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Nikko Weidemann: Schöne Schmerzen
(BMG Rights Management)


Autor: schlimm / Wertung: 7,5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Nikko WeidemannSchaut man sich den Werdegang und die Vita von Nikko Weidemann an, dann tun sich da Parallelen zu einem deutschen Kollegen auf: Carl Carlton! Musikalisch scheint das auf den ersten Blick nicht so ganz zu passen, aber beide waren zeitlebens rastlos im Sinne der Musik unterwegs und haben sich auch öfters in die zweite Reihe gestellt oder an Projekten gearbeitet, die nicht unbedingt für ein großes Publikum gedacht waren. Die Soloalben von Carl Carlton sind ja bekannt, aber nun traut sich auch Nikko Weidemann aus der Deckung hervor und veröffentlicht unter eigenem Namen sein Werk „Schöne Schmerzen“.

Als Partner holte sich Weidemann mit Christian Neander jemanden ins Boot, der absolut perfekt zu der Scheibe passt. Weidemann trägt seine Songs in deutscher Sprache vor und da ist man natürlich schnell mal in die Schlagerecke gedrängt. Davon sind die zwölf Tracks allerdings weit entfernt und die gute alte Liedermachertradition wird hier eher wieder aus der Versenkung geholt. Weidemann entpuppt sich gar als Chansonier, der ein geschultes Auge für die großen und kleinen Dinge des Lebens hat.

Die Musik ist immer von einer leichten Melancholie umgeben und das Piano das dominierende Element. „Ewigkeit von einem Moment“ hat oberflächlich betrachtet einen fröhlichen Grundton und trotzdem durchweht eine Traurigkeit die Nummer und bevor man sich umsieht hängt man als Hörer seiner Gedankenwelt nach. Die Musik ist hin und wieder luftigleicht, aber eben keine Luftnummer. „Von einigen Leuten“ erinnert sogar an Blur. Überhaupt hat man bei jedem Lied eine andere Assoziation. Mal ist es die Nationalgalerie, dann winken Selig oder Blumfeld von weiter weg und plötzlich fühlt man sich an Wolf Maahn erinnert. Vielleicht ist dies das große Plus der Scheibe, dass vermutlich jeder etwas anderes heraushören wird und letztlich unter dem Stich dann alles nur Nikko Weidemann ist.

Natürlich werden Nörgler „Wann kommst Du vorbei“ als zu seicht ansehen. Muss seicht denn gleichbedeutend mit negativ sein? Ich würde das einfach als schöne Nummer bezeichnen. Sprachliche Haken wie bei „Wie ein Idiot“ sind zudem eine besondere Stärke von „Schöne Schmerzen“. Daumen hoch dafür! Und wer einen so schönen Song wie „Auf den Bus“ schreibt hat sämtliche Anerkennung und Respekt verdient!

Fazit: Nikko Weidemann hat ein schönes, deutschsprachiges Album aufgenommen, welches musikalisch vom Piano beherrscht wird, auf der anderen Seite aber auch auf die Instrumentierung eines Rockschemata setzt. Textlich bewegen die großen und kleinen Dinge des Lebens. In dieser Konstellation ergibt dies ein gutes Werk, welches vermutlich von den ganzen Trendsettern verschmäht werden wird. Bitte genau hinhören!

http://www.myspace.com/nikkoweidemann

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