Patti Scialfa überflutet die Welt nicht gerade mit ihren Soloalben. Nein, die Frau weiß genau was sie will und da zählt Qualität wesentlich mehr als Quantität. Schon ihr Debütalbum aus dem Jahre 93 „Rumble Doll“ und der Nachfolger „23rd Street Lullaby“ von 2004 konnten Fans wie auch Kritiker restlos überzeugen und begeistern. Nun steht also der Nachfolger „Play It As It Lays“ im Regal und kann ebenso überzeugen, auch wenn es dieses Mal relativ zügig ging.
Auf das Album haben es letztlich zehn Songs geschafft. Wer sich jetzt fragt, warum es nicht mehr sind, dem sei gesagt, dass die Auswahl anscheinend genau richtig war, denn hier gibt es kein Füllmaterial, nein, das gesamte Werk wirkt so wie aus einem Guss! Patti Scialfa hat wohl noch das richtige Gespür dafür, was ein Album benötigt und was nicht – eine Gabe, die viele Kollegen mittlerweile vermissen lassen und lieber ihre CDs bis zum Anschlag füllen. Auch hier beweist sie also ein feines Händchen für Qualität.
Geschrieben wurden die Songs allesamt von Patti Scialfa selber. Ebenso überzeugt sie an Banjo, Akustikgitarre, Wurlitzer Orgel und natürlich durch ihren Gesangsvortrag. Zur Unterstützung hat sie sich jede Menge bekannte Gesichter und Kollegen ins Studio geholt. Ihr Ehemann Bruce Springsteen spielt neben Akustik- und E-Gitarre noch Mundharmonika und eine Hammond B3 Orgel, ebenso sind einige Mitglieder der Seeger Sessions Band mit von der Partie, wie natürlich auch der alte Weggefährte Nils Lofgren und und und. Aber keine Angst, in erster Linie ist dies die Schau von Patti Scialfa und die lässt sie sich von keinem stehlen.
In ihren Anfangstagen ist sie ja noch als Straßenmusikerin aufgetreten und die Schule der Straße kommt ihr auch heute noch zugute. Die Einflüsse reichen hier von Roots Rock über Folk hin zu Country bis zum gepflegten Doo-Wop. Wer hier moderne Einflüsse sucht, der ist sicherlich verkehrt. Aber Frau Scialfa versteht es wunderbar ihre Version der Vergangenheit in das Hier und Jetzt zu transportieren. Man könnte die ganze Geschichte auch zeitlose Musik nennen.
Schon der Opener „Looking For Elvis“ zeigt ihre Extraklasse. Ein Song, den die Stones wahrscheinlich schon seit Jahren suchen, irgendwo in den Sümpfen entstanden. Auch das lässig aus dem Ärmel geschüttelte „Like Any Woman Would“ mit seinen Roots Rock-Anleihen weiß zu überzeugen. „Town Called Heartbreak“ knüpft zwar daran an, ist insgesamt aber eine Spur zurückhaltender und damit auch unspannender. Die nachdenklichen und leiseren Töne bedient sie danach mit dem entspannten „Play Around“. Ein Song für die Abendstunden und den Sonnenuntergang. „Rainy Day Man“ beginnt zwar mit einer heulenden Gitarre, kommt aber ziemlich schnell auf eine ganz andere Schiene. Dies scheint die Interpretation von Patti Scialfa von Soul und Blues zu sein. Es gibt sicher Kollegen, die können dies besser, aber der Ansatz ist auf jeden Fall aller Ehren wert. Folkig wird die zweite Albumseite mit „The Word“ eröffnet, bevor sich daraus dann doch noch ein verkappter, wenn auch langsamer Rocker entwickelt. Über allem thront allerdings die Stimme von Patti Scialfa. „Bad For You“ haut danach wieder einen dieser lässigen, kleinen Songs raus, die auf den ersten Blick so unscheinbar wirken, sich nach und nach aber immer mehr entfalten und den Hörer dann auch nicht mehr loslassen. „Run, Run, Run“ lässt sich danach gehen und zeigt eine rockige Seite der Scheibe. Im Vordergrund steht diesmal eher die E-Gitarre, die mit einem simplen, aber recht effektiven Gitarrenthema aufwartet. Der Refrain wird dann von einem ganzen Chor intoniert. „Play It As It Lays“ ist zwar ziemlich zum Schluss der Platte versteckt, überzeugt aber ein weiteres Mal auf ganzer Linie. Sehr schöner Track, der getragen wird von der Erzähl- und Gesangsstimme. Den Abschluss bildet dann das ruhige und nachdenkliche „Black Ladder“ und entlässt den Hörer dann seinen Gedanken nachhängend, bevor eine erneute Runde dieser gelungenen Scheibe im CD-Spieler eingeläutet wird.
Fazit: Auch mit diesem Album weiß Patti Scialfa zu überzeugen. Fans dürften hier sicher voll auf ihre Kosten kommen und rund rum zufrieden und glücklich sein. Freunde traditioneller Musik dürfen hier ebenso bedenkenlos zugreifen.