Neil Young hatte in die Arena Oberhausen geladen und ein paar seiner Anhänger sind dem Ruf des Meisters gefolgt um sich mal wieder die Gehörgänge von links auf rechts drehen zu lassen. Es wurde ein Abend, der noch sehr lange im Gedächtnis nachhallen wird und in vielerlei Hinsicht sehr bemerkenswert war. Leider war das Wetter alles andere als gut und dementsprechend drängte die wartende Menge auch schnell ins Innere der Arena. Hier zahlte sich dann aus, dass der Publikumszuspruch insgesamt leider eher enttäuschend war. So blieben im weiteren Verlaufe des Abends die Oberränge komplett leer und insgesamt war die Halle vielleicht gut zur Hälfte gefüllt. Zum Publikum aber später mehr…
Bevor der mittlerweile 62-jährige Kanadier die Bühne samt musikalischer Gefolgschaft betrat und für manche offene Münder sorgte, gab es mit The Hives eine Vorband, die ebenfalls sehr sehenswert war. Die schwedische Gruppe, die sich gerne selber als die „beste Band“ der Welt bezeichnet, mühte sich dann auch redlich etwas Stimmung in den lahmen Laden zu bringen. Die meisten Leute nahmen das Dargebotene allerdings eher regungslos zur Kenntnis oder hatten ein großes Fragezeichen über dem Kopf. Pelle Almqvist unternahm zwar einige Versuche, mit dem Publikum in Kontakt zu treten, aber meist fiel die Reaktion darauf doch sehr verhalten aus. Egal, es wurde gerockt, was die Instrumente hergaben. The Hives legten ein sehr solides Set hin und konnten auch vollends überzeugen, wenn auch nicht das Publikum vor Ort. Aber das Publikum vor Ort ist wiederum eine ganz andere Geschichte…
Denn auch ein grandios aufspielender Neil Young und Band erzeugten nur verhaltene Begeisterungsstürme. Wer die Konzerte des alten Grantlers Young etwas verfolgt, der wird wissen, dass es schon eine Seltenheit ist, dass der Meister versucht die Meute zu animieren. So verhallten schließlich seine fast schon hilflosen und zum Teil wütenden Versuche „C´mon, C´mon, C´mon“ ungehört. Woran das lag? Da kann man sicher die verschiedensten Theorien aufstellen. Die große Mehrzweckhalle kann eigentlich nicht der Grund sein, denn gerade diese Arena hat schon Konzerte erlebt, wo das Dach fast weggeflogen ist (u.a. Neil Young & Crazy Horse im Jahre 2001, wo wirklich die Bude brannte). Vielleicht sollte so mancher Star seine Preispolitik überdenken. Mittlerweile sind die Ticketpreise - gerade bei den Megastars - in exorbitante Höhen geschossen und der gemeine Fan mit dem schmalen Geldbeutel bleibt dann außen vor. Mit einem Gläschen Sekt lässt sich halt schlecht abrocken.
Als kleine Randnotiz durfte man ebenfalls zur Kenntnis nehmen, dass einige Damen offensichtlich nur als nette Staffage für ihre Männer mitgekommen waren. Ein Neil Young Konzert ist aber eben kein Ort für kuscheliges Zusammensein und wenn dann nur „Heart Of Gold“ bekannt ist, dann kann es schon mal einige ungläubige Blicke geben. Die ein oder andere Dame wähnte sich dann vermeintlich auch eher in der Oper und als sich dann Neil Young durch sein Set wie eine wild gewordene Büffelherde rockte und lärmte, dass einem eigentlich Tränen des Glücks in den Augen stehen mussten, stand dem ein oder anderen Konzertbesucher die nackte Panik ins Gesicht geschrieben. Entschuldigung, aber man muss es so deutlich sagen, eine grandios aufspielende Band, mit einem entfesselten Neil Young an der Spitze, traf auf das schlechteste Publikum, was man sich bei einem Konzert vorstellen kann. Und nein, nein, nein, dies lag ausdrücklich nicht am Künstler!!! Bitter!
Neil Young live ist immer noch ein Ereignis. Ohne den Anflug einer Peinlichkeit prescht der ältere Herr durch ein Set, dass einem als Zuschauer die Spuke wegbleibt. Eine unglaubliche Energie, die der Mann immer noch hat. Ein unbezahlbares Charisma und eine Aura umgibt diesen Monolithen der Rockmusik, dass man fast nur in Ehrfurcht erstarren kann.
Los ging das Konzert erwartungsgemäß mit einer donnernden, aber nicht ausufernden Version von „Love And Only Love“. Mit „Hey Hey, My My (Out Of The Blue)“ gab es direkt zu Beginn einen dieser vielen Klassiker aus dem umfangreichen Backkatalog zu hören. Schon hier zeigte sich auf eindrucksvolle Art und Weise, dass jede hoch gelobte Rettung des Rock von Neil Young locker an die Wand gespielt und auf die Plätze verwiesen wird. Beeindruckend! Mit dem anschließenden „Time Fades Away“ dürften sich so manche Fanträume erfüllt haben und „Everybody Knows This Is Nowhere“ darf man ja ebenfalls getrost zu einem Höhepunkt eines jeden Neil Young Konzertes zählen. Sein letztes Album „Chrome Dreams II“ lies Young auch nicht außen vor und so wurde daraus „Spirit Road“ dargeboten. „Fuckin´ Up“ wurde selbstredend ebenfalls sehr druckvoll gespielt und passte an diesem Abend wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Auch die mit viel Platz für ausufernde Soli vorgetragene Version von „All Along The Watchtower“ überzeugte.
Neben dem lärmenden, die Gitarre malträtierenden Young gibt es noch eine zweite, musikalische Seite – im weitesten Sinne den guten alten Folksänger in der Singer/Songwriter Tradition. „Oh Lonesome Me“ läutete dann ein Akustikset ein und nachdem sich Young an seinem großen Nostalgieventilator etwas Abkühlung geholte hatte, trug er das fast schon kirchliche „Mother Earth“ wie ein Gebet vor. „The Needle and The Damage Done“, „Unknown Legend“ und „Heart Of Gold“ einten dann kurze Zeit das Publikum, bevor Young zum finalen Rundumschlag ausholte. Dies mündete dann in einer über 20-minütigen Jamsession bei „No Hidden Path“, welches auf seinem aktuellen Album auch schon über 14 Minuten ausgedehnt wird. Nach über zwei Stunden beendete dann „A Day In The Life“ den Abend.
Fazit: Kurz und bündig: Schlechtes Publikum, toll aufspielende Band, mit einem grandiosen Neil Young! Sehenswert und für jeden Musikliebhaber immer wieder ein Muss! Leider gab es davon an diesem Abend vor Ort zu Wenige! Entschuldigung Neil!
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Sehr schönes Review Herr Nachbar..und sehr treffend!
Am Neil hat die anhaltende Leichenstarre bei vielen Fans auf gar keinen Fall gelegen..der hat gerockt und alles gegeben:)Sensationell!!
Viele Grüße
Comment by Leana — July 11, 2008 @ 8:42 am