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Nick Cave & The Bad Seeds: Dig, Lazarus, Dig!!!
(Mute)


Autor: schlimm / Wertung: 9,5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Der Tausendsassa und Hans Dampf in allen Gassen meldet sich mit seiner Band – den The Bad Seeds – zurück. Der Meister selber war ja nicht wirklich weg, auch wenn das letzte Album mit seiner Hauptband nun auch schon fast gut und gerne vier Jahre auf dem Buckel hat. Gemerkt hat man dies nicht wirklich, weil Nick Cave in der Zwischenzeit umtriebig wie nie war. Wunderschöne Soundtracks hat er zusammen mit seinem kongenialen Partner Warren Ellis aufgenommen und alle, die in den Genuss dieser einzigartigen Musik kamen, mit in eine tieftraurige Klangwelt genommen. Das komplette Gegenteil hat er mit seinem Lärmprojekt Grinderman auf die Beine gestellt, was nicht minder interessant war.

Der Mann ist also alles andere als berechenbar und wer jetzt meint, dass Cave & The Bad Seeds mit „Dig, Lazarus, Dig!!!“ ein melancholisches Album voller Pianoballaden aufgenommen haben, der wird staunen, was es da auf die Lauscher gibt. Grinderman scheint doch noch Nachwirkungen zu zeigen und so überrascht das neuerliche Album durch einen rockigen Ansatz. Bisweilen ist die Scheibe sogar recht minimalistisch in der Instrumentierung ausgefallen. Platz für das geliebte Piano war da nur noch bedingt, dafür kommt die Orgel hier und da zu neuen Ehren und die Gitarren dürfen auch mal lärmen und werden regelrecht von der Leine gelassen. Paradoxerweise hat man das Gefühl, dass dies der Weg ist, den Blixa Bargeld vielleicht gerne mit bestritten hätte – hat er aber nicht. Vor dem geistigen Auge sieht man förmlich wie er sein Nichtkönnen an den fünf Saiten zelebriert.

Der Titeltrack und Albumopener „Dig, Lazarus, Dig!!!“ gibt gleich die Richtung vor. Es quietscht, es scheppert und Cave spricht sich ruhe- und atemlos durch den Song. Ein stampfender Rocksong, der durch eine nonchalante Lässigkeit besticht. „Today´s Lesson“ knüpft daran nahtlos an, allerdings kommt die Nummer schneller auf den Punkt und weiß mit einem großartigen Refrain zu überzeugen. Veredelt wird der Track durch den Einsatz einer Orgel. „Moonland“ ist weniger lärmend und wird von einer starken Rhythmussektion getragen. Das melodische Gitarrenzwischenspiel ist wie das Salz in der Suppe. „Night Of The Lotus Eaters“ ist von der Instrumentierung eher minimalistisch und monoton und verbreitet eine düstere Atmosphäre. Trotzdem nicht gerade die stärkste Nummer der Scheibe. „Albert Goes West“ rockt danach umso mehr durch die Prärie und gefällt mit schönen Whoooho-Chören. „We Call Upon The Author“ ist ähnlich gelagert wie der Titeltrack, allerdings nicht ganz mit dieser Eingängigkeit versehen. Bei der wunderschönen Ballade „Hold On To Yourself“ bekommt die Stimme von Nick Cave den nötigen Freiraum geboten und zeigt, dass der Mann sich keineswegs hinter einer lärmenden Band verstecken muss und immer noch zu einem der Besten mit seinem Organ gehört. Nein, da macht ihm ganz sicher keiner so schnell was vor. „Lie Down Here (And Be My Girl)“ ist ein straighter Rocksong mit angezerrten Gitarren und grölligem Chorus. Auf die komplette Songdistanz wirkt das allerdings auch etwas langatmig und langweilig. Entschädigt wird man als Zuhörer aber dafür mit dem melancholischen „Jesus Of The Moon“ und dem wunderschönen „Midnight Man“. Mit „More News From Nowhere“ reitet die Bande von staubigen Strolchen entspannt dem Sonnenuntergang entgegen. Der Zuhörer freilich beginnt die Irrfahrt von „Dig, Lazarus, Dig!!!“ sicherlich erneut.

Fazit: Angeblich geht Nick Cave ja jeden Tag in sein Büro und schreibt dort Songs. Eigentlich ist es kaum vorstellbar, dass er bei dieser Arbeitsweise derart von der Muse geküsst wird. Ob diese Geschichte, die ja nun seit Jahren kein Geheimnis mehr ist, nun stimmt oder nicht ist ja völlig egal. So lange dabei immer wieder ein solches Ergebnis zustande kommt, kann man nur hoffen, dass Nick Cave noch sehr lange seinem Bürojob nachgeht. Der Mann ist einfach ein Unikum und vom Scheitel bis zur Sohle die Coolness in Person. Seine musikalischen Ergüsse sind allesamt immer noch relevant, innovativ, fordernd und von einer derartigen Qualität, dass es seinen Kollegen schwindelig werden dürfte. Ist „Dig, Lazarus, Dig!!!“ nun das beste Album von Nick Cave & The Bad Seeds? Sicher nicht, aber ein verdammt gutes!

http://www.nickcaveandthebadseeds.com/

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