Miles Davis war einer der ganz Großen seiner Zunft. Der Mann blies die Trompete wie kein zweiter Jazz-Musiker und war ab Mitte der 60er sicher einer der Vorreiter für dieses Genre. Sein Stil war nicht nur bahnbrechend sondern schon regelrecht revolutionär. Das Quintett um Wayne Shorter und Herbie Hancock ist sicherlich auch unvergessen. Aber auch später noch konnte er hier und da Akzente setzen. Zeugnis von seinen späten Jahren gibt es nun mit „The Warner Bros. Sessions 1985-1991“.Diese Zeit zählt unter Fans und Kritikern nicht unbedingt zu den geliebten musikalischen Phasen von Miles Davis. Gerade die Zusammenarbeit mit dem Bassisten Marcus Miller ist nicht immer auf große Gegenliebe gestoßen.
Mehr oder weniger chronologisch wird hier vorgegangen. Die Songs aus der „Tutu“ und Amandla“ Ära stellen sicherlich Höhepunkte dar. Die Electro-Funk Elemente kommen hier in besonderer Weise zum Tragen. Marcus Miller kommt dabei eine ganz besondere Rolle zu. Auch sehr schön nachzuhören bei „Siesta/Kitt´s Kiss/Lost in Madrid Partt II.. Sequenzer wurden zu dieser Zeit auch recht häufig verwendet, was der Musik von Davis zumindest ein neues Gesicht verpasst hat. Da Davis immer offen für sämtliche musikalische Richtungen war, hat er sich auch Elemente des Hip-Hop und der Sampletechnik zu eigen gemacht. Beste Beispiele dafür sind „Mystery“ und „Chocolate Chip“. Trotzdem hat er das eher traditionelle Jazz-Gewand nie aus den Augen verloren, davon zeugt z.B. „Trumpet Cleaning“. Was für ein großartiger Livemusiker Davis war, stellen „The Pan Piper“ und „Summertime“ eindrucksvoll unter Beweis. Beide Aufnahmen stammen vom Jazz-Festival in Montreux, wo er mit Quincy Jones zusammengearbeitet hat. Zum Schluss gibt es drei Stücke, die er mit seiner letzten Band aufgenommen hat. Auch vor Popmusik hatte Davis keine Berührungsängste und so darf man noch mal seiner wunderbaren, fast zehnminütigen Interpretation des Cindy Lauper Hits „Time After Time“ lauschen.
Fazit: Auch wenn Miles Davis in der Spätphase seiner Karriere den Jazz nicht (mehr) revolutionierte, so war er doch immer offen für Neuerungen in seinem Spiel und seinem Sound. Auch dieser musikalische Abschnitt seines Schaffens ist äußerst interessant und mit Sicherheit nicht annähernd so schlecht, wie ihn manche gerne machen. Davon kann man sich nun auf der vorliegenden CD selber ein Bild machen. Der Titel „The Very Best Of“ ist natürlich mal wieder falsch gewählt, da dies sicher etwas irreführend ist. Trotzdem eine sehr schöne Zusammenstellung, die auch von der Aufmachung und den Liner Notes zu überzeugen weiß!