Perle verzichten ganz bewusst auf modernste Studiotechnik. Die Musik soll so wohl einen typischen, charakteristischen und erdigen Sound verliehen bekommen. Schön und gut, nützt natürlich nichts, wenn das entsprechende Songmaterial da nicht mithalten kann bzw. im Mittelmaß versinkt oder gar unterdurchschnittlich ist. „Perle kommt“ hat jedenfalls reichlich Lieder zu bieten. Einundzwanzig an der Zahl darf sich der geneigte Hörer davon angesiedelt irgendwo zwischen Pop, Schlager und/oder Chanson anhören.
Vielleicht habe ich das Album auch einfach nicht verstanden, aber mir ist hier eindeutig zu viel Füllmaterial vorhanden. 21 Lieder sind definitiv zu viel des Guten. Vieles plätschert einfach so vor sich hin und wirkt regelrecht langweilig und ermüdend. Dass die Songs im Midtempo Bereich angesiedelt sind und zum Großteil sehr ruhig ausfallen, ist dabei nicht ausschlaggebend. Auch eher verhaltene Musik kann mitreißend sein und eine dicke, fette Gänsehaut verursachen. Dies ist hier, zumindest was mich betrifft, nicht der Fall. Auch nach dem 10 Durchlauf bleibt so gut wie nichts hängen. Hier hätte dem Material sicher etwas mehr Dynamik gut getan und ganz besonders viel, viel weniger wäre hier mehr gewesen. Es gibt natürlich auch hier den ein oder anderen wunderschönen Moment, der so aber leider in der Masse untergeht.
Fazit: Auch mit ihrem dritten Album werden die Frankfurter wieder polarisieren und ganz sicher nicht die große Masse ansprechen (wollen). Dafür kann man im Grunde den Hut ziehen, wenigstens gibt es hier keine Anbiederung an irgendeinen Stil, man bleibt sich und der eingeschlagenen Richtung treu. Fans von Perle werden von diesem Werk sicher hellauf begeistert sein, auch wer Töne in Moll und sanfte Melancholie versehen mit zynischen Texten mag, kann dieses Album mal zaghaft antesten. Ich für meinen Teil kann damit nicht viel anfangen und verbleibe mit 5 Perlen.