Person L? Nie gehört! Wer das für sich auch bejahen kann, sollte die Lauscherchen aber demnächst ganz weit aufsperren und sich dieses wunderbare Indiewerk mit dem schönen Titel „The Positives“ zu Gemüte führen. Und was muss ich da dem beigelegten Waschzettel entnehmen? Person L hat doch glatt schon ein Debütalbum aufgenommen. Ja verdammte Axt, war das denn so schlecht oder warum konnten man in den einschlägigen Medien davon nichts mitbekommen? Sollte „Initial“ auch nur ansatzweise die Qualität von „The Positives“ gehabt haben, dann hätte die Scheibe eigentlich für ein größeres Aufsehen sorgen sollen. Da haben wir aber anscheinend alle geschlafen.
Ungewöhnlich ist diese Formation sowieso. Zwei Gitarristen in einer Band sind sicher keine Seltenheit, aber zwei Drummer gehören keinesfalls zur Norm der üblichen Rockformation. Person L macht aber genau dies aus. Die beiden Jungs hinter der Schießbude sind zudem extrem unterschiedlich in ihrem Spiel und somit hat „The Positives“ in der Rhythmussektion doch einige interessante Wendungen und Aspekte zu bieten, die aufhorchen lassen. Ein Rockalbum, welches teilweise von der Percussion derart angetrieben wird, hat man schon lange nicht mehr gehört.
Im Grunde seines Herzens ist dies ein Indiealbum, aber Blues- und Classicrockeinflüsse schimmern immer wieder durch. „New Sensation“ lässt beispielsweise eine ganze Menge davon durchblicken. Die Melodien sind immer etwas verquer und so ist selbst ein balladeskes Stück wie „Stay Calm“ weit vom süßlichen Kitsch entfernt. Die straighten Rocksongs machen zudem richtig Laune. Ein Brett wie „Goodness Gracious“ klingt frisch und lärmt sich vorzüglich durch sämtliche Spielarten des Rock. Jawohl, so muss das doch sein, Handbremse gelöst und ab dafür! „Sit Tight“ bläst in ein ähnliches Horn und man hört durchaus den Spaß, den die Band dabei hat, allerdings ist die Nummer insgesamt dann doch etwas uninspiriert. Macht aber nichts, denn mit „Loudmouth“ rotzen sich Person L gleich mal weiter durch das Album, diesmal allerdings in schönster Sonic Youth Manier.
Das letzte Drittel wird von einem amtlichen Bluesstampfer eröffnet. „Changed Man“ raubt einem ja glatt den Verstand! Mit einer Menge Soul biegt die Band dann mit „Pleasure Is All Mine“ auf die Zielgerade ein. Mit dem wunderbaren und intensiven „Untitled“ und „I Sing The Body Electric“ kommen sie dann auch mehr als anständig über die Ziellinie. Als Zuhörer ist man aufgrund der letzten knapp 50 Minuten glatt nassgeschwitzt.
Fazit: Person L hat mit „The Positives“ ein Album vorgelegt, welches seinem Titel durchaus gerecht wird. Die zwölf Songs machen unglaublich viel Spaß und vermitteln eine Freude, wie es nur wenige Alben können. Musikalisch ist dies ein waschechtes Rockalbum mit einer großen Vorliebe für das Indiegenre. Läuft garantiert nicht im Radio, aber rotiert dafür umso öfters in meinem Player! Kaufen!
