„Cosita Buena“ ist mittlerweile das vierte Studioalbum von Orishas. Die drei Kubaner sind eine Band wie keine andere auf diesem Planeten. Oder wer noch vereint kubanische Musik wie Son und Bolero so kongenial mit HipHop wie Orishas? Auch im zehnten Jahr ihres Bestehens sind sie immer noch eine Ausnahmeband. Roldán, Ruzzo und Yotuel stammen ursprünglich aus Havanna, lernten sich in Paris kennen und leben heute verstreut über Europa in Madrid, Mailand und Paris. So hat ein jeder der Drei auch einen etwas anderen Blickwinkel und Einfluss und dies spiegelt sich auch in der Musik wieder.
Aufgenommen wurde das neue Album in Madrid und gemischt in Brüssel. „Cosita Buena“ ist aber alles andere als ein europäisches Album. Und trotzdem haben sich Orishas ein Stück geöffnet und ihren Bandsound noch weiter verfeinert und sich etwas von den kubanischen Volksmusikelementen entfernt. Umso erstaunlicher ist es, dass sie ihren eigenen Stil beibehalten konnten und auch auf ihrem vierten Album wie keine andere Band sonst klingen.
Orishas fühlen sich nun auch im Jazz zu Hause. Gleich der Albumopener „Cosita Buena“ ist ein Vorbote dafür. Der Track baut auf einem Jazzsample auf, entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einem kleinen rhythmischen HipHop-Monster. So kann es weitergehen? Tut es aber nicht! Schon „Mani“ schlägt eine andere Richtung ein und kommt mit Akkustikgitarren aus einer völlig anderen Richtung. Mit der Single „Bruja“ betreten sie danach sogar astreine Popgefilde.
Selbstverständlich haben die Orishas immer noch alle Zutaten zu bieten, für die man sie so sehr ins Herz geschlossen hat. Wer eher auf die härteren Beats abfährt, der wird z.B. mit „Machete“ glücklich werden. Die martialischen Beats stehen als Synonym für den Sklavenaufstand im 19. Jhd. gegen die spanische Kolonialherrschaft. „Isi“ und „Guajira“ machen es sich ebenfalls im schnelleren Beatsektor gemütlich und sind durchaus Kandidaten für die Tanzflächen dieser Welt. Eingebettet wird die ganze Geschichte natürlich immer in ein kubanisches Gewand. Sehr konsequent gehen Orishas diesen Weg.
Fazit: Auch mit „Cosita Buena“ festigen Orishas ihren Status als absolute Ausnahmeband in den unendlichen Weiten des HipHop-Genres. Die Drei klingen einfach unvergleichlich. In Anlehnung an den Buena Vista Social Club werden die Orishas anerkennend als Buena Vista Youngster Club bezeichnet. Dies ist sicher ein großes Lob, aber einen Vergleich braucht es überhaupt nicht, da die Orishas einfach unvergleichlich sind. Dies dürfte das Sommeralbum des Jahres 2008 sein – mit gewohnt bissigen Texten. Dies ist HipHop, der weltweit einzigartig ist. Erfrischend, innovativ und speziell! Die traditionellen Elemente der kubanischen Musik machen die Songs zu etwas ganz Besonderem. Zudem hat man es hier auch stimmlich mit Ausnahmetalenten zu tun. „Cosita Buena“ ist die logische Weiterentwicklung des bisherigen Schaffens und davor kann man nur den Hut ziehen!
Eine E-Card gibt es hier:
Also als HipHop würde ich das kaum mehr bezeichnen. Latino Pop mit vielen Einflüssen. A lo Cubano ist für mich das noch immer beste Orishas Album, damals war der Sound einzigartig! heute mit Sicherheit eher für die breite Masse geeignet.
Wie auch immer - die Orishas vermögen es, einen relaxten und zugleich zum sich bewegen animierenden Sound zu produzieren, der in diesem Genre für mich immer noch unerreicht ist.
Kaufenswert!
Comment by Laus — June 4, 2008 @ 12:00 pm