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Nico: The Frozen Borderline: 1968-1970 Tipp

(Warner/Rhino)

Autor: schlimm / Wertung: 12 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Nico The Frozen Borderline 1968-1970So vielfältig wie das Leben und die Karriere von Christa Päffgen war, so sind auch die Angaben zu und über ihre Person. Wo und wann sie geboren wurde scheint jedenfalls nicht genau bekannt zu sein. Manche sprechen vom Jahre 1938, andere von 1943, mal wird Köln als Geburtsort genannt und dann wieder Budapest. Auch über ihre Familie gibt es widersprüchliche Angaben. Ihre Karriere als Model, Schauspielerin und Sängerin lässt sich allerdings sehr gut nachvollziehen. Bereits im zarten Alter von 16 Jahren wurde sie als Model entdeckt und konnte sich über diese Schiene sogar einen Auftritt in Fellinis Film „La Dolce Vita“ sichern. In Paris schließlich lernte sie dann den Filmemacher Nico Papatakis kennen. Jetzt sollte es bei dem ein oder anderen klingeln, denn dessen Vornamen übernahm sie fortan als ihren eigen Künstlernamen. Nico sollte so ziemlich jedem Musikinteressierten ein Begriff sein.

Andy Wahol machte sie mit Velvet Underground bekannt. Obwohl Nico nie festes Bandmitglied wurde, erlangte deren gemeinsames Werk „Velvet Underground & Nico“ Kultstatus. Die dunkle, androgyne Stimme und ihr deutscher Akzent verliehen den Songs von Reed und Cale diese unverwechselbare morbide Schönheit. Kurzzeitig waren Reed und Nico auch ein Liebespaar. Sie wurde von ihm dann aber aus der Band gedrängt. Christa Päffgen war zu dieser Zeit schon schwer heroinabhängig und sollte diese Sucht auch leider bis zu ihrem Tod 1988 nicht mehr besiegen können.

Der Musik ist Nico mehr oder weniger immer treu geblieben und so hat sie auch solo überzeugen können. „The Frozen Borderline“ ist nun eine fast 40 Jahre alte Werkschau ihres Schaffens. Genauer gesagt handelt es sich dabei um „The Marble Index“ und „Desertstore“ ihre essenziellen Alben für Elektra und Reprise. Da hier Rhino seine Finger im Spiel hat, ist es fast unnötig zu erwähnen, dass die beiden Teile in schicker Optik als Doppel-CD im großformatigen Pappschuber daherkommen. Das Original-Artwork gibt es im Innenleben natürlich auch zu sehen. Das Booklet ist selbstverständlich sehr informativ gestaltet. Sehr fein die ganze Geschichte.

Musikalisch bekommt man hier natürlich auch einiges geboten – sofern man bereit dafür ist. Die Musik von Nico war nie einfach zu konsumieren, zieht einen aber unweigerlich in einen Bann. Wer eine Mischung aus Punk, Gothic, Noise, Ambiente und Chanson hören will, der wird um dieses Werk hier nicht herumkommen. Was Nico seinerzeit musikalisch auf die Beine gestellt hat, mit Hilfe von John Cale, der ihr in Form des Produzenten unter die Arme gegriffen hat, kann fast schon als Geburtsstunde von Gothic(Rock) bezeichnet werden. Angereichert werden die jeweils acht Tracks mit zahlreichen Outtakes, Alternativ-Versionen und Demos und so liegen insgesamt üppige 33 Songs vor und dies in erstklassiger Qualität. Die Outtakes von „The Marble Index“ warten insgesamt mit vier Songs auf und mit „Sagen Die Gelehrten“ und „Nibelungen“ sind auch ihre deutschen Wurzeln vertreten. Für diese (unverstandenen) Songs hat sie seinerzeit in der deutschen Presse mächtig Haue bekommen. Warum, kann man jetzt hier nachhören und im Falle von „Nibelungen“ sogar in der Lang- bzw. Komplettversion. Dazu liegen bis auf „Prelude“ alle(!) Tracks des Albums als alternative Versionen vor. Hörenswert! Die Demos zu „Desertshore“ lassen den Zuhörer wunderschön die Entwicklung der einzelnen Lieder nachvollziehen.

Fazit: Nico war nicht nur an einer der wichtigsten Alben der Musikgeschichte beteiligt, sie hatte auch Solo eine Menge eindrucksvoller Momente für die Welt parat. Nachhören lässt sich dies nun auf „The Frozen Borderline: 1968-1970“. Essenziell für jede Sammlung!

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