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Pearl Jam: Immagine In Cornice - Live In Italy 2006 Tipp

(Rhino/Warner)

Autor: schlimm / Wertung: 11,5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher 1 Kommentar

Pearl Jam Immagine In Cornice  Live In Italy 2006Pearl Jam in Italien – ein Sommermärchen. So, oder so ähnlich könnte auch der Titel der neusten DVD der Band aus Seattle lauten. Wo Sönke Wortmann es aber nur in ganz wenigen Augenblicken geschafft hat seinen Film über die Fußball-WM 2006 und die deutsche Nationalelf im Speziellen zu etwas Besonderem zu machen und seinen „Sommermärchen-Film“ im Großen und Ganzen komplett vergeigt hat, ist Danny Clinch das Kunststück gelungen einen Film zu drehen, der an Emotionalität fast nicht mehr zu überbieten ist.

Pearl Jam hätten sich für diesen Film ganz sicher keinen besseren Regisseur als den renommierten Fotografen und Filmemacher Clinch aussuchen können. Ebenso könnte die Auswahl der Örtlichkeiten nicht passender sein. Wer schon mal ein Konzert bei einem unserer südländischen Nachbarn erleben durfte, der weiß, welche ganz spezielle Atmosphäre sich dort abspielt und wie verrückt und enthusiastisch die Fans sind. Hinzu kommt, dass die Band einen Status erreicht hat, wo ihnen die Fans weltweit nachreisen. Eine ganz besondere Stimmung muss im Sommer 2006 rund um die Auftrittsorte in Bologna, Verona, Mailand, Turin und Pistoia somit geherrscht haben. Davon kann man sich nun auf der vorliegenden DVD ein Bild machen – und nicht nur davon!

„Immagine In Cornice“ ist ein ganz besonderer Film und trotzdem seien zuerst ein paar kritische Töne erlaubt. Insgesamt hätte der Inhalt der DVD durchaus etwas üppiger ausfallen dürfen, da wäre sicherlich noch wesentlich mehr Kapazität als für die drei Bonustracks „A Quick One (While He´s Away)“ (Eddie Vedder mit My Morning Jacket aus Turin), „Throw Your Arms Around Me (Pistoia) und dem Pearl Jam Schlusssong schlechthin „Yellow Ledbetter“ aus Mailand gewesen. Das Verlangen nach MEHR liegt allerdings auch an diesem großartigen Konzept und der mehr als gelungenen Umsetzung. Und warum ist das Konzert aus Bologna nicht wenigstens mit einem Stück vertreten?

Insgesamt beinhaltet der Hauptfilm dreizehn Tracks und kann in hochwertigem Dolby 5.1 Surround Sound genossen werden. Verantwortlich dafür sind John Burton für den Schnitt und Brett Eliason für den Mix. Klangfetischisten werden hier hoffentlich auf ihre Kosten kommen. Zumindest hat man es geschafft, die Live-Atmosphäre nicht künstlich,  klinisch und steril klingen zu lassen, sondern der erdige und warme Sound der Konzerte wurde sehr hörenswert beibehalten. Gefilmt wurde mit allem was der Markt zu bieten hat, von Super 8 bis hin zu High Definition, aus allen möglichen Perspektiven und sei es vom Hallendach. Da zeigt sich auch die Klasse von Danny Clinch. Wo andere Regisseure nun die verschiedenen Kamerapositionen möglichst in schneller Abfolge aneinanderreihen, scheint Clinch nie das Wesentliche aus den Augen zu verlieren und auch den Blick für die ganz speziellen Momente zu haben. So macht das Zuschauen nicht nur Spaß, sondern ist auch ein Genuss für die Augen. Hier und da (z.B. bei „Alive“) werden verschiedene Sequenzen collagenartig und in Zeitlupe aneinandergereiht, wodurch die Intensität noch mal ein ganzes Stück erhöht wird.

Dreizehn Songs? Mehr nicht? Auf den ersten Blick sicher etwas wenig, aber auch nur auf den ersten, denn hier wurde ja nicht mit der Prämisse herangegangen ein Konzert bildlich einzufangen, sondern einen richtigen Film zu drehen und dies ist „Immagine In Cornice - Live In Italy 2006“ in der Tat. Über die Songauswahl braucht man auch nicht lange diskutieren. Der Backkatalog von Pearl Jam ist so riesig, da wird jeder Fan ganz sicher seine eigenen Favoriten haben, zumal die Band die Setliste ja auch jeden Abend umstellt. Insgesamt haben sich die Jungs dann wohl für die rockigeren Stücke entschieden, die hier eindeutig überwiegen.

Dass Pearl Jam eine hervorragende Liveband sind sollte sich wohl mittlerweile herumgesprochen haben. Entsprechend groß waren natürlich auch die Erwartungen im Vorfeld, ob dies filmisch auch festzuhalten sei. An dieser Stelle kann man alle beruhigen, die Erwartungen werden mit Sicherheit übertroffen werden. Die größten Live-Augenblicke sind hier aber fast die Publikumsaufnahmen, immer dann, wenn man die Perspektive von der Bühne hat – fast so, als wäre man das siebte Bandmitglied!

Dies ist aber nur eine (beeindruckende) Facette dieser DVD. Für den Zuschauer und ganz besonders für den Fan dürften die kleinen Einspieler und Filmchen zwischen den Songs fast noch interessanter sein. Hier erhält man den berühmten Blick durch das Schlüsselloch. Der besonderen Beziehung von Pearl Jam und ihren Fans wurde ebenfalls genug Raum gewidmet, egal ob im persönlichen Gespräch mit Mike McCready vorm Hotel oder durch kleine Einspieler, die den Enthusiasmus ihrer Anhänger zeigen. Besonders intime Momente entstehen so beim Blick hinter die Kulissen, egal ob Eddie Vedder bei den Proben „Immortality“ intoniert oder zusammen mit Mike McCready mit Akustikgitarren ein „Lukin“ hinrotzt – großartige, bisher nie gesehene Aufnahmen. Bassist Jeff Ament erklärt seine Liebe und seine Passion zum Skateboarden und lässt den Zuschauer auch an der Ausübung dieser Kunst teilhaben. McCready bringt einem die Bedeutung seiner Tatoos näher und die Band insgesamt gewährt einen Einblick, was kurz vor und nach einem Auftritt passiert. Ebenso wird man Zeuge, wie eine Setlist entsteht, umgestellt wird oder kurz vor den Zugaben eben diese besprochen wird. Genau dies macht die DVD so wertvoll und geht weit über einen üblichen Konzertmitschnitt hinaus. Der Film endet mit einem Eddie Vedder, der vom Pistoia-Dom den wartenden Fans zuwinkt, die Glocken läutet und schließlich den Kehrmeister gibt und den Dom ausfegt (auch auf dem Covermotiv zu sehen) – bewegend.

Fazit: Fans, die letztes Jahr selber Zeuge der Pearl Jam Italien-Tour waren, werden nicht nur eine Gänsehaut bekommen, sondern ganz sicher auch das ein oder andere Tränchen verdrücken. Danny Clinch und Pearl Jam ist so eine Hommage an ganz besondere Augenblicke gelungen, besser hätte man dies wohl nicht einfangen und umsetzen können. Ein absoluter Pflichtkauf für alle, die halbwegs etwas mit der Musik von und Pearl Jam selber  anfangen können. Ich selber habe nach mehrmaligem Anschauen dieser filmischen Meisterleistung unheimlich Lust auf ein Konzert von Pearl Jam…hatte ich schon lange bei keiner anderen Band mehr.

Im September und Oktober wird "Immagine In Cornice" übrigens in ausgewählten Kinos in Deutschland gezeigt. Also Augen auf, Karte sicher und genießen!

www.pearljam.de

www.pearljam.com

1 Comment »

  1. Ich hatte gestern, dank meiner aufmerksamen Frau, welche die Zeitung auch mal an der richtigen Stelle aufschlägt…, die Gelegenheit mit Ihr die Preview im Kino geniesen zu dürfen. Nachdem wir letztes Jahr zusammen auf dem Berliner Konzert waren, und ich vier Jahre zuvor auch, und davor auch… fühlten wir uns wieder wie mittendrin. Wir waren überrascht über das Konzept, da wir ein Konzert “am Stück” erwartet hatten. Macht aber nix, denn dafür war das was kam um so besser! Also anschauen, mitrocken, mitträumen und… was soll ich noch sagen… Ich mag die Jungs mit Ihren geraderaus in die Fresse Rock eben… Seit mittlerweile 17 Jahren - oh man…

    Comment by Bernd — September 21, 2007 @ 9:55 am

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