“Respekt, meine Herren!” ist so ziemlich das erste, das mir zur neuen Platte von Pain of Salvation einfällt, denn mit “Scarsick” dürften die Schweden um Daniel Gildenlöw nicht nur ihr Label Inside Out überrascht haben. Auch viele ihrer langjährigen Fans könnten sie mit der Nummer möglicherweise schwer von der Seite erwischen und es bleibt abzuwarten, wie diese den aktuellen Release aufnehmen werden. Mit viel Mut zur Veränderung lösten sich die Herrschaften nämlich von vielen Trademarks, die diese Truppe bislang ausmachten, und beschreitet musikalisch einige neue Pfade. So könnte z.B. der Opener und Titelsong „Scarsick“ problemlos als ein neuer Rage Against the Machine Track durchgehen, so aggressiv und wütend geht es hier zur Sache und auch das folgende „Spitfall“ klingt so, als hätte man das Studio mit reichlich Wut im Bauch betreten, wobei letztgenannter Titel neben der aggressiven Grundtendenz mit einem sehr schönen Chorus aufwartet. Etwas ruhiger geht es dann mit der Ballade „Cribcaged“ weiter, die mit wunderschönen Harmonien wohlige Wärme verbreitet. „America“ und das folgende „Disco Queen“ dürften wohl mit Abstand die poppigsten Songs auf „Scarsick“ sein, wobei erstgenannter sich textlich satirisch mit Amerika beschäftigt und mit einigen amüsanten Stilelementen aufwartet und letztgenannter eine herrliche Persiflage auf Schwedenpop der Marke ABBA darstellt, ohne diesen allerdings der Lächerlichkeit preiszugeben. In die zweite Halbzeit dieser CD startet das Schwedenquartett mit „Kingdom of Loss“ mit einer weiteren tollen Ballade, bei der es sich durchaus lohnt, sich mit den Lyrics auseinander zu setzen. Mächtig progressiv geht es dann mit „Mrs. Modern Mother Mary“ weiter, das vor allem in den Gesangslinien ziemlich abgefahren ausgefallen ist, einem aber trotzdem sofort locker in die Gehörgänge fließt. Mit „Idiocracy“ könnte sich der Hörer anfänglich etwas schwer tun, aber wenn man sich einmal an die düster-bedrohliche Grundstimmung des Songs gewöhnt hat, kann man hier einige schwer interessante Parts entdecken. Auf ein gewisses orientalisch anmutendes Grundfeeling baut der vorletzte Track „Flame to the Moth“ auf, wobei man sich aber nicht täuschen lassen darf, denn statt verträumt und verspielt auf diesem Fundament auf zu bauen, geht’s hier nach relativ kurzer Zeit ziemlich heftig zur Sache, vor allem in den Passagen wo man sich nicht scheut, kräftige Schrei-Passagen einzubauen. Zum krönenden Abschluss gibt es mit „Enter Rain“ noch einen 10 Minuten Track auf die Ohren, der dem geneigten Hörer wieder einmal die volle Aufmerksamkeit abverlangt, wenn er nichts der gebotenen musikalischen Genialität verpassen will. Fazit: Mit „Scarsick“ werden sich wohl selbst eingefleischte Pain of Salvation Fans anfänglich etwas schwer tun, denn erstens gibt’s hier nicht unbedingt das von den Schweden gewohnte und somit auch erwartete Programm und zweitens braucht man schon etwas Muße, um sich in das Material ordentlich einzuhören. Wenn man sich aber die Zeit und Ruhe nimmt, die dieser Release erfordert, dann wird man definitiv mit einem starken Album belohnt, das dann auch den heimischen Player so schnell nicht mehr verlässt. So ist es zumindest bei mir und deshalb ziehen ich 11½ Punkte!
Rezensionen > Musik
Pain of Salvation: Scarsick TIPP
(Inside Out / SPV)
Autor: Katze / Wertung: 11.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine
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