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Mick Jagger: The Very Best Of

(Warner)

Autor: schlimm / Wertung: 8 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher 1 Kommentar

Mick Jagger The Very Best OfDen Mann muss man hoffentlich nicht weiter vorstellen. Wer mit dem Namen Mick Jagger nichts anfangen kann, der hat vermutlich die kompletten letzten (gefühlten) 100 Jahre verschlafen. Der Sänger der Rolling Stones ist der gelebte Rock and Roll, eine Identifikationsfigur und einer der Geburtshelfer des Rock. Wie nur ganz, ganz wenige seiner Zunft bestimmt er das Geschehen seit über 40 Jahre populärer Musik mit. Abseits seiner Stammband war er auch immer sehr umtriebig. Es gibt wohl kaum ein künstlerisches Betätigungsfeld, wo er sich noch nicht erfolgreich versucht hat. Immer dann, wenn ihm das Bandkorsett zu eng wurde oder es mal wieder Streitigkeiten mit seinen Kollegen gab, suchte er sein Heil in Soloausflügen.

Mit „The Very Best Of“ gibt es nun einen guten Querschnitt seiner Solophasen. Wer sich jetzt fragt, ob dies bei vier Alben überhaupt Sinn macht, dem sei an dieser Stelle schon mal mit auf den Weg gegeben: Ja macht es! Man hat sich hier nicht nur auf die Auskopplungen aus den Alben beschränkt, sondern auch noch einiges mehr zusammengetragen.

Insgesamt befinden sich siebzehn Tracks auf dem Silberling. Neben den Albenbeiträgen gibt es aber auch Aufnahmen, die auf diesen nicht enthalten waren, wie etwa die Duette mit David Bowie, Peter Tosh, Filmtracks und drei bisher unveröffentlichte Aufnahmen. Mick Jagger höchstpersönlich ist übrigens maßgeblich an der Songauswahl beteiligt. Es handelt sich also nicht um die übliche und lieblose Zusammenstellung einer Plattenfirma. Von „The Very Best Of“ kann man also eine ganze Menge mehr erwarten, wenn der Meister schon selber involviert war.

Die schon zehn bekannten Albumtracks schwanken von der Qualität natürlich. Los geht es mit dem grenzgenialen „God Gave Me Everything“, dem man die Beteiligung von Lenny Kravitz deutlich anmerkt, hat allerdings auch so debile Songs wie „Let´s Work“ zu bieten. Jaggers Solosachen waren allerdings schon immer eine zwiespältige Angelegenheit. Das älteste Stück auf dem Album ist aus dem Film „Performance“. „Memo From Turner“ gehört zweifelsohne zu den besseren Stücken seines Soloschaffens, was nicht zuletzt daran liegt, dass Ry Cooder hier die Slide-Gitarre spielt. Interessanter dürften da schon die Non-Album-Tracks und die unbekannten Songs sein.

So ist zum Beispiel das schöne „Old Habits Die Hard“ aus dem Film „Alfie“ vertreten. Hier stand Herrn Jagger Dave Stewart sehr hilfreich zur Seite. Auch der Temptations Klassiker „(You Got To Walk And) Don´t Look Back“ aus dem Peter Tosh Werk „Bush Doctor“ hat es auf die Scheibe geschafft. Nun gut, das war damals schon ein Griff ins berühmte Klo und ist auch heute nicht besser. „Dancing In The Street“ hat ja schon immer viel Prügel einstecken müssen, aber so schlecht, wie es oftmals gemacht wird ist es nun auch nicht, gefällt zuweilen doch recht gut. Auf jeden Fall eine richtige Entscheidung das Dingen auf diese Zusammenstellung zu nehmen.

Mit „Too Many Cooks (Spoil The Soup)“ ist ein unveröffentlichter Song enthalten, der ein richtiges Allstar-Lineup zu bieten hat. Produziert hat dies kein Geringerer wie John Lennon. Die Gitarren bedienen Danny Kotchmar und Jesse Ed Davis, Al Kooper veredelt das funkige Groovemonster mit seinem Keyboardspiel, Jack Bruce lässt den Bass pumpen und Jim Keltner sitzt hinter der Schießbude – ganz groß!

Zwei weitere unveröffentlichte Songs stammen aus der „Wandering Spirit“ Session. „Charmed Life“ liegt allerdings nicht in der ursprünglichen Version vor, sondern wurde noch mal rhythmisch überarbeitet. Nett, mehr aber auch nicht und insgesamt sicher verzichtbar, auch wenn hier seine Tochter die Backingvocals singen darf. Dafür wird man mit „Checkin´Up On My Baby“ mehr als entschädigt. Jagger entdeckt hier endlich mal wieder den Blues. Aufgenommen wurde das Dingen während einer Pause zu „Wandering Spirit“ mit den Red Devils, einer Bluesband aus L.A.. Der Vorschlag kam seinerzeit von Rick Rubin. Wieso in Gottes Namen hat Rubin nicht gleich zu einem kompletten Album in dieser Konstellation geraten? Ganz großes Kino, schon dafür lohnt sich der Kauf.

Fazit: „The Very Best Of“ ist dann doch eigentlich keine reine „Best Of“ Scheibe, da hier auch zu viele Songs fehlen, die auf eine derartige Zusammenstellung gehören. Und genau dieser Umstand ist die große Stärke dieser Veröffentlichung. Natürlich darf mit diesem Silberling auch der ein oder andere Taler verdient werden, allerdings bekommt man ja auch eine Menge an Gegenwert, da hier auch noch genügend neues und unbekanntes Material enthalten ist. Die Qualität ist natürlich variierend, aber das kennt man von Mick Jagger ja, aber passt schon.

Einen Werbetrailer zur CD könnt ihr euch hier ansehen:

http://www.annexfilms.co.uk/jpc/Jagger_080807.mov

 

Die Website findet ihr hier:

http://www.mickjagger.com

1 Comment »

  1. Hallo, ein schöner Artikel, hat mich auch ein bisschen inspiriert was zu schreiben, mein Favorit ist “Old Habits die hard”, ein genialer Song …
    Ach ja und ich hoffe ihr seit mir nicht böse, denn den Spruch mit den gefühlten 100 Jahren hab ich auch geschrieben (dafür bekommt ihr aber einen Backlink) Wobei ich fairer Weise noch sagen will, falls ich es löschen müsste, würde ich es tun …

    So und nun muss ich weiter stöbern …

    Grüße

    Comment by Zauberer Berlin — October 9, 2007 @ 11:02 pm

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