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Muse: The Resistance
(Warner)


Autor: schlimm / Wertung: 7,5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

MuseDas neue Album von Muse wird mal wieder die Lager spalten. „The Resistance“ ist musikalisch genau so bunt geraten wie das Cover schon vermuten lässt. Ein großer Gemischtwarenladen wurde da in Norditalien durch den Fleischwolf gedreht. Nach eigenem Bekunden gab es bei dieser Scheibe keinerlei Zeitdruck und genau dies hört man jeder einzelnen Sekunde an. Spontan ist eben nicht die Arbeitsweise von Muse und ganz besonders von Herrn Bellamy, nein, hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt.

Die Frage ist sowieso, was man von einer Band wie Muse erwartet? Erwarte das Unerwartete ist die beste Devise, denn Muse nutzen die gesamte Breite des Musikspielfelds. Warum auch nicht? Es wird doch immer nach Innovation, Veränderung und Weiterentwicklung geschrien. Muse vereinen all´ dies auf sich, Stillstand gibt es nicht.

„The Resistance“ vermittelt zum Teil den Eindruck, als hätten die Drei einfach mal verschiedene musikalische Zutaten in den Mixer geschmissen um zu sehen, was unten dann rauskommt. Man sieht förmlich die strahlenden kleinen Jungengesichter, die sich über ihr Experiment freuen, vor sich.

Ich muss gestehen, dass ich bei aller Bewunderung für diese Vorgehensweise mittlerweile nicht mehr ganz so von der Musik gepackt werde wie noch zu Beginn ihrer Karriere. Mir sind auf „The Resistance“ eindeutig viel zu viele 80er Jahre Anleihen verwurstelt worden. Hinzu kommt der fürchterliche Bezug zu Queen und neuerdings auch eine immer stärker vortretende Vorliebe für Timbaland-Beats.

Mit „Uprising“ beginnt die Scheibe dann auch wie ein Mischmasch aus all´ diesen Zutaten und ist musikalische sogar recht nahe bei Marilyn Manson angelehnt (kein Witz). „Resistance“ hingegen schlägt eine Brücke von den Anfängen bis ins Hier und Jetzt. Sphärische Klänge geben sich mit treibenden Beats und einer hymnenhaften Melodie die Klinke in die Hand. Bei „Undisclosed Desires“ betreten Muse Neuland, da Matt hier weder Gitarre noch Piano spielt, dafür aber ein fetter Slap-Bass von Chris Wolstenholme zum Einsatz kommt. „United States Of Eurasia“ ist dann Queen-Bombast in Reinkultur – fürchterlich. Da hilft es auch nicht, dass Chopin ebenfalls noch kurz verbraten wurde. „Guiding Light“ klingt wie ein neuzeitliches „Can´t Help Fallin´ In Love“ mit Brian May-Gedenkgitarre. Dann lieber ein Brecher vom Format wie „Unnatural Selection“. Die vielen Wendungen sind absolut hörenswert arrangiert und in Szene gesetzt worden – bombastisch gut! Eine Überraschung ist für mich auch das beschwingte „I Belong To You“ wo aus der Oper „Samson und Deliah“ zitiert wird. Danach wird es dann allerdings etwas zu anstrengend und Bellamy verzettelt sich beim symphonischen Dreiteiler „Exogenesis“ zu oft, da helfen auch die schönen Streicherarrangements nicht immer. Sehr ambitioniert und in den besten Moment unterstreicht „Exogenesis“ das Genie von Matt Bellamy, der Wahnsinn ist freilich nicht weit.

Fazit: Mit „The Resistance“ schlagen Muse ein weiteres Kapitel in ihrem eigenen Kosmos auf. Die Vielseitigkeit ist schon beeindruckend, allerdings wünscht man sich dann hin und wieder doch etwas mehr Muse und weniger Queen. Ambitionierte Kunst, die manchmal schmerzt, auf der anderen Seite auch wunderschön sein kann. Nicht (mehr) jedermanns Sache…

http://muse.mu/

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