Es ist nicht immer leicht sich durch den Wust an Neuerscheinungen zu wühlen und dabei auch noch genau das ausfindig zu machen, das einem gefällt. Viele Menschen machen es sich leicht, denn sie kaufen nur das, was sie eh schon kennen. Gerade in den letzten Jahren ist es aber so, dass genau die „Gewohnheitskäufer“ immer wieder von den gewohnten Bands enttäuscht wurden. Manche wurden derart enttäuscht, dass sie dem Tonträgerkauf komplett entsagt haben. Nun liegt es an den „Sprachrohren“ der Szene und an den Schreiberlingen, sich bemerkbar zu machen. Okay, Pharaoh sind keine Band die jeder kennen muss, aber eine Kapelle die viele kennen lernen sollten. In meiner Plattenkritik habe ich schon eine Lobeshymne angestimmt, doch als sich die Chance ergab, etwas tiefer in das Bandgefüge und die Geschichte hinter Pharaoh einzudringen, musste ich zuschlagen. Gitarrist und Bandkopf Matt Johnsen stellte sich meinen Fragen und es entwickelte sich ein langes Gespräch, dass ich in Auszügen wiedergeben möchte. Denn die Ergüsse von Matt und mir, über Alben, die man haben sollte, welche CD/LP von irgendeiner Band die Beste ist und welches Line Up mancher Bands einfach nicht hätte gesprengt werden dürfen, möchte ich euch einfach mal ersparen. Zu Beginn erst einmal Glückwunsch zu „The Longest Night“, denn in meinen Augen könnte es das perfekte Album zur richtigen Zeit sein. Denn progressiver Power Metal hat, gerade in Europa, einen kleinen Aufwind bekommen! Ja, diese Art von Musik ist bei euch viel populärer als in den Staaten, aber so ist es schon eine lange Zeit. Aber was will man machen? Den Musikgeschmack in den Staaten können wir leider nicht verändern. Trotzdem ist inzwischen Metal in den Staaten auch wieder ein Thema. Bands wie Disturbed oder Avenged Sevenfold verbinden den typisch amerikanischen Power Metal Sound mit moderneren Versatzstücken. Euch kann man zwar eher in die „Oldschool“ Schiene packen, aber eigentlich dürfte den Fans dieser Bands auch an eurer Musik einiges gefallen! Ich bin einigermaßen verwirrt, dass gerade so viele neuere Bands dieses klassisch klingende Material auf den Markt bringen. Bei Disturbed kann ich es sogar noch verstehen, die Jungs sind alt. Sie klingen halt nach der Musik, die sie vor langer Zeit bereits gehört haben. Aber bei den anderen ?? Die müssen die Iron Maiden Alben von ihrem Dad haben, oder so was in der Art. Wir spielen eigentlich Power Metal, aber das ist keine gute Beschreibung mehr, denn Power Metal steht nun für schnellere Musik, mit viel Doublebass und unsere Musik passt eher zu Jag Panzer oder Metal Church. In vielen Rezensionen werdet ihr gerne mit Iron Maiden verglichen, obwohl meiner Meinung nach die von dir genannten, amerikanischen Metal Bands viel eher zu eurem Stil passen, als NWOBHM Bands. Das mag aber auch an unserer Band liegen. Unser Bassist und der Drummer sind sehr große Iron Maiden Fans. Gerade unser Drummer ist besessen von der NWOBHM Szene, er sammelt 7-Inches von obskuren Bands, von denen noch nie jemand etwas gehört hat. Als ich Mitte der Achtziger angefangen habe Metal zu hören, da kann ich nicht sagen, dass ich mit Bands wie Maiden oder Priest angefangen habe. Ich habe das gehört, was meine Freunde gehört haben. Also so typische Bands wie Metallica, Megadeth oder Queensryche. Eine meiner großen Favoriten damals war aber Powermad und ich besitze auch noch Omen Tapes. Ich hab dann irgendwann alles gekauft, dass nach Metal aussah und das waren nun mal größtenteils Bands die dem American Power Metal zuzurechnen sind. Das hat die Art und Weise wie ich Songs schreibe nun mal sehr beeinflusst und außerdem bin ich, was die Bands angeht, die immer noch diese Art von Musik machen, ein riesiger Jag Panzer Fan. In Europa gibt es eine kleine, aber feine Szene, die gerade auf die Musik versessen ist, die in den Achtzigern, bis Mitte der Neunziger, aus den Vereinigten Staaten gekommen ist. Ich kenne einige Leute, die zwar von euch gehört haben, aber noch nicht die Chance hatten, euch zu hören. Nun habt ihr erstmals einen vernünftigen Vertrieb in Europa und das ist die Chance, die Leute auch zu erreichen. Das ist auch meine große Hoffnung. Unser erstes Album war recht gut, aber zurückblickend war der Sound nicht gerade ideal und es klang doch ziemlich an die Musik von Iron Maiden angelehnt. Mit „The Longest Night“ wollte ich die Iron Maiden Ähnlichkeiten, was die Harmonien und Gitarren angeht, weitestgehend ablegen. Wir haben nun die Musik geschrieben, die wir auch hören wollten. Wenn wir „The Longest Night“ zuerst herausgebracht hätten, dann wäre es wahrscheinlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Jede Band bracht ein paar Jahre in der Szene, damit die Leute auf dich aufmerksam werden. Ich bin in einer Art und Weise dankbar, dass wir ein Debüt auf den Markt bringen konnten, dass manchen Leuten gefallen hat und wir nun etwas nachliefern können, was um einiges stärker ist. Es sind zu viele Bands in der Szene unterwegs, die krampfhaft versuchen den Sound der Achtziger am Leben zu erhalten. Was nicht schlecht sein muss, aber meistens klingt das dann alles ziemlich Retro und abgekupfert. Wir wollen das Feeling des „American Power Metal“ einfangen, ohne abgelaufen oder oldfashioned zu klingen. Wir wollen, dass unsere Musik die Leute heute anspricht und nicht nur die Fans, die Plattenläden nach gebrauchten Liege Lord LPs abgrasen. Einer euren großen Vorteile ist die Tatsache, auch wenn die Einflüsse immer erkennbar sind, merkt man doch, dass ihr eure eigene Art von Musik macht. Definitiv. Ich bin niemand von den Jungs, der daheim sitzt und die Songs anderer Bands auswendig lernt. Okay, ich hab anfangs auch versucht manches nachzuspielen, aber so hat jeder Gitarrist angefangen. Um noch mal auf Jag Panzer zu sprechen zu kommen, ich bin einer der wenigen, der ihre Comebacksachen besser findet als z.B. „Ample Destruction“ oder „Tyrants“. Das sind alles gute Sachen, aber das letzte Album „Casting The Stones“ war einfach fantastisch. Sie gehören zu den Bands, die es geschafft haben so zu klingen, wie wir es auch tun. Ich fühle mich deswegen eher zu der Band hingezogen, als zum Beispiel zu Iced Earth, die viel europäischer klingen und auch viel Iron Maiden gehört haben. Das Verlangen einzigartig zu sein, macht uns vielleicht zu etwas Besonderem. Wenn man von der Einzigartigkeit eurer Musik spricht, dann kommt man automatisch auf euren Sänger. Tim Aymar ist noch ein richtiger Sänger und kein Schreihals, der nur im Falsett vor sich hin quietscht. Tim hat ein sagenhaftes Talent, er kann 4 ½ Oktaven singen. Anders als die meisten Metalsänger hat er Gesang studiert. Er kann all dies tun, ohne seine Stimme zu ruinieren oder seine Lunge raus zu brüllen. Es ist echt ein großer Luxus wenn man Songs schreibt, wir müssen uns keine Gedanken machen, ob Tim das überhaupt schafft, denn er schafft es eh. Wenn es trotzdem mal vorkommt, dass wir eine Melodie schreiben, die einfach zu hoch angesetzt ist, so dass nicht einmal Tim es singen kann, dann hat er die Fähigkeit, diese Passage so umzubauen, dass sie genau in seinen Gesangsbereich passt und trotzdem ist immer noch die Dynamik drin, die wir uns beim Schreiben erhofft haben. Ganz ehrlich, Tim ist einer meiner absoluten Lieblingssänger. Ich war ein riesiger Psyco Scream Fan, bevor Tim überhaupt in meiner Band war und nur durch seinen ehemaligen Gitarristen konnte ich überhaupt mit ihm in Kontakt treten. Ich habe eine ganze Sammlung an Material auf dem Tim vor Pharaoh gesungen hat, eigentlich hab ich alles an Musik an der er jemals beteiligt war, von Mitte der Achtziger bis heute. Ich bin mehr als froh, einen Sänger seines Kalibers in der Band zu haben. Stimmt, da kann man sich nur glücklich schätzen. Eure Musik ist definitiv pure Live Musik, doch ich frage mich, wie ihr diesen Monstergitarrensound Live reproduzieren wollt. Denn mir scheint eine Gitarre ein bisschen wenig! Es ist leider Fakt, dass Pharaoh noch nie Live gespielt haben. BITTE WAS !!!!! Ja es ist wirklich wahr, wir rehearsen nicht mal um ehrlich zu sein. Wir arbeiten Songs, schicken uns Tapes und Mails zu und wenn alles passt, gehen wir ins Studio und nehmen auf. Das größte Problem ist, dass wir über das ganze Land verstreut Leben. Ich lebe vor den Toren Philadelphias und unser Drummer, zum Beispiel, lebt in Chicago, was etwa 1000 Meilen weg ist. Tim lebt in Pennsylvania und selbst wenn ich schneller fahren würde als die Polizei erlaubt, würde ich mindestens Fünf Stunden brauchen um anzukommen. Wir haben auch keinen wirklichen Grund zu rehearsen und Live zu spielen, nicht nur wegen der Entfernung, sondern auch, weil in Amerika nicht wirklich ein Markt für diese Musik existiert. Selbst eine Band wie Jag Panzer, wenn sie nicht gerade das Glück haben Helloween oder Iced Earth zu supporten, kann glücklich sein vor 100 Leuten zu spielen und die Jungs sind absolute Klassiker. Auch wenn wir als Band bisher nie Live gespielt haben, hat „The Longest Night“ etwas verändert. Die Reaktionen die wir bekommen, die Reviews weltweit haben uns richtig heiß gemacht, doch Live aufzutreten. Wir wollen Gigs spielen und hoffentlich bekommen wir die Chance dies auch in Europa zu tun, denn dort sitzen die Menschen, die Pharaoh sehen wollen. Wenn es dann soweit ist, unsere Songs auf der Bühne wieder zu geben, dann werde ich dafür sorgen, dass ein zweiter Gitarrist mit auf Tour kommt. Ich will eigentlich nicht nur einen sondern zwei weitere Gitarristen auf der Bühne haben, so nett im Leatherwolf Triple Axe Attack Stil (lacht). (dann folgte noch eine Nettigkeit über Iron Maidens drei Gitarren Fake, denn ich aber mal weglasse. der Verf.) Ich meine das wirklich ernst, denn wenn ich die Gitarrenparts schreibe, sind es selten nur zwei Gitarrenstimmen die ich benutze. Wenn ich die Rhythmusgitarre schreibe, benutze ich neben den Harmonien noch Powerchords. Das hab ich mir von einer deutschen Band abgeschaut, vielleicht kennst du Scanner ja. Bitte wie ??? Scanner aus Gelsenkirchen ?????? Das kann doch nichts ein, ich bin baff erstaunt, dass man die in Amerika kennt, auch wenn ich die Band zu meinen Alltime Faves zähle und sie beinahe in der Nachbarstadt leben. Welches Album ist denn dein Favorit? Da schau her!!! Scanner sind meine absolute Lieblingsband des deutschen Power Metals. Ich mag eigentlich die ersten vier Alben, als dann die Frau am Gesang war, gings bergab (stimmt auffallen, denn diese Frauenplatte hat man mir vor ein paar Tagen auch aufgeschwatzt !!!! Danke auch ,- der Verf.). Aber meine absoluten Lieblingsalben sind das Debüt „Warp 7“ und das dritte Album „Mental Reservation“. Wenn du dir diese beiden Alben anhörst, dann merkst du, dass diese Band sehr viel mit den harmonisierten Powerchords spielt. Selbst als Gitarrist versteht man anfangs nicht, was die da genau machen. Doch als ich das endlich geschnallt habe, dann habe ich nur noch Power Chords benutzt. Also könnten wir so viele Gitarren wie möglich auf der Bühne haben, aber wenn eine Band wie Blind Guardian mit nur zwei Gitarren auskommt, dann dürfte Pharaoh das auch schaffen. Nachdem ich den Scanner Schock verdaut habe, haben Matt und ich uns noch fast eine Stunde über krude Bands unterhalten und ich hoffe das die Jungs wirklich bald die Möglichkeit haben, in Deutschland zu spielen. Denn verdient haben sie es…..besonders Matt, der zu den rürigsten Vertretern der Metal Zunft in den Staaten gehört. Er ist nicht nur ein fanatischer Sammler und Musiker, sondern auch ein Schreiberling der versucht die recht kleine Szene durch ein eigenes Fanzine usw. am Leben zu erhalten. Thumbs Up and hope to see them soon !!!!!!!! Schaut euch einfach mal seine HP an ! Zu erreichen unter www.mattjohnsen.com. Da könnt ihr euch seine unglaubliche CD Sammlung anschauen und krude Geschichten lesen !!!!
Interviews > Musik
Pharaoh
Autor: CF / Kommentare: Bisher keine
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