"Gibt es die immer noch!?", fällt einem bei vielen Bands ein, die seit Jahrzehnten (immer mal wieder) bestehen. Einst Monument und Hitlieferant, hat man sich mit den Jahren in die Belanglosigkeit gedudelt. Zwangsläufigkeit geschieht dies, wenn sich Musiker nicht mehr als Künstler sondern als Malocher sehen, die Musik seelenlos und nur des Geldes willen "geschmiedet" wird.
Auch New Model Army könnten mit ihrer über 25 Jahre währenden Bandgeschichte Opfer dieses Prozesses werden. Monument sind sie gewiss, Hitlieferent ebenfalls unbestritten. Sowohl damals als auch heute kam keine gute Party ohne die Songs 51st State und Vagabonds aus. Lieder wie Stupid questions oder I love the world sind Klassiker, die auch nach all den Jahren nichts von ihrer Kraft und ihrem Glanz verloren haben. Geprägt von ihren musikalischen Wurzeln schaffte es die Band einen Stil aus Punk, Rock und Folk zu entwerfen, der vor allem durch die Stimme von Justin Sullivan vollkommen eigen war.
Diese Qualität haben New Model Army immer noch. Sullivan ist wie eh und je der charismatische Sänger mit den intelligenten Texten. Die Hits von damals sucht man heute aber vergeblich. New Model Army leugnen ihre Herkunft zwar nicht, zeigen sich aber tolerant genug, um auch den Geist der Zeit zu erkennen. Heute klingt die englische Band (für ihre Verhältnisse) recht modern, die Produktion muss schon als glatt bezeichnet werden. Aber ohne der Band jetzt den Vorwurf des Mainstreams zu machen. Es gelingt ihnen halt immer noch, independent und intim, gleichzeitig aber auch massentauglich zu bleiben. Und wenn man heute die Violine bei Songs wie High und All consuming Fire einsetzt, dann klingt dies nicht rau und wild wie in den alten Tagen, sondern mal gelassen und dann wieder dramatisch. Hinzukommen dann auch neue Elemente wie Tribaldrums beim Song One of the chosen, beinahe wie ein Gruß an die Brasilianer Sepultura, da die einst The hunt coverten. Und so findet man dann eine gesunde Balance zwischen ruhigen, entspannten Momenten (High, Dawn, Sky in your eyes) und (brachialen) Gitarrenrock (Bloodsports, Wired). Und liefert ein saustarkes Album ab. Dennoch wird auf Parties sicherlich weiterhin zu den alten Gassenhauern getanzt.