Nach der CD „Live At Fillmore East“ vom November 2006 gibt es nun schon den nächsten Nachschlag aus den Neil Young Archiven. Diesmal handelt es sich mit „Live At Massey Hall“ allerdings um eine sehr intime Angelegenheit. Bei „Fillmore East“ waren noch Crazy Horse mit von der Partie, nun gibt es Young pur zu hören. Die Instrumentierung ist mit Piano oder Gitarre auch dementsprechend auf das Wesentliche reduziert. Aufgenommen wurde das Konzert seinerzeit in seiner kanadischen Heimat am 19. Januar 1971 in Toronto. Zu dieser Zeit befand sich Young auf einem seiner vielen Höhepunkte seines Schaffens. „After The Goldrush“ war noch ganz frisch, Crosby, Stills, Nash & Young feierten große Erfolge und seine Konzerte, egal ob solo oder mit Crazy Horse, fanden allerorten großen Anklang. Ursprünglich sollte die Aufnahme aus der Massey Hall für eine Live-Doppel-LP verwendet werden. Warum und weshalb es dann doch anders kam weiß man heute wohl nicht mehr so genau. Zum Glück findet sie ja jetzt doch noch den Weg zum Zuhörer.
Insgesamt befinden sich 17 Tracks auf dem Silberling. Die Aufmachung ist selbstredend eher schlicht. Pappschuber und ein Beiblatt mit den nötigsten Informationen müssen reichen. Hier braucht es aber auch kein großes Brimborium um von der Musik abzulenken. Der Sound ist wieder richtig, richtig gut. Das Publikum lauscht andächtig dem Meister um nach jedem Song dem Dargebotenen euphorisch Beifall zu zollen. Es war ja auch ein historischer Tag im Winter 71. Die damals Anwesenden durften quasi ein Stück Neil Young Geschichte erleben, denn das Publikum kam in den unglaublichen Genuss eines Showcases. Young stellte neue Songs vor, die heute durchaus als Klassiker seines umfangreichen Backkatalogs gelten. Anstatt dieses Live-Album zu veröffentlichen ging er nämlich ins Studio und nahm u.a. Songs des Konzertes auf. Herausgekommen ist dann „Harvest“ und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. „A Man Needs A Maid“, „Old Man“ oder „The Needle And The Damage Done“ braucht man nicht mehr vorzustellen, diese Manifeste sind wie in Stein gemeißelt.
Was bei den knapp 70 Minuten noch auffällt, dass hier die Songs erklärt werden. Neil Young spricht mit seinem Publikum und so erfährt man doch den ein oder anderen Hintergrund. Heute läuft so was ja gerne mal unter der Rubrik „Storytelling“. Aber nicht nur der Inhalt wird einem näher gebracht, sondern man erfährt auch, wo und wie er seine einzelnen Stücke schrieb. Dies alleine würde schon den Kauf dieses Albums rechtfertigen. Aber auch sonst ist dies in jeder Hinsicht eine Pflichtanschaffung. Der geneigte Hörer bekommt nämlich auch zum Teil noch unfertige Stücke wie „Damage“ geboten, welches recht abrupt endet. Auch „Heart Of Gold“ scheint alles andere als ausgereift. Eingerahmt werden die neuen Songs von bereits bekanntem Material.
Fazit: „Live At Massey Hall“ gehört in eine jede anständige Neil Young Sammlung. Neben der historischen Bedeutung ist der Vortrag nicht nur glasklar, sondern auch vom Sound eine absolut gelungene Geschichte. Essenziell! Sollte es qualitativ in dieser Art und Weise weitergehen, dann darf man sich schon jetzt auf zukünftige Veröffentlichungen des Neil Young Archivs freuen.