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Oasis: Dig Out Your Soul

(Big Brother/Indigo)

Autor: schlimm / Wertung: 8 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Die neue Oasis Platte hat im Vorfeld schon für so viel Aufsehen gesorgt, dass sich jeder Marketingmanager grinsend die Hände reiben wird. Was eine gewachsene Fangemeinde doch alles auslösen kann. Gerüchte über die Qualität nahmen bald Form an und diejenigen, die schon vorab in den Genuss der neuen Platte kamen, sprachen bisweilen von der besten Oasis-Platte überhaupt. Mittlerweile sind sogar alle Bandmitglieder am Songwritingprozess beteiligt. Die letzte Entscheidungsgewalt liegt freilich immer noch bei Noel Gallagher, trotzdem sehr beachtlich.

Schnell wurde jeder Songfetzen von allen Seiten beleuchtet. Der negative Höhepunkt war dann erreicht, als ein Fan während eines Auftritts in Toronto Noel Gallagher attackierte und dieser dann drei gebrochene Rippen davontrug. Das Konzert auf deutschem Boden im Kölner Gloria musste als Folge daraus erstmal verschoben werden. Positives gab es aber auch noch zu vermelden, denn ab dem 1. Oktober stellten Oasis ihr komplettes Album als Stream bereit.

Warum wird denn überhaupt – auch außerhalb der Hardcore-Fans - um jedes neue Oasis Album ein solches Gedöns gemacht? Warum sind die Erwartungen immer so immens hoch? Ganz einfach, weil die Band mit ihren ersten zwei Platten nicht nur zwei Meilensteine für ein ganzes Genre aufgenommen hat, sondern auch zwei Meisterwerke für die Ewigkeit. Alles was danach kam, konnte man sich zwar immer wieder schönreden, an die Klasse der Anfangstage konnten diese Songs aber nicht mehr anknüpfen.

Als erstes Album überhaupt erscheint diese Scheibe hier nun auf dem bandeigenen Label Big Brother. Sonst halten sich die Neuerungen allerdings erstmal in Grenzen. Als Produzent durfte wieder Dave Sardy mitmischen und auch die Abbey Road Studios waren für Oasis keine Unbekannte. Gut, man hatte sich da mal aufgrund schlechten Benehmens ein Hausverbot eingefangen, aber dieser Umstand konnte nun auch korrigiert werden.

Nun also elf neue Songs von Oasis. Man hat fast ein bisschen Angst „Dig Out Your Soul“ in den Player zu legen. Zu groß scheinen die eigenen Erwartungen zu sein. Zu groß die Angst vor einer Enttäuschung. Alles unbegründet. Die Scheibe hat doch eine Menge zu bieten. Das Dingen groovt und rockt wie lange nicht mehr. Bisweilen klingt das Werk sogar recht experimentell und ziemlich rotzig. Gut so!

Schon der Albumopener „Bag It Up“ zeigt, wohin die Richtung geht – es rockt und rollt und macht ordentlich Appetit auf mehr. Der perfekte Albumeinstieg! „The Turning“ kommt etwas ausgefeilter in den Strophen und der Instrumentierung daher und überzeugt mit einem schönen Pianothema. Piano? Keine Angst, auch die Nummer lärmt wieder sehr schön durch die Prärie und dürfte alle glücklich machen, die Oasis eben für ihre rotzige Attitüde schätzen. Nach hinten raus, wird es sogar noch ein Stückchen psychedelisch, was wiederum die Experimentierfreudigkeit unterstreicht. Bei „Waiting For The Rapture“ denkt am sofort an die White Stripes. Noel empfiehlt denen ja immer den Einsatz eines Basses, wie das dann klingen würde, kann man hier nachhören. Auch die Single „The Shock Of The Lightning“ macht ordentlich Dampf und Betrieb – sehr solide.

Auch Liam durfte sich wieder als Songwriter versuchen. Der Versuch ist mit „I´m Outta Time“ sogar recht gut geglückt. Inspiriert und geschrieben von und für John Lennon ist dies der erste Song der Scheibe, der sich in ruhigen Gefilden bewegt. Dass Noel Gallagher mit der Songauswahl für ein Album und sein musikalisches Gespür über jeden Zweifel erhaben sind, beweist „(Get Off Your) High Horse Lady“. Den Track hätte er nach eigenem Bekunden nämlich nicht ausgewählt. Warum hat er sich hier nicht durchgesetzt? Sphärisch und belanglos plätschert das Stück vor sich hin und ist im Grunde ein Ärgernis. „Falling Down“ ist da schon ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber fällt gegenüber der ersten Albumhälfte deutlich ab. Für „To Be Where There´s Life“ stand wohl George Harrison Pate. Prunkstück dürfte hier wieder der Gesang von Liam sein, der in seiner bekannten Art die Silben wieder sehr schön in die Länge zieht. Anschließend folgt mit „Ain´t Got Nothin´“ eine weitere Nummer, die Noel Gallagher gerne nicht auf dem Album gehabt hätte. Wer diesen uninspirierten Rocker hört, weiß auch warum. Wie es wesentlich besser geht, zeigen sie mit dem bluesigen „The Nature Of Realtiy“ und dem psychedelisch angehauchten Rausschmeißer „Soldier On“.

Fazit: Nein „Dig Out Your Soul“ ist garantiert nicht die beste Scheibe von Oasis und die zweite Albumhälfte fällt gegenüber der ersten bisweilen deutlich ab. Trotzdem ist die Platte in seiner Gesamtheit ein gutes Album geworden. Oasis scheinen über weite Strecken den zuletzt fehlenden Biss wieder gefunden haben. Vieles hier klingt recht frisch, auch wenn sich manche Teile erst nach und nach erschließen. Dies deutet auf ein längeres Haltbarkeitsdatum der Scheibe hin und was gibt es da noch zu meckern? Oasis sind zurück!

http://www.oasisinet.com

 

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