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Necrophobia: Die besten Horrorgeschichten der Welt (2) TIPP

(LPL Records)

Autor: DJ / Wertung: 10.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Necrophobia - Die besten Horrorgeschichten der Welt (2)Einiges an Zeit gelassen hat man sich mit dem zweiten Teil der Necrophobia-Serie des Labels LPL Records. Begrüßenswert, denn nach dem ersten Teil ist diesmal eine deutliche Steigerung zu erkennen. Sowohl von Seiten der Sprecher, als auch bei den Geschichten. Den ‚Kracher’ hat man sich hier allerdings für den Schluss, s.h. für die zweite Seite aufgehoben. Vorwegnehmend kann man sagen, dass sowohl die Geschichte Summertime von S.P. Somtow an sich, als auch erneut die beeindruckende Leistung von Thorsten Michaelis alleine einen Kauf dieser Geschichtensammlung für Horrorfreunde erzwingt.

Den Anfang macht allerdings eine etwas andere Geschichte. Die Stimme in der Nacht aus der Feder von William Hope Hodgson und vorgetragen von Helmut Krauss ist eine düstere, traurig-poetische Erzählung, deren Binnenerzählung von großer Liebe, aber auch von großem Leid erzählt, die Geschichte von einem Mann und seiner Frau, die nach einem Schiffsbruch auf einer einsamen Insel stranden, auf der ein merkwürdiger Pilz wuchert, der vor nichts Halt macht. Auch nicht vor den Gestrandeten. Kern von William Hope Hodgsons Erzählung ist nicht unbedingt der Horror über den mysteriösen Pilz, der Leben verschlingt und neues Leben schafft, sondern das Ertragen der Qualen, welchen das junge Paar ausgesetzt sind. Und die sie durch ihre gegenseitige Liebe erdulden, um andere Menschen vor dieser Plage zu schützen.

Bösartig, aber auch mit skurriler Komik versehen kommt die zweite Geschichte von Kim Newman daher. Der Mann, der Clive Barker sammelte beschreibt die fanatische und krankhafte Sammelleidenschaft eines Mannes, dessen sexueller Fetisch das Anhäufen von Pulp Horror Romanen ist. Besonders die Werke von Clive Barker haben es ihm angetan. Und so zeigt er einer interessierten Bekanntschaft seine Sammlung Clive Barker Bücher, deren Seiten nicht nur aus Papier und deren Erzählungen nicht nur mit Tinte geschrieben worden. Auch wenn die Reise durch die ausfallende Sammlung recht lang ist, entschädigt nicht nur das bissige Ende sondern auch der engagierte Vortrag von LPL-Neuling Marianne Groß.

Lutz Riedel hat im Rahmen von Necrophobia 2 nur einen kurzen Auftritt. Die von ihm gelesene Kurzgeschichte Rettungslos aus dem Jahre 1903 vom Autor Paul Busson widmet sich der Thematik ‚Lebendig Begraben’. Neue Aspekte kann die sehr kurze Erzählung allerdings nicht aufweisen und scheint mir mehr die Funktion eines Lückenfüllers zugewiesen bekommen zu haben.

Beinahe schon obligatorisch beginnt die zweite Seite mit einem Klassiker aus dem Lovecraft Kosmos. Von Kritikern als autobiographisch bewertet erzählt die Geschichte aus der Sicht des Protagonisten von dessen Flucht aus einem alten Gemäuer, seinem Eintritt in die Zivilisation und der Erkenntnis, wer er wirklich ist. Ausgestattet mit einem pointenreichen Schluss, der lovecraftschen Stilistik und der Möglichkeit, interpretierend das Selbstbildnis des Autor in der Erzählung zu entdecken gehört Der Außenseiter sicherlich mit zu den wertvollsten Geschichten des Altmeisters der Phantastischen Literatur. Und David Nathan, der schon beim Cthulhu Mythos H.P. Lovecraft seine Stimme lieh, zeichnet auch diesmal mit seiner Darbietung ein morbides Bild der Fiktion Lovecrafts.

Den Kracher hat sich Lars Peter Lueg allerdings bis zum Schluss aufgehoben. S. P. Somtows Summertime erinnert von der Thematik ein wenig an den Film Dämonisch. Besessen von dem Glauben, von Gott gesandt worden zu sein, um die Hure Babylon von Erden zu vertreiben, machen ein Vater und sein Sohn unter dem Begriff ‚Fischen’ Jagd auf Prostituierte in den Südstaaten Amerikas. Potentielle Huren werden von dem Sohn in eine Falle gelockt und vom Vater schließlich im Rahmen einer Predigt solange gefoltert, bis sie sich freiwillig dem Tod hingeben. Blind folgt der Sohn den perversen Spielen seines Vaters, bis er zum Ende der Geschichte die Wahrheit über seine eigene Existenz erfährt.
Somtows Erzählung ist harter Tobak. Was anfängt wie ein idyllischer Familienurlaub entpuppt sich als Trip durch perverse Gläubigkeit und krankhaften Fanatismus. Die tote Großmutter, die einst von ihrem eigenen Sohn erschlagen wurde, im Gepäck ‚fischen’ Vater und Sohn sich durch den Süden der USA. Die detailliert beschriebene Folterung des ersten Opfers gehört mit zum Brutalsten, was ich je gelesen bzw. vorgelesen bekommen habe. Wer damit allerdings keine Probleme hat, bekommt einen interessanten psychologischen Thriller geboten, der zu keiner Sekunde Länge besitzt. Und das verdankt die Erzählung nicht zuletzt dem wieder einmal unglaublich intensiven Thorsten Michaelis, der durch seinen eigenwilligen Ausdruck die facettenreiche Geschichte in allen Farben auszumalen versteht. Einfach grandios.

Auch wenn bei Necrophobia 2 ebenso wie beim ersten Teil Schwankungen in der Qualität auszumachen sind, so bietet sich doch ein wesentlich geschlossener Gesamteindruck. Vor allem aber möchte ich von Thorsten Michaelis mehr vorgelesen bekommen und von Somtow lesen. Insgesamt darf als Fazit nur eine klare Kaufempfehlung für Genre-Freunde stehen!

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