Es grenzt fast schon an ein Wunder, dass es überhaupt ein neues Album von Nada Surf gibt. Was hat die Band nicht schon alles mit Plattenfirmen erlebt? Irrungen und Wirrungen hat es über die Jahre jedenfalls genug gegeben, die jetzt hier alle aufzuführen würde wahrscheinlich nicht nur den vorhandenen Platz sprengen, sondern ließe sich vermutlich auch nicht so einfach rekonstruieren. Mit City Slang haben Nada Surf jedenfalls wieder einen Partner, der ihnen auch die nötige künstlerische Freiheit gelassen hat. Respekt, dass sich die Gruppe nicht hat unterkriegen lassen und mit „Lucky“ nun ein neues Album vorlegt.
„Lucky“ wird begeistern, aber ebenso auch hier und da für lange Gesichter und Enttäuschungen sorgen. Elf Songs versammeln sich auf dem neuerlichen Werk. Elf Songs irgendwo zwischen genialem Pop und wunderschönen Melodien, aber auch elf Songs zwischen Bieder- und Belanglosigkeit. Vieles auf dieser Platte wird den Hörer schon beim ersten Durchlauf packen. Trotzdem gibt es hier eine ganze Menge zu entdecken und ganz viele kleine Dinge, die zu Beginn nicht auffallen, entfalten sich erst nach und nach und so entpuppt sich „Lucky“ dann doch immer mehr als schöner Schmetterling. Die Zeit muss man sich einfach für die Scheibe nehmen. Gut gemachte Musik ist halt nicht nur ein Gebrauchskonsumgut, sondern verlangt die volle Aufmerksamkeit des Hörers. Paradox dürfte allerdings sein, dass sich „Lucky“ ebenso zur Berieselung im Hintergrund eignet.
Die erste Hälfte der neuen Nada Surf Scheibe ist Indiepopmusik, wie sie besser nicht sein könnte. Schöne, eingängige Melodien, die immer mit einer Portion Melancholie versehen sind und trotzdem weit davon entfernt sind in das Formatradio zu passen. „See These Bones“ ist ein saustarker Einstieg und Opener und hat alle Zutaten, die einen guten Nada Surf Song ausmachen. „Whose Authority“ steht dem in nichts nach, kommt aber eine Spur positiver daher. „Beautiful Beat“ bietet dann endgültig die Wende zum Positiven und lässt mit seiner beschwingten Melodie den Schnee schmelzen und die Sonne aufgehen. „Here Goes Something“ ist nett, aber insgesamt hat man da wohl zu viel, bei einer gewissen Band aus Liverpool hingehört. „Weightless“ ist dafür wieder ein ganzes Stück eigenständiger und hat nicht nur viel Abwechslung im Tempo zu bieten, sondern auch von der Stimmung. Der Track muss definitiv ganz oft gehört werden, der entwickelt sich mit der Zeit zu einem Ohrwurm. Ruhig klingt die erste Seite dann mit „Are You Lightining“ aus.
Auch wenn „I Like What You Say“ eine sehr schöne Popnummer ist, die sicher auch das Zeug hat in der Indiedisco nebenan rauf- und runtergespielt zu werden, fällt die zweite Albumhälfte doch deutlich gegenüber der ersten ab. Auch „From Now On“ ist eine eher schnelle und gefällig Nummer, im Grunde aber verzichtbar. „Ice On The Wing“ knüpft daran nahtlos an. Die Bläsersektion zum Schluss mag ja ein netter Spaß sein, ist aber alles in allem eher nervig. „The Fox“ plätschert dann ohne rechtes Ziel dahin, bevor das Album mit „The Film Did Not Go Round“ noch die Kurve bekommt und sehr schön ausklingt.
Fazit: Entweder soll uns Nada Surf mit „Lucky“ aus dem tristen Februargrau herausholen oder die Scheibe ist schlicht und ergreifend zur falschen Jahreszeit erschienen. Die Songs bitte noch mal im Sommer hören, da könnte dieses Album schon wieder ganz anders zur Geltung kommen. Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass Nada Surf auch heute noch absolut ihre Berechtigung im Indiepopgeschehen haben. „Lucky“ ist sicherlich kein Überalbum hat aber sehr viele schöne Momente zu bieten und ragt hier und da sicherlich auch aus der breiten Masse heraus. Da sind die paar Durchhänger auch ganz gut zu verkraften. Bitte der Scheibe auch Zeit geben, denn manche Dinge und Ideen hier brauchen diese einfach und entwickeln sich erst nach mehrmaligen Durchläufen. Bleibt zu hoffen, dass Nada Surf mit City Slang endlich eine Heimat gefunden haben, denn in dieser Form darf die Band gerne öfters die Menschheit mit einem Album beglücken!