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Morten Harket: Letter From Egypt

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 7 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Morten Harket wandelt mal wieder auf Solopfaden. Mittlerweile hat die kleine Perle „Wild Seed“ nun auch schon das ein oder andere Jährchen auf dem Buckel. Erschienen ist dieses Werk im Jahre 1995. Mit „Letter From Egypt“ steht also der Nachfolger bereit. Von einem astreinen Nachfolger kann man hier wohl in der Tat sprechen, denn diese Songs spukten ihm schon seit 1995 im Kopf herum. Eigentlich wäre „Letter From Egypt“ schon zehn Jahre früher erschienen, doch dann gab es eine andere Wendung im Leben von Morten Harket. Die Reunion von a-ha funkte dazwischen und so wurden die Pläne für ein weiteres Soloalbum wieder verworfen und die Songs verschwanden in der Schublade. In Vergessenheit sind sie freilich nicht geraten.

Nach acht sehr erfolgreichen Jahren mit dem a-ha-Revival nahm er dann das unfertige Projekt wieder auf und fügte neues Material hinzu, das aus seiner fortwährenden Zusammenarbeit mit seinem Freund, dem norwegischen Poeten Ole Sverre Olsen, stammte. Der Albumtitel ist freilich nicht nur so gewählt, sondern Teile des Songzyklus sind wirklich dort komponiert worden. Im Grunde hätte der gute Morten Egypt aber auch durch World ersetzen können, da die Scheibe auf drei verschiedenen Kontinenten und einer stattlichen Anzahl von Ländern im Grundgerüst entstanden ist.

Morten Harket ist ja ein höchst spiritueller Mensch. Dieser Aspekt blitzt natürlich auch auf dem vorliegenden Album an allen Ecken und Enden durch. Er selber sagt, dass Teile davon eine Art von Trost spenden sollen. Trost ist ja nicht gerade der erste Gedanke, den man in Verbindung mit Morten Harket hat. Der Mann steht ja oftmals gerade für die traurigen und melancholischen Zwischentöne.

„Letter From Egypt“ hat im Grunde nur bedingt was mit seiner Hauptband gemein. Im Unklaren lässt einen die Scheibe freilich nicht, da Morten Harket mit einer Stimme von höchstem Widererkennungswert gesegnet ist. Die Musik ist trotzdem anders. Wer auf chartstauglichen Pop hofft, der wird hier ein langes Gesicht machen. Das Album ist bisweilen doch eher spärlich instrumentiert und bewegt sich hin und wieder in Singer/Songwriter-Gefilden. Die Stimmung, die hier verbreitet wird, ist wieder mit dieser latenten Traurigkeit durchzogen. Morten Harket badet gerne und viel im großen Fass der Melancholie und der nachdenklichen Töne. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben, denn die Songs ähneln sich doch sehr stark und ein rechter Stimmungsbogen wird nicht aufgebaut oder verflacht zu schnell und dann wirkt die ganze Geschichte nur noch austauschbar und langweilig. Aber auch nur dann.

Denn auf der anderen Seite gibt es hier natürlich auch den einen oder anderen Track zu entdecken. Träumereien sind nun mal die große Stärke von Morten Harket und träumerische Musik gibt es definitiv auf „Letter From Egypt“. Eine entspannende Wirkung stellt sich sogar ebenfalls ein.

Der Albumopener „Darkspace“ erinnert an einen ganz großen, kleinen Mann – Keith Caputo. Die Nummer ist mal wieder ein unheimlicher Ohrwurm. Danach wird es mit „Send Me An Angel“ rockig. Der Bass treibt den Song regelrecht nach vorne und atmosphärisch ist der Aufbau nicht nur spannend, sondern auch sehr gelungen. Danach gibt es einen kleinen Stilbruch und die Scheibe schippert in ruhige Gefilde. „We´ll Never Speak Again“ kommt mit einer positiven Grundstimmung sogar dem Trost spenden Ansatz sehr nahe. Schöne Nummer! „There Are Many Ways To Die“ kann mit einer exzellenten Melodie punkten und überzeugt auch mit der Instrumentierung. Die Produktion ist im Übrigen, wie auf der gesamten Scheibe, sehr gut. Noch eine Spur ruhiger wird es anschließend mit „With You – With Me“. Hier schrammt Morten Harket allerdings auch haarscharf am Kitsch vorbei. In der richtigen Stimmung wird man den Song in den Abendstunden aber auch gerne mal auf repeat stellen. Die erste Albumhälfte beendet dann „Letter From Egypt“ noch spärlicher. Eine gewisse Lagerfeuerromantik stellt sich ein.

Auch die zweite Albumhälfte beginnt mit „A Name Is A Name“ sehr ruhig. Hier hätte durchaus mal wieder eine Uptempo-Nummer nicht geschadet. Dafür kann die Coverversion „Movies“ mit einem wunderschönen Refrain punkten. „Slanted Floor“ knüpft ebenfalls an das Singer und Songwriter Thema an. Nett, aber auch austauschbar. Der Spannungsbogen wird mit „Anyone“ und „Should The Rain Fall“ ebenfalls nicht geändert. Trotzdem sind die Songs, jeder für sich gesehen, schon überzeugend, in der Summe gesehen allerdings etwas langweilig und da ist auch „The One You Are“ keine Ausnahme.

Fazit: Mit „Letter From Egypt“ hat Morten Harket einige großartige Songs der Welt geschenkt, allerdings kein großartiges Album. Jede Nummer hat hier absolut ihre Daseinsberechtigung verdient. Was der Scheibe allerdings fehlt, sind ein paar Spannungsbögen. In der Summe macht das ein sehr solides Werk mit herausragenden Momenten.

http://www.letterfromegypt.de/

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