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Nine Inch Nails: Year Zero Tipp

(Interscope/Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher 3 Kommentare

Nine Inch Nails Year Zero Trent Reznor ist mittlerweile zum Großvater in Sachen Industrial Rock geworden, zumindest wenn man mal Revue passieren lässt, was der Mann seit Gründung der Nine Inch Nails im Jahre 1988 alles für dieses Genre in fast zwei Jahrzehnten auf die Beine gestellt hat. Zurückblicken kann er auf fünf Studioalben, die mittlerweile allesamt zu Klassikern zählen. Für den Song „Wish“ wurden NIN mit einem Grammy ausgezeichnet. Unvergessen dürfte auch sein Song „Hurt“ sein, den Johnny Cash mit seiner herzzerreißenden Coverversion noch mal einem ganz neuen Publikum zugänglich gemacht hat. Zudem war Reznor einer der großen Förderer von Marilyn Manson.

Während andere vermutlich vergeblich versuchen Reznor zu kopieren oder Anschluss an sein Schaffen zu halten, ist der Mann schon längst wieder auf der nächsten Ebene. Mit „Year Zero“ gibt es nun das lange erwartete nächste Studioalbum. 16 neue Tracks verteilen sich auf knapp 63 Minuten und sind…Ja was eigentlich? Die Songs zur Apokalypse? Der Soundtrack als letztes Mosaiksteinchen zum Gesamtkunstwerk? Oder ist das Gesamtkunstwerk nur eine ganz große Luftblase und eigentlich nichts anderes als eine groß angelegte Promotionkampagne für „Year Zero“? Fragen über Fragen. Im Grunde spielt das aber auch keine Rolle, denn was zählt ist die Qualität. Und diesmal hat sich der gute Mann neben seinen musikalischen Vorstellungen noch was ganz feines einfallen lassen.

Das vorliegende Werk ist sein bisher politischstes und handelt von seinen Visionen über unsere Zukunft im Jahre 2022. Jede Menge wirre und obskure Verschwörungstheorien hat er dafür entwickelt. Dabei hat er, ähnlich wie einst George Orwell mit 1984, Visionen vom totalen Überwachungsstaat. Wer ist denn da die „Saat des Bösen“? Nun, wenn man Reznor Glauben schenken darf, dann gibt es in den USA ein fundamental religiöse Diktatur. Ein paar Freiheitskämpfer bieten dieser natürlich die Stirn. Als Stilmittel werden dazu nicht (nur) Texte benutzt, sondern es gab überall in der Welt der „Nine Inch Nails“ Hinweise auf das Jahr null. Auf Konzerten durfte der geneigte Zuschauer nach USB-Sticks suchen, Band-Shirts verwiesen mit kryptischen Zeichen auf den Tag X, auf Listening Sessions wurden Buttons verteilt und immer wieder konnte man in der virtuellen Welt des Internets neue Seiten und Verweise dazu finden. Der Fan konnte und kann also voll und ganz in die Welt von Reznor eintauchen.

Wie bereits geschrieben, nützt ja die beste Kampagne nichts, wenn das eigentliche Hauptwerk, nämlich das Album und die Musik, ein Rohrkrepierer wären. An dieser Stelle kann man Reznor und seinen alten Wegbegleitern Atticus Ross und Alan Moulder ein Kompliment aussprechen. Den einfachen Weg sind sie mit „Year Zero“ sicher nicht gegangen, sprich die Sicherheitsnummer und –schiene haben sie hier sicher nicht vertont. Insgesamt klingt das Werk doch recht sperrig. Die Musik will erst erarbeitet werden und erschließt sich nicht sofort. Da täuscht der doch recht gefällige Beginn nach dem Eröffnungsgewitter von „Hyperpower“ mit „The Beginning Of The End“ und der ersten Single „Survivalism“ etwas. Die Nummer erinnert übrigens streckenweise an Faith No More zu „King for a Day, Fool for a Lifetime“ Zeiten. Schon danach wird es mit „The Good Soldier“ ruhig und Reznor schleicht sich schon fast flüsternd in die Gehörgänge. Und dann scheint sie endgültig vorbei, die Eingängigkeit von der letzten Scheibe „With Teeth“. Schwere Synthie-Drums treffen auf sägende Gitarren. Ein Song wie „Vessel“ ist sicher alles, aber garantiert kein Hit und wenn, dann dürfte so eine Nummer ganz sicher nur in irgendeinem Spartenradio stattfinden – und selbst das darf man anzweifeln. In dieser Manier macht dann auch „Me I´m Not“ weiter. Es fiept, es pluckert, es holpert und es rumpelt. „Capital G“ verlässt den eingeschlagenen Pfad nicht wirklich ist aber insgesamt im Refrainteil etwas poppiger ausgefallen und macht sich fast gut als Tanznummer. Mit „My Violent Heart“ klingt die erste Albumhälfte anfänglich sehr ruhig aus, um dann im Refrain zu explodieren. Hier stehen sich die beiden Extreme leise und laut gegenüber oder wahlweise Gut und Böse.

„The Warning“ und „Good Given“ schälen sich düster und bedrohlich aus den Boxen, die Apokalypse steht wohl kurz bevor. Nein, besser wird es nicht mehr, die Welt scheint fast schon verloren. Auch „Meet Your Master“ macht anfänglich keine Hoffnung, bis es dann im großartigen Refrain so was wie Aufbruchsstimmung gibt. Das Teil ist insgesamt sehr eingängig und wird sicher mal als Single ausgekoppelt. Das fast schon instrumentale „The Greater Good“ lässt dem Hörer dann eine kleine Verschnaufpause, ist aber auf Dauer auch etwas nervend und ermüdend. „The Great Destroyer“ liefert danach ein astreines Elektro-Gewitter abseits üblicher Songstrukturen und frei von jeglichen Konventionen. „Another Version Of The Truth“ ist sehr sphärisch und besticht durch einen sehr, sehr ruhigen Grundton. Mit „In This Twilight“ läutet Reznor dann zum großen Finale, welches dann mit „Zero-Sum“ die Platte ruhig ausklingen lässt.

Fazit: Mit „Year Zero“ hat Trent Reznor und seine Nine Inch Nails ein weiteres Kapitel der „Bandgeschichte“ aufgeschlagen. Hiermit beweist er durchaus, dass er auch im Jahre 2007 immer noch relevante Kunst erschaffen kann. Ob dies nun sein bestes Werk ist muss jeder für sich selber beurteilen, für mich bleibt „The Fragile“ unerreicht. Nichtsdestotrotz hat er seinem Gesamtkatalog ein weiteres sehr schönes und in sich stimmiges Album hinzugefügt.

3 Comments »

  1. Diese Platte ist derartig überbewertet, dass ist zum Kotzen. Ich bin jahrelanger NIN-Fan, aber etwas derartig Einfallsloses bin ich von Reznor nicht gewohnt.

    Zudem habe ich von Reznor nicht erwartet, dass er sich auf eine derartig plumpe politische Ebene begibt.

    Mit NIN geht es bergab.

    Comment by Paracelsus — April 18, 2007 @ 10:45 pm

  2. Ich finde “year zero” ist endlich wieder ein cooles NIN-Album. Ähnlich einfallsreich wie “The Downward Spiral” das für mich das beste NIN-Album darstellt.
    Und endlich wieder abgefahrene Stücke die den Standard-Heavy zum kotzen bringen :)
    THX Trent Reznor

    Comment by nochWas — April 28, 2007 @ 4:03 pm

  3. Ich bin ebenfalls langjähriger NIN-Fan und finde “Year Zero” befindet sich keineswegs auf einer plumpen politischen Ebene. Im Gegenteil sogar! Reznor selbst ist gegen plumpe anspielungen gegen Bush und seinesgleichen Regierungsmethoden, wie sie in letzter zeit ja öfter vorkommen. Ich finde er hat das sehr gut rübergebracht, ich bin beeindruckt von dem Album! Es ist etwas anders als die anderen NIN-Werke, aber wer sich mit den Neuigkeiten beschäftigt und dem Hintergrund des Albums im zusammenhang mit der “Performance 2007″ muss meiner ansicht nach einfach beeindruckt sein!
    Reznor selbst hat NICHT vor weiter in die politische richtung zu gehn und der stil des “Year Zero” wird in folgenden NIN-Werken nicht mehr zu finden sein.
    Ich freue mich schon auf weitere Meisterleistungen wie mein lieblings Album “The Fragile”!

    Fazit: Reznor ist einfach Genial!

    Comment by ToughCookie — May 1, 2007 @ 8:17 pm

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