau besticht, insgesamt aber etwas weniger tanzbar erscheint und langsamer um die Ecke kommt. „Countdown“ klingt wie die Quintessenz dessen, was Phoenix auf diesem Album ausmacht. Und dann passiert es doch noch: „Girlfriend“ ist ziemlich langweilig. Dies gilt allerdings ausschließlich für diese Scheibe hier, denn auf jedem anderen Album wäre das sicher ein Höhepunkt, aber auf „Wolfgang Amadeus Phoenix“ fällt die Nummer doch etwas ab. „Armistice“ lässt das Album dann noch mal in schnelleren Gewässern recht solide ausklingen.
Fazit: Schön, dass Phoenix der Welt ein neues Album schenken. Der Indiepop von „Wolfgang Amadeus Phoenix“ dürfte zu einem der musikalischen Höhepunkte des Jahres 2009 gehören. Diese unverschämten Melodien gehen einem den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf. Chapeau!

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