Als Fan hat man es dieser Tage nicht leicht. Ständig hat man das Gefühl irgendwo irgendwie gemolken zu werden. Lohnt sich überhaupt noch der Kauf eines regulären Albums seiner Lieblingscombo am Veröffentlichungstag? Oder sollte man nicht etwa besser noch ein paar Monate warten? Mittlerweile ist es ja gängige Praxis, dass die gerade aktuelle Scheibe erneut in die Läden kommt – diesmal angereichert mit irgendwelchem Bonusmaterial. Für die Leute, die erst später auf den jeweiligen Künstler aufmerksam werrden – nicht selten durch vermehrte Einsätze im Radio – ist das sicher eine feine Geschichte, aber der Fan ist mal wieder der Gelackmeierte und guckt in die Röhre. Natürlich beißt diese Spezies in den saueren Apfel und kauft sich die überarbeitete Version selbstverständlich auch noch – man ist ja schließlich Fan.
Was das alles mit One Republic zu tun hat? Deren Album „Waking Up“ stand ja nun schon pünktlich zum Weihnachtsgeschäft in den Läden und nun – wie könnte es auch anders sein – gibt es auch hier den obligatorischen Nachschlag. Neben sechs bisher unveröffentlichten Tracks dürfte das Fanherz ganz sicher beim hier enthaltenen „Making Of“ ein Stückchen schneller schlagen.
Zur eigentlichen Langrille ist ja längst alles gesagt und man kann davon ausgehen, dass so ziemlich jeder Bundesbürger das grauenhafte „Secrets“ kennt. Til Schweiger hat die Nummer ja für seine Fortsetzungsklamotte von „Keinohrhasen“ verwendet und auch sämtliche Radiostationen haben den Song ganz fest in ihre Herzen, sprich Playlisten, geschlossen. Höhepunkte sind auch nach ein paar Monaten immer noch „Made For You“ und „Everybody Loves Me“. Beides Songs, die man nicht unbedingt von One Republic erwarten konnte. Auch „Lullaby“ überrascht immer noch, da es anscheinend stark von Radiohead inspiriert wurde. Und dann wären auf der ersten CD ja auch noch die beiden neuen Kaufargumente in Form des brüchigen „Sleep“ und des Livestücks „Shout“. Wer bei diesem Titel aufhorcht, der liegt richtig – es handelt sich natürlich um den alten Gassenhauer von Tears For Fears. One Republic hätten davon besser die Finger gelassen.
Die zweite Scheibe eröffnet mit der Pianoballade „Passenger“. Solide im bekannten Bandpopstil und mit einer markanten Gitarrenlinie ist das doch ein recht gefälliger Start. „It´s A Shame“ knüpft nahtlos daran an und aus der Ferne scheint sogar The Edge von U2 zu winken. Unter dem Strich tut dies keinem weh und stört auch nicht sonderlich, wenn es einem aus dem Dudelfunk entgegenplärrt. „Trap Door“ variiert das bisher Gehörte dann ein bisschen und kommt schneller auf den Punkt und etwas mehr aus den Puschen und was Chris Martin kann, kann Ryan Tedder schon lange. Und mit „Behind The Scenes“ gibt es dann auch wieder einen Radiohead-U2-Coldplay-Moment zu vermelden.
Fazit: Über One Republic lässt sich sicher trefflich streiten und das seichte Popgedudel, welches sie stellenweise an den Tag legen, kleistert doch ganz gehörig die Ohren zu. Immer auf Nummer sicher zu gehen und auf den Erfolg zu schielen lässt die Kassen zwar klingeln, aber künstlerisch wertvoller sind andere Dinge und die beherrschen One Republic und Ryan Tedder nämlich auch, wie sie immer wieder unter Beweis stellen. Die zweite CD stellt zum eigentlichen Album sogar noch mal einen deutlichen qualitativen Mehrwert dar! Von daher wird an dieser Stelle auch „Waking Up“ in der Deluxe-Edition besser bewertet! Macht hier und jetzt in der Summe 7 (ursprüngliches Album schnitt im November bei uns mit 6 ab).
